Olympia-Momente

31. Juli 2012 11:31; Akt: 31.07.2012 11:37 Print

Das Doping, die Flucht und der mysteriöse Unfall

Griechenland fieberte 2004 Olympia in Athen entgegen. Zwei heisse Goldeisen hatte es im Feuer – doch ausgerechnet diese sorgten noch vor der Eröffnungsfeier für den grössten Skandal.

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Ganz Griechenland freute sich auf die Rückkehr der Olympischen Spiele nach Athen. Man hatte auch heisse Medaillenanwärter in den eigenen Reihen. Unter anderem auch Sprinter Kostas Kenteris, Olympiasieger über 200 Meter in Sydney 2000, und Ekatarina Thanou, die in Sydney über 100 Meter Silber gewonnen hatte. Beide wollten erneut aufs Podest. Der Hype um die Hoffnungsträger war riesig. Kenteris hätte gemäss Gerüchten gar der letzte Fackelläufer sein können und das Olympiastadion war für den 200-m-Final der Männer als erster Wettkampf ausverkauft.

Doch dann kam die Nacht vor der Eröffnungsfeier. Thanou und Kenteris waren gerade auf dem Weg zurück ins olympische Dorf, als sie Sportfunktionär Manolis Kolybadis abfing und vor einer unangekündigten Dopingkontrolle warnte. Kenteris und Thanou drehten auf dem Absatz um und flüchteten: Das Drama nahm seinen Lauf.

Der Unfall, den es nie gab

Offiziell hätten sie «persönliche Sachen» abholen müssen. Kein Problem: Der Test könne in zwei Stunden nachgeholt werden. Doch auch da erschienen die Sprinter nicht. Der Grund war dieses Mal ein Motorradunfall. Beide mussten ins Spital – mit Schleudertrauma und Beinverletzungen, wie das Krankenhaus mitteilte.

Aber bald wurden Ungereimtheiten bekannt: Der Kioskbetreiber in unmittelbarer Nähe der angeblichen Unfallstelle bekam nichts mit, bei der Polizei ging keine Unfallmeldung ein und Kenteris sowie Thanou gingen in ein Spital am anderen Ende der Stadt. Es war offensichtlich: Die beiden wollten die Dopingkontrolle umgehen. Ähnliches hatte Kenteris übrigens schon im Training vor den Spielen gemacht. Er sei dafür in Chicago gewesen. Doch als dort eine Probe angekündigt wurde, meldete der Grieche sich ab, da er früher heimkehrte. Andere Quellen sagen, der Olympiasieger von 2000 sei gar nie in den USA gewesen.

«Wie aufgescheuchte Tauben»

Das griechische olympische Komitee suspendierte seine beiden Stars am 14. August vorläufig bis zu deren Anhörung zwei Tage später. In der Zwischenzeit plauderte Funktionär Kolybadis. Die beiden seien nach seiner Warnung in Panik geraten und wie «aufgescheuchte Tauben» geflüchtet. Die Einvernahme wurde auf den 18. August verschoben, was Kenteris einen Tag zuvor nutzte, um anzukündigen, dass er vor der IOC-Kommission alle Vorwürfe widerlegen könne und starten werde. Einen Tag später sagte er: «Aus Verantwortungsbewusstsein» wolle er auf einen Start verzichten. Auch Thanou gab ihre Akkreditierung dabei zurück.

In der Folge wurden beide für zwei Jahre gesperrt. Der Skandal war allerdings lange nicht ausgestanden. Im Gegenteil, es folgte eine regelrechte Schlammschlacht, die erst im letzten Jahr endete. Thanou gab nach zweijähriger Wettkampfsperre ihr Comeback und qualifizierte sich für Peking 2008. Kurz vor den Spielen in China verweigerte das IOC der Griechin aber die Akkreditierung. Kenteris trat zurück. Doch beim Prozess im Mai 2011 wurden die beiden wegen Meineides zu 31 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Sechs Ärzte und die «Unfallzeugen» kassierten mindestens ein halbes Jahr. Vier Monate später sollten jedoch beide vom Athener Berufungsgericht freigesprochen werden.

(fox)