Iranerin kann nicht nach Hause

15. Januar 2020 17:12; Akt: 15.01.2020 19:01 Print

Schach-Schiri wegen Kopftuch diffamiert

von Frrok Boqaj - Shohreh Bayat ist Schiedsrichterin an der Frauen-Schach-WM. Weil sie ihr Kopftuch nicht richtig trug, kann sie nicht mehr in den Iran.

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Shohreh Bayat ist die erste asiatische Chefschiedsrichterin an der Frauen-Schach-WM – doch nicht das erste Opfer einer von iranischen Medien geführten Hetzkampagne gegen eigene Landsleute im Sport. Dabei trat Bayat ihre Reise nach China aus ganz unpolitischen Gründen an. Als Repräsentantin des iranischen Schachverbands leitete sie die Partien der Schach-WM in Shanghai und bedeckte, wie viele Musliminnen, ihr Haar mit einem Kopftuch – doch nach dem Gusto der iranischen Regierung noch zu unauffällig, zu dezent.

Das Kopftuch war für die iranischen Medien Zündstoff genug, um aus einem Sportereignis ein Politikum zu machen. Das erstaunt nicht. Denn Frauen, die sich im Iran weigern, ein Kopftuch zu tragen, müssen wegen unsittlichen Verhaltens und öffentlichen Aufruhrs mit einer Gefängnisstrafe rechnen – so will es das iranische Gesetz, wie es die Inhaftierung der Aktivistin Wida Mowahed 2019 gezeigt hat. Im Iran werfen Medien Bayat vor, sich gegen das Kopftuchgesetz aufzulehnen, wobei die 32-Jährige den Zorn vieler iranischer Mitbürger auf sich zieht. Nicht einmal der iranische Schachverband stärkt ihr den Rücken. Das Gegenteil ist der Fall: Er fungiert als Handlanger der Regierung, forderte Bayat auf, sich schriftlich zu entschuldigen und als Zeichen der Reue einen Hidschab zu tragen – eine Art der Verschleierung, bei der Kopf und Hals bedeckt bleiben.

Bayat fürchtet um ihr Leben

«Ich habe den iranischen Schachverband gebeten, mir schriftlich zu versichern, dass ich ohne Sorge um meine Sicherheit in den Iran zurückkehren kann», teilte Bayat dem ARD-Studio in Shanghai mit. «Als ich darauf keine Antwort bekommen habe, war mir klar, dass es nicht sicher für mich ist, zurückzukehren, und dass es nun auch keinen Unterschied mehr macht, ob ich das Kopftuch trage oder nicht.» Und weil es keinen Unterschied mehr macht, trägt Bayat ihre Haare offen – mit Folgen für ihre Freiheit: Weil sie um ihre Sicherheit fürchtet, hat sie sich entschieden, nicht in ihre Heimat zurückzukehren.

Bayat ist nicht die einzige Frau im iranischen Sport, die sich nicht länger dem Zepter der iranischen Regierung beugen will. Vor wenigen Tagen bezeichnete sich Taekwondo-Sportlerin und Olympia-Medaillengewinnerin Kimia Alisadeh in den sozialen Medien als eine der Millionen unterdrückter Frauen im Iran. Alisadeh kritisierte unter anderem, dass sie gezwungen wurde, einen Hidschab zu tragen, und bezichtigte Funktionäre im Iran des Sexismus. Vor wenigen Tagen flüchtete Alisadeh aus ihrem Heimatland.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Priska D. am 15.01.2020 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnig

    Und so etwas im Jahr 2020. Lasst doch die Frauen mit solchem Unsinn in Ruhe. Es sollte jeder Frau freistehen ein Kopftuch zu tragen oder nicht.

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  • Jojo am 15.01.2020 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Befreit die Iraner

    Es gibt Millionen und Abermillionen von freiheitsliebenden jungen Menschen im Iran, die gerne in einer säkularen Demokratie leben würden, aber leider ist ein widerwärtiges abscheuliches Regime von religiösen Fanatikern an der Macht.

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  • Geissenpeter am 15.01.2020 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich dachte das hat nichts mit Islam zu tun?

    wieso regt sich dann ein Land darüber auf, wie sie ihr Kopftuch im Ausland trägt? Es braucht Reformen in der Religion.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 16.01.2020 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    freiwillig?

    Und dann gibt es echt noch Leute, welche behaupten, dass die Frauen es freiwillig tragen...

  • kenne beides gut am 16.01.2020 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das kommt nicht vom Islam oder Arabern

    Die ausdrückliche Erwähnung des Kopftuchtragens oder Verhüllung gibt es im Islam nicht! jedoch in der Thora wird als Frumka erwähnt. Die Beschneidung lässt sich auch nirgends im Koran finden! Aber in der Thora Jeremia  4:1-4 Im Koran steht auch nichts von der Steinigung geschrieben aber in der Thora 5. Mose 22:20-21 Moses wird im Koran mehr erwähnt als Mohammed. Moses wird 145 Mal erwähnt und Mohammed nur 2 Mal.

  • Leila am 16.01.2020 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommt nicht vom Islam

    Die ausdrückliche Erwähnung des Kopftuchtragens oder Verhüllung gibt es im Islam nicht! Jedoch in der Thora wird als Frumka erwähnt. Die Beschneidung lässt sich auch nirgends im Koran finden! Aber in der Thora Jeremia  4:1-4 Im Koran steht auch nichts von der Steinigung geschrieben aber in der Thora 5. Mose 22:20- 21 Moses wird im Koran mehr erwähnt als Mohammed! Moses wird 145 Mal erwähnt und Mohammed nur 2 Mal.

  • Wildi am 16.01.2020 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    sich da über den Iran zu erregen, ist heuchlerisch. Bei uns laufen massenhaft Kopftuchfrauen herum. Ich meine nicht die Ingenbohler Schwestern, sondern die, die von der Verwandtschaft blau gehauen werden, wenn sie ohne Kopftuch herumgehen. Und das wird von staatlich bezahlten Funktionärinnen schöngeredet.

    • EmanuelX am 16.01.2020 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wildi

      Wäre schön, wenn du dich etwas konkreter ausdrücken könntest. Nenne Namen und streue nicht Gerüchte.

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  • Peter Friedli am 16.01.2020 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    In Europa und auch kräftig in der Schweiz kämpfen gewisse Gruppen darum, das Frauen sich verschleiern können und dürfen - dort wo sich diese Frauen unterwerfen müssen und verfolgt werden, bleibt ihnen nichts anderes als zu fliehen! Vielleicht sollte sich unsere "Frauenrechtlerinnen" dort einmal vor Ort - ohne Verschleierung - ein Bild machen gehen...