Doping-Skandal

23. Januar 2020 18:39; Akt: 23.01.2020 19:24 Print

So dopte Jan Ullrich

Doping bei Jan Ullrich? Jahrelang lief man da vor eine Mauer des Schweigens. Bis jetzt. Der frühere Mentor von Jan Ullrich, Rudy Pevenage, packt aus.

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Doppelwandige Cola-Dosen, Blutbeutel in Milchpaketen oder Codenamen für Doping-Kuriere: Was das Zeug für einen Spionage-Streifen hätte, beschreibt lediglich die ausgeklügelten Doping-Praktiken im Radsport. Rudy Pevenage, langjähriger Mentor von Jan Ullrich, hat ausgepackt. In seiner am Donnerstag erschienenen Biografie «Der Rudy» räumt der Belgier langjährige Dopingpraktiken ein und berichtet ausführlich über die düsteren Machenschaften zu jener Zeit.

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«Ich möchte niemanden verletzen, erzähle aber die Wahrheit darüber, was ich mitgemacht und gesehen habe», schrieb Pevenage, der Ullrich in seiner gesamten Profikarriere als Teamchef, Trainer und Betreuer begleitet hatte. 1997 gewannen sie zusammen die Tour de France, drei Jahre später krönte sich Ullrich zum Olympiasieger, dazu gewann er zweimal den Weltmeister-Titel im Einzelzeitfahren, ehe 2006 im Zuge des Skandals um Dopingarzt Eufemiano Fuentes der tiefe Fall und schliesslich auch das wenig ruhmreiche Karriereende folgte.

Die Blutbeutel wurden in leeren Milchkartons verpackt

Der deutsche Radstar wurde 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen seiner Verwicklung in den Skandal zu einer zweijährigen Sperre verurteilt. Ein Jahr später gab Ullrich in einem «Focus»-Interview zu, Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen zu haben. Ullrich war zu einer Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen.

Pevenage berichtet in seinem Buch, wie er vor dem Tour-Start 2004 in Lüttich ein Hotelzimmer im nahen Kelmis mit einem Extra-Kühlschrank angemietet hat. Die Blutbeutel wurden in leeren Milchkartons verpackt. Ein früherer Mountainbiker mit dem Codenamen Ali Baba diente als Kurier und brachte die Pakete den Fahrern ins Hotel. «Am folgenden Abend kamen auch die Ärzte José Luis Merino und Eufemiano Fuentes zu uns. Es wurde eine Liste mit Fahrern erstellt, die Ali Baba als Träger besuchen musste. (...) Die Blutbeutel wurden sorgfältig in leere Milchkartons verpackt und mit einem Code versiegelt. Der Plan war, sie dem richtigen Fahrer gleich nach dem Abendessen in den jeweiligen Hotels zu übergeben», schrieb Pevenage.

Zwei gefallene Helden: Lance Armstrong und Jan Ullrich (Bild: Getty Images)

Mitunter wurde es auch brenzlig, wie etwa bei einer Razzia 2001 in Italien, als Pevenage schnell eine Insulinspritze zerbrach und die Toilette hinunterspülte. Vergessen hatte er nur die raffiniert präparierte Cola-Dose – offenbar ohne Folgen. «Die Dose war doppelwandig, und man konnte sie oben aufschrauben, um Medikamente einzufüllen und aufzubewahren. Sehr praktisch. Durch die Doppelwand blieb der Inhalt kühl und war von aussen nicht von einer echten Dose Cola zu unterscheiden», erklärte Pevenage.

«Das war nicht so schlau, sie haben ihn abgehört»

So perfekt ging es nicht immer zu. Die Verbindungen zwischen Fuentes und Ullrich wurden auch durch eine Handy-Panne von Pevenage während des Giro d'Italia 2006 aufgedeckt. Als Ullrich das Einzelzeitfahren gewann, wollte Pevenage dies vor lauter Freude Fuentes mitteilen. Die Telefonkarte seiner Freundin sei aber leer gewesen, daher habe er sein eigenes Handy benutzt. «Das war nicht so schlau, sie haben ihn abgehört. So hatten die Ermittler und die spanischen Polizei plötzlich meine Nummer», schrieb Pevenage, der auch Dopingpraktiken während seiner aktiven Karriere einräumte.

Der Skandal um Fuentes war 2006 im Zuge der Operacion Puerto aufgeflogen. Zahlreichen Radprofis wurden die beim Arzt gelagerten Blutbeutel per DNA-Abgleich zugewiesen, darunter auch Ullrich. Pevenage wurde vom T-Mobile-Team entlassen. Eine Rückkehr in den Radsport gab es für ihn nicht mehr.

Resultate und Tabellen

(nih/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aof am 23.01.2020 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brot und Spiele

    Alles Schnee von Gestern. Heute ist alles noch viel raffinierter, egal welche Sportart.

  • walter45 am 23.01.2020 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso packt er erst jetzt aus?

    Ist Pevenage das Geld ausgegangen und will er mit dem Buchverkauf eine Einnahmequelle schaffen? Früher die Geschichte zu eerzählen wäre für den Sport besser gewesen.

  • Karlchen am 23.01.2020 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Im Sport gibt es viele, die Erwischten und Nichterwischten...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jörg Frei am 23.01.2020 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    alle dopen!!! egal welcher sport!!!

  • rainer_d am 23.01.2020 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ulrich hat immer darauf bestanden

    dass er nie betrogen hat. Denn ein Betrug wäre gewesen, sich einen Vorteil gegenüber anderen zu verschaffen. Die Wahrheit ist wahrscheinlich, dass zumindest damals so ziemlich jeder im Feld "etwas" eingenommen hat. Und wenn jeder dopt, dann ist ja irgendwie die Ausgangslage für alle wieder gleich. Zumindest ist diese Sichtweise nachvollziehbar. Ob sie juristisch haltbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Genauso wie die moralische Frage. Aber seien wir ehrlich, in jeder Sportart, bei der es um Millionen geht, kommt erst das Fressen und dann die Moral.Da braucht niemand den ersten Stein werfen

  • Gute Nacht am 23.01.2020 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WADA

    Und die Einnahmen seines Buches? Pevenage spendet das Geld sicher der Antidoping-Komission, oder doch nicht?

  • Mr. Sarcasm am 23.01.2020 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alte Zeiten

    Das ist alles nichts neues. Zu den Aktivzeiten von Ullrich und Pevenage waren praktisch alle gedopt. Besonders diejenigen, die vorne mitfuhren. Sponsoren, Geldgeber, Bosse, Präsidenten und auch erfolgshungrige (um nicht zu sagen geldgeile) Athleten wollten das so. Dennoch mussten sie leiden und vollbrachten Leistungen, die trotz Doping äusserst anstrengend waren und noch sind.

  • Marc Schmidt am 23.01.2020 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ist nur der Radsport verseucht...

    Hat sich, und das nicht nur im Radsport, bis heute wirklich etwas zum Positiven verändert?