Bill May

27. Juli 2015 15:07; Akt: 27.07.2015 15:08 Print

Der erste Weltmeister im Synchronschwimmen

Ausgerechnet in Russland dürfen Männer erstmals um WM-Medaillen kämpfen. Bill May aus den USA erfüllt sich den Traum von Gold.

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Premiere: An der WM der Synchronschwimmer in Kasan treten erstmals Männer an. Der Star ist Billy May (l.) aus den USA, der mit seiner Partnerin Christina Jones Gold holt. Das Duo strahlt mit der Goldmedaille um den Hals! Auch Bill May ist übrigens geschminkt, einfach nur dezent. Zu Beginn ihres Auftritts springt der 36-Jährige elegant ins Wasser. Bill May ist ein Vorkämpfer: Der Amerikaner gewann Ende der Neunzigerjahre die Goodwill Games, durfte aber nicht bei Weltmeisterschaften oder Olympia antreten. Vergangenen Herbst hob der Weltverband überraschend den Männer-Bann auf. Insgesamt traten bei der WM in Russland sechs Nationen im Mixed-Wettbewerb an. Das WM-Podest: Russland (l.), die USA (M.) und Italien. Der Erfolg (Silber) des russischen Duos dürfte nicht überall für Freude sorgen: Russlands Sportminister Witali Mutko hatte im Vorfeld der WM die neue Ära in der bisherigen reinen Frauen-Sportart als «dumme» und «fehlerhafte» Entscheidung gegeisselt. Malzew weiss zu gut, dass allein sein Outfit - Gelatine im Haar, Schminke, hautenger Uniformbody - weite Teilen der russischen Öffentlichkeit polarisiert. Der 20-Jährige trägt einen Badeanzug im Look eines Rotarmisten, den der Krieg von seiner Liebe trennen soll. Das italienische Bronze-Duo Manila Flamini und Giorgio Minisini. Der junge Italiener: «Natürlich haben einige Vorurteile, aber ich mache das, was ich am besten kann», sagte er zu den Reaktionen in seiner Heimat. Am Gesichtsausdruck kann Minisini noch arbeiten. Auch in Sachen Körperspannung ist ihm seine Partnerin einiges voraus. So sieht es zumindest aus.

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Fehler gesehen?

Die Geschlechterrollen verschwimmen – nun ist eine der letzten Frauendomänen gefallen. Erstmals mischen Männer bei einer WM im Synchronschwimmen mit. «Beim Eiskunstlauf geht es doch mit Frauen und Männern auch, warum nicht im Synchronschwimmen?», sagt Bill May, der sich als erster Mann zum Weltmeister im Synchronschwimmen kürte. Er gewann an der WM in Kasan Gold an der Seite von Christina Jones.

May ist ein Vorkämpfer. Der 36-jährige Amerikaner gewann Ende der Neunzigerjahre die Goodwill Games, durfte aber nicht bei Weltmeisterschaften oder Olympia antreten. Er beendete seine sportliche Laufbahn, trat beim Cirque du Soleil auf und kehrte nach elf Jahren zurück, als der Weltverband im letzten Herbst überraschend den Männer-Bann aufhob.

Sechs Nationen haben am Mixed-Wettbewerb teilgenommen. Für Gastgeber Russland gewannen Alexander Malzew und Darina Valitova Silber, Bronze ging an Manila Flamini/Giorgio Minisini aus Italien. Ausgerechnet Russland, das im Vorfeld der Weltmeisterschaften die Nase rümpfte. Sportminister Witali Mutko hatte die neue Ära in der bisherigen reinen Frauen-Sportart als «dumme» und «fehlerhafte» Entscheidung gegeisselt.

«Ich mache das, was ich am besten kann»

Beim Synchromschwimmen gehören farbige und glitzernde Badeanzüge sowie reichlich Schminke zum Programm, um aufzufallen. Wie handhaben dies die Männer? Bill May schwimmt dezent geschminkt in bunter Badehose. Im Vorkampf trat dagegen der junge Italiener Giorgio Minisini mit unrasiertem Körper an. «Natürlich haben einige Vorurteile, aber ich mache das, was ich am besten kann», sagte er zu den Reaktionen in seiner Heimat. Familie und Freunde würden ihn aber unterstützen, nachdem sie sich seinen Sport angesehen hätten.

Russlands Malzew sorgt im Badeanzug im Look eines Rotarmisten, den der Krieg von seiner Liebe trennt, für den Hingucker. «Bei uns gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich habe kein Problem, meine artistischen und balletttänzerischen Fähigkeiten zu zeigen», sagt Malzew diplomatisch. Er weiss zu gut, dass allein sein Outfit – Gelatine im Haar, Schminke, hautenger Uniformbody – in weiten Teilen der russischen Öffentlichkeit polarisiert.

(als/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Synchro am 27.07.2015 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Endlich wird auch mal auf die anderese Seite die Gleichberechtigung durchgeführt. (Y)

  • Synchronschwimmerin am 27.07.2015 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Wenn man weiss wie sehr das Bill für diesen Moment in den letzten Jahren gekämpft hat, ist man schon sehr sehr stolz! Und das er dann sagen kann das er zusätzlich die Russen geschlagen hat, Wow. Ich freue mich sehr für ihn!

  • b.d.r. am 27.07.2015 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nur gerecht

    Männer in Synchronschwimmen ist wohl vergleichbar mit der früheren Ansicht Männer und Ballett (ala Billy Elliot)...Wurde also langsam Zeit, dass auch Männer im Synchronschwimmen antreten können, ist nur gerecht. Sowieso hab ich vor SynchronschwimmerInnen echt Respekt: diese Präzision und das ganze unter Wasser beeindruckt mich immer.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sportfan am 28.07.2015 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Offen für neues

    Vielleicht ist es an der Zeit, dass Russlands Sportminister abritt. Ab einem gewissen Alter ist man nicht mehr flexibel und offen für neues.

  • Dasa am 27.07.2015 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langw

    Jetzt wird es wirklich noch langweiliger als die ewige Federerflut...

  • Champion am 27.07.2015 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Bravo Bill! Für mich bist und bleibst Du der Grösste. Wie kennen uns persönlich von den Limmat Nixen Zürich. Ein liebenswerter Typ.

    • Synchronschwimmerin am 28.07.2015 08:22 Report Diesen Beitrag melden

      Danke!

      Genau an das habe ic hauch gedacht, wenn man sich denkt wie oft das er schon bei uns an Shows u.ä. mitgeschwommen ist und jetzt seinen "Lebenstraum" erfüllen konnte

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  • Pfusi am 27.07.2015 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männlein oder Weiblein?

    Man sollte auch sagen dürfen: das ist nichts für Männer. Ich bin auch der Meinung, dass nicht jeder Sport für Frauen geeignet ist. Es ist mir Wurst was einige von Ruch denken, dass ich falsch erogen wurde oder ich ein falsches Geschlechterbild habe etc. Ich habe einfach die Ansicht es gibt weiblich und männlich und dazu stehe ich!

    • Lesbonautin am 27.07.2015 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gleiche Rechte

      Wenn Queen Elizabeth in den 40er Jahren Lastwagenmech werden konnte, dann können Männer doch heutzutage auch Synchronschwimmer, Kindergärtner oder Hausmann werden! In so vielen Gebieten sind wir in der Gleichberechtigung weiter gekommen, in manchen ist noch Handlungsbedarf... Männer sollten Röcke tragen und weinen dürfen - wenn sie denn wollen!

    • Saphi Ra am 27.07.2015 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Trotzdem kein Bann

      Nur weil einige dieser Meinung sind, muss nicht gleich ein Männer-Bann her. Jeder soll doch das machen dürfen, was er oder sie gerne tut oder gut kann.

    • Peter am 28.07.2015 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      Pfusi

      Es gibt männlich und es gibt weiblich. Korrekt. Aber das heisst ja nicht, dass Frauen kein Fussball spielen dürfen, oder Männer kein Synchronschwimmen. Darf und soll jede/r machen was er/sie will.

    • patrick h. am 28.07.2015 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      domänen

      Es gibt keine männlichen oder weiblichen Domänen. Es gibt nur menschliche Domänen. Es ist traurig das so was im Jahr 2015 immer noch zu Diskussionen führt. Lasst doch die Leute das tun was sie tun wollen. Warum müssen immer andere bestimmen was gut und richtig ist?

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  • b.d.r. am 27.07.2015 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nur gerecht

    Männer in Synchronschwimmen ist wohl vergleichbar mit der früheren Ansicht Männer und Ballett (ala Billy Elliot)...Wurde also langsam Zeit, dass auch Männer im Synchronschwimmen antreten können, ist nur gerecht. Sowieso hab ich vor SynchronschwimmerInnen echt Respekt: diese Präzision und das ganze unter Wasser beeindruckt mich immer.