Hayes Gegner vom Samstag

09. November 2010 14:52; Akt: 09.11.2010 16:05 Print

Ein Fuss wie Beckham und ein Lucky Punch

«Das wird ein Kampf so einseitig wie eine Gruppenvergewaltigung», kläffte WBA-Weltmeister Haye vor seiner Titelverteidigung gegen Audley Harrison. Zu befürchten hat der Weltmeister eigentlich nur eines.

Harrison schlägt Sprott in der letzten Runde k.o. (Video: YouTube)
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Wieder einmal reichlich geschmacklos provozierte David Haye seinen Gegner Audley Harrison vor der WBA-Titelverteidigung am Samstag in London. Wie schon seine Pendants der Verbände IBF, WBO, IBO und WBC – die Klitschko-Brüder – kämpft Haye gegen einen alten und eher unterklassigen, dafür aber einen ziemlich schlauen Gegner.

Lucky Punch

Audley Harrison befindet sich mit 39 Jahren im zweiten Frühling seiner Karriere. Seine letzten vier Kämpfe gewann er. Zuletzt gegen Michael Sprott durch K.o. Gegen diesen Gegner ging er im Jahre 2007 noch zu Boden und auch in Rückkampf sah es nicht gut aus für Harrison. Bis zur letzten Runde lag er unaufholbar zurück, zu einem Punktsieg würde es nicht mehr reichen. Die ersten Sekunden der letzten Runde glichen dem zuvor Gezeigten. Sprott trieb den 1,96-Meter-Hünen mit der unendlichen Reichweite (218 cm) wie Freiwild durch den Ring. Ein frühzeitiges Ende schien nur noch eine Frage von wenigen Schlägen. Und so kam es dann auch - nur mit unerwartetem Sieger.

Im Übereifer vernachlässigte Sprott seine Deckung nach einem Konter und lief voll in Harrisons linken Schwinger. Der Kampf war vorbei und der Kommentator nannte die Szene eine der besten, die man in britischen Boxringen je gesehen habe. «Diese Linke erträgt Haye nicht», prahlte Harrison ins Mikrophon von ESPN. Haye hatte zuvor provoziert, er sei zu schnell für Harrison und werde nie getroffen.

Fussballfan und Phlegma

Harrison ist bekennender Arsenal-Fan. Bis zu seinem 16. Lebensjahr spielte er als linker Flügel und hatte nach eigenen Angaben eine Einladung für ein Probetraining bei Watford: «Ich war schnell und hatte einen Fuss wie Beckham.» Das klassische Boxergrossmaul ist dem Oldie aber dann doch nicht gegeben und so bekennt er freimütig: «Ich wäre kein Beckham geworden – als ich mit 16 wegen einer Fussverletzung die gesamte Saison pausieren musste, entdeckte ich die Frauen und das Rauchen – danach war es vorbei.» Zum Boxen kam A-Force (Bei Gegnern gerne mal A-Farce genannt) erst spät, mit 19 Jahren.

Seine Amateurkarriere krönte Harrison im Jahre 2000 in Sydney, als er als erster Brite die Olympiagoldmedaille im Schwergewichtsboxen gewann. Danach wechselte er – als 30-Jähriger – ins Profilager. Im 20. Profikampf bezog er gegen Danny Williams knapp seine erste Niederlage als Profi. Danach folgte allerdings der Absturz. Drei Niederlagen in den nächsten sieben Kämpfen – die Karriere des Olympiahelden schien dem Ende nahe. Eine TV-Box-Show und der Zufallstreffer in der 12. Runde gegen Sprott verhalfen dem Oldie zu einem zweiten Frühling.

Gegen David Haye ist der gebürtige Londoner klarer 1:6-Aussenseiter. Wie üblich tönt es aus seiner Ecke anders: «Es gibt kein Wenn und Aber – ich werde den Titel holen. Wettet auf mich und gönnt euch danach eine Tüte Chips und ein Bier.» Solche Sprüche haben wir in letzter Zeit nur zur Genüge gehört, meist wenn es gegen einen Klitschko ging. Das Resultat ist bekannt.

(tog)