Das Warten geht weiter

22. März 2020 18:22; Akt: 23.03.2020 09:55 Print

Das IOK entscheidet noch nicht

Das Internationale Olympische Komitee entscheidet in den nächsten vier Wochen über die Durchführung der Spiele in Tokio.

storybild

Das IOK und ihr Präsident Thomas Bach nehmen sich weitere vier Wochen Zeit, um über die Durchführung der Olympischen Spiele im Sommer 2020 zu entscheiden. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In spätestens vier Wochen soll Klarheit über eine mögliche Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio herrschen. Das Internationale Olympische Komitee (IOK) setzte sich nach einer Telefonkonferenz der Exekutive diese Deadline, schloss aber gleichzeitig eine Komplett-Absage der Sommerspiele aus. Das teilte das IOK am Sonntagabend mit, nachdem der Druck bezüglich einer Entscheidung immer grösser geworden war.

«Menschenleben haben Vorrang vor allem, auch vor der Austragung der Spiele. Das IOK will Teil der Lösung sein», sagte IOK-Chef Thomas Bach. Er wünsche sich, dass sich die Hoffnung, die so viele Athleten, Nationale Olympische Komitees und internationalen Verbände aus allen fünf Kontinenten geäussert hätten, erfüllt werden. «Dass am Ende dieses dunklen Tunnels, durch den wir alle gemeinsam gehen, ohne zu wissen, wie lange er noch dauert, die olympische Flamme ein Licht sein wird», sagte Bach.

Ein wenig Hoffnung bleibt dem deutschen Fecht-Olympiasieger von 1976 also noch, der sich lange gegen jegliche Diskussionen gewehrt hatte – trotz der vielen Rufe nach einer Verlegung der Tokio-Spiele. Doch nachdem die Weltgesundheitsorganisation täglich steigende Zahlen an Corona-Infektionen und Toten vermeldete, musste das IOK handeln.

Bach spielt nun auf Zeit und hofft auf Besserung. Diese Hoffnung haben andere bereits aufgegeben. Max Hartung, Vorsitzender des Vereins «Athleten Deutschland» hat bereits entschieden, nicht an den Tokio-Spielen teilzunehmen, wenn sie doch im Sommer stattfinden sollten. Auch vom amerikanischen Leichtathletik- und Schwimmverband kamen entsprechende Forderungen nach einer Verschiebung.

Verschiebung um ein Jahr?

Denkbar ist eine Verschiebung der vom 24. Juli bis 9. August geplanten Sommerspiele auf den Herbst, auf Sommer 2021 oder gar auf 2022. Am wahrscheinlichsten dürfte die Verlegung um ein Jahr sein, was angesichts des fixierten Terminkalenders im Weltsport auch eine monumentale Entscheidung nie da gewesener Dimension wäre. Im Sommer 2021 sind zum Beispiel die Weltmeisterschaften der Schwimmer in Fukuoka/Japan und die der Leichtathleten in Eugene/USA vorgesehen. Gegen 2022 spricht, dass in dem Jahr die Olympischen Winterspiele im Februar und die Fussball-WM im November und Dezember stattfinden.

Eine Olympia-Verschiebung wäre eine historische Entscheidung, doch eine Absage wie es sie in der Vergangenheit schon einige Male gegeben, wird es wegen des grassierenden Virus nicht geben. Im Ersten Weltkrieg wurden die Sommerspiele 1916 (Berlin), im Zweiten Weltkrieg die Sommerspiele 1940 (Tokio) und 1944 (London) sowie die Winterspiele 1940 (Cortina d'Ampezzo) und 1944 (Sapporo) gestrichen.

Zwar hat Japan das Virus gut in den Griff bekommen, allerdings greift die Pandemie weltweit immer mehr um sich. Eine Sportveranstaltung mit rund 11'000 Athleten und Tausenden an Zuschauern, Betreuern und Journalisten wären kaum zu verantworten. «Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung», hatte etwa Virologe Alexander Kekulé in der ARD-«Sporschau» gewarnt.

Schwierige Vorbereitung

Auch ist aufgrund der Ausgeh- und Reiseverboten in vielen Ländern eine geregelte Wettkampfvorbereitung nicht mehr gegeben, ganz zu schweigen von regelmässigen Dopingkontrollen. Dazu kommt das Problem der Olympia-Qualifikationen, die in den letzten Wochen reihenweise abgesagt worden waren.

Sollte nun auch Olympia verlegt werden, hätte es auch die letzte Grossveranstaltung erwischt. Fussball-EM, Formel-1-Rennen, French Open, Eishockey-WM oder der nationale Ligen-Betrieb – die Sportwelt steht seit Wochen still.

Ungeachtet der Pandemie hielten IOC und Gastgeberland noch am Wochenende an den olympischen Ritualen der Spiele-Vorbereitung fest. Am Samstag kamen mehr als 55'000 Menschen zum Bahnhof Sendai im Nordosten von Japan, um das dort angekommene Olympische Feuer in Empfang zu nehmen. Dabei hatte die Regierung die Öffentlichkeit aufgefordert, grosse Versammlungen zu vermeiden.

Resultate und Tabellen

(dpa)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick am 22.03.2020 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Zeitpunkt für ein Ende

    Der Laden gehört endgültig dicht gemacht. Am besten noch heute.

    einklappen einklappen
  • heneli am 22.03.2020 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll man da sagen.

    Dumm wie Stroh

    einklappen einklappen
  • adi am 22.03.2020 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    peinlich der Deutsche Chef

    Der Bonus des Deutschen hängt daran. Solange ihm das IOC nicht diesen vollumfänglich zusichert, auch ohne Spele, stellt er sich quer.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gierlappen am 24.03.2020 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbare Gier

    Schon unglaublich wie gierig manchen Leute sind und dafür alles aufs Spiel setzen. Für mich hat das nichts mehr mit Sport usw. zu tun. Irgendwann wird sich deren Verhalten rächen und hoffentlich den Richtigen erwischen!

  • joelio20 am 24.03.2020 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wie beim Dopingskandal

    Hat man etwas anderes erwartet...?

  • Xoxito am 24.03.2020 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfui

    Peinlich ist das nicht schon alle Nationen wie Kanada, Australien abgesagt haben !

  • Auswanderin am 24.03.2020 01:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein aber verschieben

    Was wäre eine Medaille wert? Sportler können nicht trainieren, nicht reisen oder sind sogar krank. Somit wäre das ganze eine Farce. Verschiebt diese Olympiade, damit alle eine faire Chance haben. Sonst wird es eine DoppingOlympiade . Und wie sagt man so schön aufgeschoben ist nicht aufgehoben !!!

  • Aristoteles am 23.03.2020 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schickt in bachab

    Bach fehlen die charakterlichen Voraussetzungen für diesen Job, welcher nämlich mit Kultur und Ethik zu tun hat. Die Person ist ungeeignet.

    • Christopher am 23.03.2020 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aristoteles

      Mit dem olympischen Gedanken hätte eine Durchführung nichts zu tun. Es ist absolut unsportlich, an einer Durchführung festzuhalten, selbst aus wirtschaftlicher Betrachtungsweise. Da geht wohl Sturheit mit Inkompetenz einher und es mangelt an Grösse.

    einklappen einklappen