Eine Runde, dann war Schluss

20. März 2011 00:02; Akt: 20.03.2011 14:52 Print

Klitschko nach Witz-Sieg weiter Weltmeister

Weltmeister Witali Klitschko verteidigt seinen WBC-Titel im Schwergewicht. Der Ukrainer besiegte am Samstag in Köln den Kubaner Odlanier Solis durch K.o. in der ersten Runde.

Klitschkos K.o. gegen Solis - er traf nicht einmal seinen Kopf (Video: RTL).
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Vor 19'000 Zuschauern sorgte der 15 Zentimeter grössere Klitschko mit einer Rechten an die Schläfe des Olympiasiegers von Athen Sekunden vor Schluss der ersten drei Minuten für die frühe Entscheidung. Solis knickte beim Fallen weg und verdrehte sich noch das rechte Knie. Dabei zog er sich der 30-Jährige aus Havanna einen Riss des vorderen Kreuzbandes und des äusseren Meniskus' sowie einen Knorpelschaden zu. Viele Fans pfiffen nach dem schnellen Ende. Klitschko äusserte Verständnis für den Ärger der Zuschauer: «Ich dachte, es wird eine Schlacht. Das war aber viel zu kurz. Es tut mit leid für die Zuschauer.»

Tatsächlich darf die Wirkung von Klitschkos Rechten angezweifelt werden. Sein Schlag war mehr ein Wischer, der sein Ziel deutlich verfehlte, deckte der Kubaner die Seite eigentlich sauber ab. Trotzdem fiel Solis (deutlich verspätet) nach hinten und verdrehte sich dabei unglücklich das Knie. 1,8 Millionen Dollar Kampfbörse werden ihn über die Verletzung hinwegtrösten. «Der Schlag war hart, aber nicht hart genug für einen Blackout», kommentierte der Weltmeister selber den Schlag gegenüber «RP Online» am nächsten Morgen. Laut dem Ringarzt gäbe es im Schläfenbereich allerdings Hirnregionen, die zu Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen beitragen können. Genau dort erfolgte die Berührung.

Bei der anschliessenden Pressekonferenz kam es dann zum Eklat. Solis' Seite, vertreten durch Ahmet Öner, bedauerte das frühe Ende durch die schwere Knieverletzung. Klitschoks Manager Bernd Bönte sah darin aber nicht mehr als eine Ausrede und sprach von mangelnder Klasse und Öners Strafregister, als ihn dieser mit heiserer Stimme einen Provokateur nannte. Nur durch das Einschreiten verschiedener Leute konnte eine handgreifliche Auseinandersetzung verhindert werden. Offensichtlich hat man im Schwergewicht begriffen, dass es mehr Show benötigt, um die Leute wieder von ihren Sesseln zu reissen. Und wenn dies im Ring nicht möglich ist, dann versucht man es halt ausserhalb. Dieses Disziplin hat einen Namen: Wrestling.

Für den älteren der beiden Klitschko-Brüder war es bereits das 14. WM-Duell. Der Ukrainer hält den Titel des WBC seit drei Jahren und baute seine Erfolgsserie auf 42 Siege in 44 Kämpfen aus. Solis, die Nummer 1 der WBC-Rangliste, musste nach 17 Siegen die erste Niederlage seiner Profikarriere hinnehmen. Klitschko hatte seinen Herausforderer vor dem Kampf als den stärksten Rivalen seit seiner Niederlage gegen den Briten Lennox Lewis vor acht Jahren bezeichnet, zugleich aber einen K.o. versprochen.

Im Vorprogramm kam der Schweizer Nuri Seferi zu seinem 30. Sieg bei den Profis. Der Burgdorfer bezwang den Ungarn Joszef Nagy nach acht Runden einstimmig nach Punkten. Seferi hatte bereits am 12. Dezember 2009 in Bern im Rahmenprogramm der WBC-WM-Titelverteidigung von Klitschko gegen Kevin Johnson (USA) geboxt.

(tog/sda)