Shuttle-Könige

19. August 2019 11:56; Akt: 19.08.2019 13:05 Print

Wenn der Shuttle 493 km/h erreicht

von Dominic Willimann - Erstmals seit 24 Jahren gastiert wieder eine Badminton-WM in der Schweiz. Sie soll national für Aufwind sorgen.

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Da stehen sie mit ihren Rackets auf dem Centralbahnplatz. Sprinten, springen, jagen die Shuttles über den Tinguely-Brunnen, joggen über die Mittlere Brücke. Und hüpfen schliesslich ins Tram. Das Video, das just vor Jahresfrist online ging, zeigt die besten Schweizer Badmintonspieler in ungewohnter Umgebung. Die Sujets sind natürlich nicht zufällig gewählt. Hinter der Aktion steckt der nationale Verband, der 365 Tage vor dem WM-Start vom 19. August 2019 damit seinen WM-Countdown gestartet hat.

Es ist dies einer von vielen Trailern, mit denen Swiss Badminton die Öffentlichkeit wachrütteln und auf das Beste, was es in dieser Sportart zu sehen gibt, hinzuweisen versucht. «All in für Basel» lautet der Slogan, mit dem die Besucher ans Rheinknie gelockt werden sollen. Damit die schnellste Rückschlagsportart der Welt ihre Titelkämpfe vor einer ansehnlichen Kulisse austragen kann. Anders als in Asien zählt Badminton in der Schweiz nach wie vor zu den Randsportarten. Dennoch ist die WM gerade für die Region Basel und ihren Tourismus höchst interessant. «Die Strahlkraft der Stadt hinaus in die Welt ist riesig», sagt Christian Wackernagel, der zusammen mit Charles A. Keller diese WM nach Basel geholt hat und in der Organisation federführend ist.

Die Hilfe des Kantons

Das belegen allein schon die TV-Zahlen der letzten Weltmeisterschaften. Im Schnitt schauten bei den Finalspielen 700 Millionen Menschen zu, bei den entscheidenden Duellen an Olympischen Spielen sind es gar eine Milliarde Menschen, die die Spiele vor dem Fernseher verfolgen. Die Popularität in einigen Ländern bekommen auch die Basler Organisatorenzuspüren. Je eine Fernsehstation aus Dänemark und Japan sendet mit eigenen Studios aus der Brüglinger Ebene. Die TV-Bilder werden in rund eine Milliarde Haushalte weltweit ausgestrahlt.

Dass der Kanton Basel-Stadt den Grossanlass zur nationalen und internationalen Bekanntheitssteigerung des Standorts Basel nutzt, ist verständlich. Schliesslich war er auch treibende Kraft, dass die WM den Weg in die Schweiz gefunden hat. Ohne die garantierten Gelder aus dem Swisslos-Sportfonds wäre die Bewerbung gar nicht realistisch gewesen. Von den fünf Millionen Franken Budget, die die WM und die parallel dazu stattfindende Para-WM kosten, stammen 750000 Franken aus diesem Topf.

Anders als in anderen Sportarten stehen die Sponsoren im Badminton nicht Schlange – selbst nicht für einen Anlass dieser Dimension. Deshalb sind die Veranstalter auf die Einnahmen aus den Eintritten angewiesen. «Wir haben kräftig Werbung gemacht», sagt Julia Küchler, Kommunikationsverantwortliche bei Swiss Badminton, «und hoffen, dass sich die Leute dadurch längerfristig zu uns bekennen.»

Mit «uns» meint Küchler die Vereine. Rund 13 000 Badmintonspieler sind in den nationalen Clubs 2019 lizenziert. Das ist ein Klacks im Vergleich zu den 250 000 Menschen, die in der Schweiz regelmässig ein Badmintonracket in die Hand nehmen. Das Gros der Badmintonspieler geht seinem Hobby in einem Center nach, in dem die Courts stundenweise gemietet werden können.

Die Bewegung vor 25 Jahren

Das war nicht immer so. Als 1995 die WM letztmals in der Schweiz, in Lausanne, ausgetragen wurde, konnte man die Center an einer Hand abzählen. Wer damals Badminton spielte, musste einem Verein angehören. Doch weil die Tenniszentren in den Neunzigerjahren Alternativen brauchten, um ihren Betrieb finanzieren zu können, wurden mehr und mehr Badmintoncourts in den Tennishallen errichtet. Es war dies der Start in eine neue Ära im Badminton, in diejenige des Freizeitspielers. Gleichzeitig wurden die privaten Anbieter zu einem Störfaktor für die Clubs.

Genau auf dieses Zielpublikum hat es der Verband nun abgesehen. Mit Aktionen im Breitensportbereich versuchte man, diese Klientel auf die WM in Basel «gluschtig» zu machen. Am Dienstag und Mittwoch kommen nun jeweils rund 1000 Schüler und Centerspieler nach Basel, um den Stars aus nächster Nähe zuzuschauen. Verständlich, hofft der Verband auf eine Sogwirkung der WM. Damit die Anzahl an Lizenzierten, die zurzeit stagniert, wieder erhöht werden kann. Wackernagel ergänzt: «Die WM soll ein Schaufenster für unseren Sport sein.»

Insgesamt rechnen die Organisatoren mit 30 000 Besuchern und 15 000 bis 20 000 Hotelübernachtungen in der Region. Die meisten der Zuschauer dürften einen Bezug zum Badminton haben. Das haben die Zahlen im Vorverkauf bestätigt: Die entscheidenden Partien sind praktisch ausverkauft. Wer beste Plätze wollte, hat sich frühzeitig darum gekümmert. Meistens waren dies auswärtige Fans, die ihre Reise planen und buchen mussten. «Ich gehe aber auch davon aus, dass sich der Basler kurzfristig dazu entscheidet, mal vorbeizuschauen», sagt Wackernagel. Die Schwellenangst sei bei den lokalen Besuchern nicht mehr vorhanden, seit das Swiss Open einen Fixpunkt im Basler Sportkalender darstellt.

«Faktor Fünf» im Vergleich zum nationalen Turnier

Es ist also nicht so, dass das Basler Sportpublikum Badmintonfremd wäre. Doch die WM ist nochmals eine andere Kategorie als das alljährlich im Frühling stattfindende Swiss Open. «Faktor fünf», nennt Wackernagel den Aufwand und die Dimensionen einer WM gegenüber seinem internationalen Turnier.

Natürlich ist auch die Dichte an Top-Spielern höher, schliesslich möchte man sich ein Jahr vor Tokio für Olympia empfehlen. Diese werden bis Sonntag 12000 Shuttles verbrauchen, um die Weltmeister auszumachen. «Weltklasse», nennt Wackernagel das, was es in den nächsten Tagen in der sanierten St.-Jakobshalle zu sehen geben wird.

Dabei möchte sich Basel als Gastgeber von seiner besten Seite zeigen. Den Auftakt dazu machte am Sonntag Elisabeth Ackermann mit einem offiziellen Empfang im Rathaus, gefolgt von einem offiziellen Welcome-Dinner in der Markthalle.

Mit Alphorn und Jodlern wird belohnt, wer für die WM ein Ticket löst. Das Turnier ist eng mit Swissness verbunden. Denn so bald wird keine WM mehr in die Schweiz kommen. Deshalb sagt sich der Verband umso mehr: All in für Basel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • s.pieler am 19.08.2019 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wird sicher gut

    hopp schwiz und gute Unterhaltung den zuschauern. ist immerhin eine WM.

  • Herr Gäähn am 19.08.2019 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wie ein Flitzebogen

    Spannende Überschrift... "Wenn der Shuttle 493 km/h erreicht"... Und dann im ganzen Bericht keinerlei Erwähnung, was, wenn der Shuttle 493 km/h erreicht... Ach siehe da bei Bild 5/5. Dann kann ich mir den Text künftig sparen und luege Farbeföteli

  • Mark P am 19.08.2019 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend

    So schnell das man es kaum sieht :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bad Mint-Ton am 19.08.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum muss das Ding Shuttle

    genannt werden? unter einem Shuttle stell ich mir ne Space Shuttle vor - aber niemals ein Fäderbällelli...

    • Mario M. am 20.08.2019 04:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bad Mint-Ton

      Da siehst du eben, dass es nicht schadet, seinen Horizont zu erweitern. Und warum muss denn das Space Shuttle unbedingt so heissen?;-)

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  • Gabe am 19.08.2019 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wieso verbrauchen die so viele Shuttles?

    • Mario M. am 20.08.2019 04:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gabe

      Weil diese aus Naturmaterialien sind und stark beantsprucht werden.

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  • Faustballer am 19.08.2019 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WM

    Und von der Faustball WM in der Schweiz kam nie etwas. Schade so etwas.

    • Zank Frappa am 19.08.2019 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Faustballer

      Quatsch - wurde ja am Fernsehen übertragen... Samstag und Sonntag, zur besten Sendezeit. hab mal reingezappt - und wieder weggezappt... wie bei der Jass-Sendung. nur war ich hier noch schneller wieder weg...

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  • Mark P am 19.08.2019 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend

    So schnell das man es kaum sieht :-)

  • Herr Gäähn am 19.08.2019 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wie ein Flitzebogen

    Spannende Überschrift... "Wenn der Shuttle 493 km/h erreicht"... Und dann im ganzen Bericht keinerlei Erwähnung, was, wenn der Shuttle 493 km/h erreicht... Ach siehe da bei Bild 5/5. Dann kann ich mir den Text künftig sparen und luege Farbeföteli