Schwingen

13. März 2012 09:34; Akt: 13.03.2012 12:31 Print

Karl Meli ist tot

Der Schwingsport verliert eine seiner prägendsten Figuren. Der legendäre Karl Meli ist im Alter von 73 Jahren in Winterthur verstorben.

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Karl Meli nach dem Sieg beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 1964. (Bild: Keystone)

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Melis unglaubliches Palmarès umfasst Marken, die wohl für die Ewigkeit Bestand haben werden. Zwischen 1956 und 1977 holte er neun eidgenössische Kränze. In Zug (1961) und in Aarau (1964) wurde er Schwingerkönig, ehe er 1966 im Schlussgang von Rudolf Hunsperger entthront wurde. Meli gewann als bislang einziger Schwinger zwei Mal am Kilchberger und verpasste an 125 Kranzfesten nur ein einziges Mal einen Kranzgewinn - weil er verbotenerweise den Kampfrichtern über die Schultern auf die Notenblätter geschielt hatte und dafür statt der benötigten 10 nur die Note 9,75 erhielt. «Dich wänd mer scho lehre», soll der eine Kampfrichter dem 18-jährigen Meli am Nordostschweizerischen Schwingfest zugeraunt haben.

In Erinnerung wird Schwergewicht Meli wegen seiner explosiven Kurzzüge und seiner risikoreichen Schlungg-Angriffe bleiben. Im Alter von 40 Jahren gewann er nochmals, zum zwölften Mal, das Zürcher Kantonale, ehe der auch als Nationalturner sehr erfolgreiche Zürcher (46 Kränze) am Kilchberger Schwinget 1978 ohne grosses Brimborium zurücktrat - nach vier Festsiegen in der letzten Saison.

Meli machte eine Lehre als Zimmermann

Das sportliche Vermächtnis des Turnerschwingers, der eine Lehre als Zimmermann abgeschlossen hatte und später Verkehrspolizist war, ist seit 2003 im Schwingermuseum im Restaurant Sternen in Winterthur ausgestellt. Meli hat schon während seiner Aktivkarriere die Quartierbeiz in Veltheim geführt und sie später seiner Tochter Irène übergeben.

Ein Tiefschlag für Meli war der Brünigschwinget 1960. Als Gast schaffte er es locker in den Schlussgang, in dem ihm der Berner Sennenschwinger Beat Thöni gegenüberstand. Mit viel Kraft legte Meli seinen Gegner auf den Rücken, zum allgemeinen Entsetzen blieb Thöni aber reglos liegen - und ein Leben lang querschnittgelähmt. Zwischen den beiden Schwingern entstand eine enge Freundschaft, die sie immer wieder gemeinsam an Feste führte. Den Ort des Unfalls suchte der Hüne Meli aber zeitlebens nicht mehr auf.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ostschweizer am 14.03.2012 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Machs gut, Karl

    Karl der Grosse! Er war ein echter Champion, und zwar auf und neben dem Platz. Nicht eine winzige Spur von Ueberheblichkeit war bei ihm zu finden. Mit jedem noch so einfachen Menschen hat er ein paar Worte gewechselt und solche Szenen waren bei ihm nicht bloss für die Fotografen gespielt. Das konnte ich mit eigenen Augen miterleben. Er ist und bleibt der Grösste der Grossen!

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  • Ostschweizer am 14.03.2012 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Machs gut, Karl

    Karl der Grosse! Er war ein echter Champion, und zwar auf und neben dem Platz. Nicht eine winzige Spur von Ueberheblichkeit war bei ihm zu finden. Mit jedem noch so einfachen Menschen hat er ein paar Worte gewechselt und solche Szenen waren bei ihm nicht bloss für die Fotografen gespielt. Das konnte ich mit eigenen Augen miterleben. Er ist und bleibt der Grösste der Grossen!