Leichtathletik

02. März 2018 22:55; Akt: 03.03.2018 08:52 Print

Kambundji sprintet zu historischer Medaille

Mujinga Kambundji holt an der Hallen-WM Bronze im 60-m-Rennen. Die Schweizerin verpasst den 2. Rang hauchdünn.

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Mujinga Kambundji hat an den Hallen-Weltmeisterschaften in Birmingham für einen Coup gesorgt. Die 25-jährige Bernerin gewann über 60 m in 7,05 Sekunden Bronze und holte damit als erste Schweizer Athletin eine Medaille im Sprint an weltweiten Titelkämpfen.

«Es ist verrückt», sagte Kambundji im Fernsehinterview mit der BBC unmittelbar nach ihrem Coup. «Die besten Sprinterinnen der Welt waren da – und ich bin mittendrin.» Obwohl ihr der Start nicht perfekt gelungen war, verkrampfte sie nicht und sicherte sich und Swiss Athletics auf den letzten Metern eine historische Medaille. Eine Sprint-Medaille an Weltmeisterschaften holte die Schweiz noch nie. «Ich hätte nie gedacht, dass ich dazu fähig bin.»

Video: Der Bronzelauf von Mujinga Kambundji
WM-Bronze: Die 25-jährige Bernerin gewann über 60 m in 7,05 Sekunden Bronze. (Video: Tamedia/SRF)

Ihren vor knapp zwei Wochen in Magglingen aufgestellten Schweizer Rekord von 7,03 verpasste Kambundji in ihrem ersten WM-Final in einer Einzeldisziplin nur um zwei Hundertstel. Ihre Halbfinal-Serie hatte die EM-Dritte von 2016 im Freien in 7,10 gewonnen.

Überraschendes Ergebnis

Schneller als Kambundji waren nur zwei Athletinnen von der Elfenbeinküste. Murielle Ahouré holte in der Jahresweltbestzeit von 6,97 überlegen Gold, nachdem sie 2012 und 2014 jeweils WM-Silber in geholt hatte. Die Silbermedaille ging diesmal an ihre Landsfrau Marie-Josée Ta Lou, die gleich schnell wie Kambundji lief. Doppel-Olympiasiegerin Elaine Thompson aus Jamaika und die niederländische 200-m-Weltmeisterin Dafne Schippers, die vor zwei Jahren Bronze und Silber gewonnen hatten, gingen leer aus.

Das Ergebnis kommt umso überraschender, da Kambundjis Vorbereitung auf die Saison alles andere als geordnet verlaufen war. Nach der Trennung von ihrem langjährigen Trainer Valerij Bauer entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem Niederländer Henk Kraaijenhof nicht wie gewünscht, so dass Kambundji diese gleich wieder beendete und sich deswegen sogar überlegte, die Hallen-Saison gar nicht zu bestreiten.

Trainings im Ausland

Unter Mithilfe ihres Jugendtrainers Jacques Cordey und Adrian Rothenbühler nahm sie die Trainingsgestaltung dann in die eigene Hand. Trotz ihrer starken Leistungen wird sie dieses Intermezzo nach Birmingham aber beenden. Im Hinblick auf die Freiluft-Saison mit den Europameisterschaften in Berlin im August als Höhepunkt zeichnet sich eine neue Lösung ab. Sie sei mit einem möglichen Trainer in Kontakt, spruchreif sei aber noch nichts. Klar ist, dass sich Kambundji wieder phasenweise einer Trainingsgruppe im Ausland anschliessen wird. «Ganz weg aus der Schweiz kann ich aber nicht», so die Bernerin.

Die zweite Schweizer Sprinterin Ajla Del Ponte erreichte in 7,31 den Halbfinal, blieb in diesem in einem Feld der Superlative allerdings ohne Chance. Die Ergebnisse aus dem Vorlauf wollten es, dass Javianne Oliver, Dafne Schippers, Elaine Thompson und Murielle Ahouré alle in derselben Serie wie Del Ponte anzutreten hatten. Ihre persönliche Bestzeit von 7,24 verpasste die 21-jährige Tessinerin klar; mit 7,40 wurde sie Letzte ihrer Serie.

Disqualifikation stoppte Sprunger

Für Lea Sprunger, den zweiten Schweizer Medaillentrumpf, setzte es über 400 m eine herbe Enttäuschung ab. Die bald 28-jährige Waadtländerin, die als Nummer 4 der Jahresbestenliste nach Birmingham gereist war, lief nach ihrem Sieg im Vorlauf (52,46) auch im Halbfinal ein scheinbar souveränes Rennen und überquerte hinter der Amerikanerin Shakima Wimbley in 51,71 als Zweite die Ziellinie.

Die Freude über den vermeintlichen Einzug in den Final der Top 6 vom Samstag währte allerdings nur kurz. Wenige Minuten nach ihrem Lauf wurde Sprunger disqualifiziert, da sie kurzzeitig die Bahn verlassen hatte. Die Romande, die auf der Aussenbahn lief, war nicht die Einzige, der dieses Malheur unterlief. Auch der Jamaikanerin Stephenie Ann McPherson wurde der Einzug in Final verwehrt. In einem 400-m-Vorlauf der Männer wurden sogar gleich alle fünf Starter disqualifiziert.

Platz 10 für Mehrkämpferin Agnou

Als vierte Schweizerin stand am Freitag auch die Fünfkämpferin Caroline Agnou im Einsatz. Die 21-jährige Seeländerin, die von einer Einladung der IAAF profitierte, belegte mit 4397 Punkten Rang 10 im Feld der zwölf Athletinnen. Während sie im Kugelstossen mit 14,92 m eine persönliche Bestleistung realisierte und diese auch im Hochsprung über 800 m beinahe egalisierte, blieb Agnou über 60 m Hürden und im Weitsprung klar unter ihren Möglichkeiten. Gold holte die Britin Katarina Johnson-Thompson.

Die Resultate der Hallen-WM vom Freitag:Frauen. 60 m: 1. Murielle Ahouré (CIV) 6,97 (JWB). 2. Marie Josée Ta Lou (CIV) 7,05. 3. Mujinga Kambundji (SUI) 7,05. 4. Elaine Thompson (JAM) 7,08. 5. Dafne Schippers (NED) 7,10. 6. Michelle-Lee Ahye (TTO) 7,13. Vorlauf. 4. Serie: 1. Carolle Zahi (FRA) 7,11. 2. Kambundji 7,15. - 5. Serie: 1. Ahouré 7,12. Ferner: 4. Ajla Del Ponte (SUI) 7,31.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eazy E am 02.03.2018 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1. Sprintmedaille für die Schweiz ever.

    Wow super! Unsere Medaillen-Schweizerin! Das Volk ist stolz auf dich! Weiter so!

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  • pater007 am 02.03.2018 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sympathisch

    Toll gemacht! Bin echt stolz auf diese sympathische Sportlerin.

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  • GA am 03.03.2018 00:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Hammer, was für eine Leistung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rockpower am 03.03.2018 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Alles relativ

    Leider, wie so oft, bleibt nur das Fremdfreuen...

  • MadChengi am 03.03.2018 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Supergirl!

    Juppie!!!!! Sie hat es verdient, fleissig mit starken Leistungen und ein Sonnenschein, freut mich für sie!

  • Kein am 03.03.2018 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Historische Medaille, Bronze? Man gibt sich schon schnell zufrieden als Schweizer.

  • Teddy am 03.03.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Grossmacht Schweiz

    So sehen echte Schweizer, echte Schweizer Sieger aus !

  • sprintmaster am 03.03.2018 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Na...

    .... bleibt mal auf dem Boden. Mal schauen was sie in der nächsten Zeit so liefert. Unglaublich diese Lorbeeren wegen dieser Bronzemedaille.

    • Martin am 03.03.2018 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @sprintmaster

      Und welche Medaillen können sie vorweisen? Haben sie überhaupt mal etwas Lob für ihre Arbeit bekommen oder sitzen sie ihren Tag sinnlos ab?

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