Wettkampfabsprachen

11. Februar 2011 14:37; Akt: 11.02.2011 14:58 Print

Das Sumo-Ringen versinkt in der Korruption

Zum ersten Mal seit 65 Jahren findet in Japan das traditionelle Früjahrs-Sumo-Turnier in Osaka nicht statt. Stattdessen müssen sich die Kämpfer Verhören unterziehen.

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Der Sumo-Sport versinkt im Wettsumpf. (Bild: Keystone)

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Ein grosser Skandal erschüttert das Sumo-Ringen. Seit bekannt wurde, dass mindestens 14 Kämpfer und Stallmeister sich an Wettkampfabsprachen beteiligt haben, steht der japanische Nationalsport unter Generalverdacht. Die Öffentlichkeit ist empört und verlangt nach Auflärung. Seit Dienstag ist der Sumo-Verband bemüht, diesem Begehren nachzukommen. 70 Ringer der ersten und zweiten Liga müssen zu Befragungen antraben. Denn erstmals gibt es Beweise zu den Korruptionsvorwürfen, die schon seit Längerem wie dunkle Wolken über dem Sumo-Sport hängen. Als die Polizei im letzten Sommer wegen illegalen Baseball-Wetten ermittelte, in die Sumo-Kämpfer und -Funktionäre verwickelt waren (20 Minuten Online berichtete), fanden sie auf den beschlagnahmten Handys einiger Ringer klare Wettkampfabsprachen, wie die «Frankfurter Allgemeine» schreibt. Da war beispielsweise zu lesen: «Ich brauche einen Sieg, um meine Schulden zu bezahlen.» Dazu genaue Angaben, wie der Kampf sich abspielen sollte. Für Siege wurden umgerechnet mehrere tausend Franken bezahlt.

Zwei Ringer und ein Stallmeister sollen Medienberichten zufolge die Wettkampfabsprachen breits zugegeben haben. Der Sumo-Verband erhofft sich von den Befragungen noch mehr Geständnisse. Das Problem: Die gesamte Verantwortung in diesem Skandal liegt in den Händen der Sport-Funktionäre, da die Wettkampfabsprachen nicht gesetzeswidrig sind. Die Polizei kann nur dann eingreifen, wenn sich herausstellen sollte, dass auf die Kämpfe auch illegal gewettet worden ist. Die Japaner trauen aber auch dem Verband nicht wirklich über den Weg, wird ihm doch vorgeworfen, in der Vergangenheit Skandale immer wieder vertuscht zu haben. Sollte sich die aktuelle Affäre noch ausweiten, sieht es düster aus für Japans Nationalsport.

(mon)