Betrug bei Selektion?

09. Mai 2012 15:21; Akt: 10.05.2012 00:06 Print

Marathonläuferin bangt um Olympia-Ticket

Maja Neuenschwander hat Ende April beim Zürich-Marathon die Olympia-Selektion geschafft. Swiss Olymic klärt nun aber ab, ob die 32-jährige Bernerin dabei unerlaubte Tempomacher einsetzte.

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Hat Maja Neuenschwander beim Zürich-Marathon unerlaubte Tempomacher eingesetzt? (Bild: Keystone)

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Der 9. Mai hätte für die 32-jährige Bernerin zum Freudentag werden sollen. Doch dieser spezielle Tag wird für die Gymnasiallehrerin aufgeschoben. Neuenschwanders am Zürich Marathon am 22. April gelaufene Zeit von 2:31:56 Stunden liegt zwar 1:04 Minuten unter der Vorgabe von Swiss Olympic, doch das Selektionsgremium lässt noch abklären, ob der Einsatz aller Tempomacher regulär war. Einige Staffelläufer hatten ebenfalls in geringem Rahmen Helferdienste verrichtet.

Hans Kappeler, der Direktor von Swiss Athletics, bestätigt den Sachverhalt, den die Zeitung «Blick» am Mittwochmorgen publik gemacht hat. «Die internen Abklärungen laufen seit einigen Tagen. Wir werden bis Ende Woche gegenüber Swiss Olympic zum Fall Stellung nehmen», sagte Kappeler. Swiss Olympic selektioniert auf Antrag von Swiss Athletics. Der nationale Leichtathletik-Verband hat das Dossier Neuenschwander bereits eingereicht, doch Swiss Olympic wartet nun die Stellungnahme ab, bevor über die Selektion entschieden wird.

Swiss Athletics prüft in diesen Tagen die Schiedsrichter-Rapporte des Zürich Marathons, studiert nochmals die Reglemente des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) und befragt die Läuferin. Nach einer Aussprache am Mittwochabend mit Neuenschwander stellte sich der Verband vorbehaltlos hinter seine Athletin: «Swiss Athletics sieht keine Veranlassung, Maja Neuenschwander nicht zur Selektion für die Olympischen Spiele vorzuschlagen», heisst es im Communiqué.

Auch Kenner der Szene glauben, dass in dieser Angelegenheit aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird, dass die Läuferin zwar die Vorteile von Tempomachern bis an die Grenze ausgereizt, damit aber gegen kein Reglement verstossen hat. Sie erbrachte ihre Leistung bei garstigen und somit keineswegs optimalen Bedingungen. Sie gehört nach London.

«Hasen» sind erlaubt

Der Einsatz von «Hasen» ist grundsätzlich legal. Schrittmacher werden überall eingesetzt. Neuenschwander hat mit Thomas Mullis und Stephen Staehli auch zwei Pacemaker an ihrer Seite gehabt, die den Marathon durchgelaufen sind. Das Problem liegt bei den Staffelläufern, die zeitgleich zum Marathon einen Team-Run mit den Distanzen 9,7, 10,8, 4,0 und 17,7 km ausgetragen haben. In Zürich durchmischt sich das Feld, so dass sich im Pulk um Neuenschwander immer auch ein paar Staffelläufer befunden haben. Ein solcher Athlet übernahm auch einige Ablösungen.

Die Frage ist nun, ob damit nicht gegen die IAAF-Regel verstossen wird, nach der Schrittmacher-Dienste von Athleten, die nicht im gleichen Rennen laufen, verboten sind. Mullis sieht keine Regelwidrigkeit: «Alle sind gleichzeitig gestartet, jeder kann sich im Rennen aufhalten, wo er will. Zeitweise waren wir ein Pulk von über zehn Läufern.» Auch Bruno Lafranchi, vor Viktor Röthlin Schweizer Rekordhalter über 42,195 km und Organisator des Zürich Marathons, meint: «Von seiten der IAAF wäre Neuenschwanders Teilnahme in London kein Problem.»

Bloss Backup-Funktion

Neuenschwander bestätigte im Gespräch mit den Vertretern von Swiss Athletics, dass die im «Team Bern» mitlaufenden Staffelläufer eine Backup-Funktion für den Fall hatten, dass die Pacemaker ausgefallen wären. Dieses Notszenario wurde allerdings nicht aktiv in Anspruch genommen. Von den Staffelläuferin erhielt die Bernerin keine massgebliche Unterstützung. Auch die spätere Siegerin lief einen Grossteil des Rennen in der Gruppe um Neuenschwander mit.

Lafranchi führt seit drei Jahren einen Team-Run durch, um die rückläufigen Zahlen auf der Marathonstrecke zu kompensieren. In diesem gemischten Rennen blieben mit Patricia Morceli und Magali Di Marco-Messmer 2011 zwei Schweizerinnen unter der WM-Limite von 2:43 Stunden - zu Beanstandungen kam es nicht. Lafranchi betont, dass er als Organisator für die Ausmessung der Strecke verantwortlich sei. Die Abklärungen jedoch, ob Neuenschwander im Zürich Marathon mit integriertem Staffelrennen eine Limite laufen könne, müsse Swiss Athletics treffen.

Der nationale Verband weiss um die Problematik der zusätzliche Laufkonstellationen. Dies sei nicht aussergewöhnlich. Im Fall Neuenschwander in Zürich, steht im Communiqué, habe es keine bewusste Bevorteilung gegeben und damit sei auch kein Regelverstoss begangen worden. Auch im offiziellen Rapport des Schiedsrichters von Swiss Athletics fänden sich keine Beanstandungen.

(sda)

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