Schwimm-EM

15. Dezember 2008 07:13; Akt: 15.12.2008 10:44 Print

Meichtry und Humplik mit Medaillen

Dominik Meichtry mit Silber über 200 m Crawl und Patrizia Humplik als Vierte über 100 m Brust sorgten aus Schweizer Sicht für einen tollen Abschluss der Titelkämpfe in Rijeka.

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Meichtry verpasste das erste EM-Gold für die Schweiz im 25-m-Becken seit 2004 (Flavia Rigamonti/800 m) nur um zwei Hundertstel.

Dank zwei Medaillen - Humplik hatte am Freitag die bronzene Auszeichnung über 200 m Brust gewonnen -, drei weiteren Finalplatzierungen (je ein 4. Platz von Humplik und von Flori Lang/über 50 m Rücken, dazu der 7. Platz der 4x50-m-Crawlstaffel der Männer) und insgesamt 22 Schweizer Rekorden konnte Swiss Swimming in Kroatien eine äusserst positive Bilanz ziehen.

Nachdem die Schweizer 2006 in Helsinki (10 Schwimmer/kein Schweizer Rekord) erstmals seit der zehn Jahre zuvor erfolgten Einführung der kontinentalen Kurzbahn-Titelkämpfe ohne Medaille geblieben waren, hielt in Rijeka der schon vor Jahresfrist in Debrecen (25 Schwimmer/10 Rekorde) ersichtliche Aufwärtstrend an. «Die Resultate hier waren ermutigend, wir sind auf dem richtigen Weg. Schön war auch, dass viele Leute in den Halbfinals und Finals über sich hinausgewachsen sind und die Medaillenchancen genutzt haben», so das Fazit von Steffen Liess, Chef Leistungssport von Swiss Swimming.

Obwohl mit einer vergleichsweise grossen Delegation in die kroatische Hafenstadt angereist, konnten fast alle Schweizer überzeugen. Ausser Céline Baillod, Seraine Prünte und Damien Courtois erzielte jeder der 19 Athleten von Swiss Swimming zumindest eine persönliche Bestzeit. Insgesamt wurden - wohl nicht zuletzt auch wegen der rasanten Weiterentwicklung der Schwimmanzüge - in fast 70 Prozent der Schweizer Einsätze individuelle Bestmarken erreicht.

Meichtry: «Habe riesige Freude»

Dominik Meichtry nahm 2003 an der Langbahn-WM in Barcelona erstmals an einem Grossanlass teil. Seither hatte der 24-jährige St. Galler Crawlspezialist als mehrfacher WM- und EM-Halbfinalist und zuletzt als Olympia-Sechster in Peking immer wieder sehr gute Resultate erbracht. Doch noch nie vermochte Meichtry an internationalen Titelkämpfen eine Medaille zu erringen.

«Ich habe riesige Freude über meinen ersten Medaillengewinn. Einfach genial, dass es endlich geklappt hat», sagte Meichtry. Dem minim verpassten Titel, der ihm auf den letzten Metern vom erst 17-jährigen Russen Daniel Isotow noch um zwei Hundertstel weggeschnappt wurde, trauerte er nicht gross nach: «Ehrgeizig zu sein, ist sehr wichtig. Doch manchmal muss man auch als Zweiter zufrieden sein.» Meichtry steigerte sich in Kroatien in zwei Schritten auf 1:43,11 und um insgesamt 2,7 Sekunden gegenüber seinem letztjährigen Schweizer Rekord.

Nächstes grosses Ziel für den in Berkeley, Kalifornien, studierenden Ostschweizer sind die Weltmeisterschaften im nächsten Sommer: «Ab Mitte Januar, wenn ich von den Weihnachtsferien nach Kalifornien zurückkehre, ist mein Fokus ganz auf Rom gerichtet.»

Humplik fehlten 0,27 Sekunden

Im Gegensatz zu Meichtry, der im Olympia-Vorlauf über 200 m Crawl den (taktierenden) Superstar Michael Phelps deutlich hinter sich liess, hat Patrizia Humplik (18) international noch nie für Aufsehen gesorgt. Erst in Rijeka konnte die in Kroatien geborene Brustschwimmerin das ihr schon länger beschiedene, grosse Potenzial abrufen. In sechs Einsätzen schwamm Humplik siebenmal Schweizer Rekord, im 2008 steigerte sie sich über 200 m um sechs Sekunden und über 100 m um 1,65 Sekunden. Über beide Distanzen ist sie nun in den Top 10 der europäischen Alltime-Bestenliste.

Humplik, die zwei Tage zuvor EM-Bronze über 200 m geholt hatte, zeigte sich gestern über die um 0,27 Sekunden entgangene zweite Medaille nicht enttäuscht. Mit dem in diesem Jahr vollzogenen Leistungssprung muss die Gymnasiastin auch im kommenden Jahr an den Langbahn-WM zu den Finalanwärterinnen gezählt werden.

Überraschend qualifizierte sich am EM-Schlusstag auch die Schweizer 4x50-m-Crawlstaffel der Männer mit Meichtry, Flori Lang, Aurélien Künzi und Daniel Rast für den Final, in welchem sie sich zeitmässig nochmals deutlich steigern konnte (von 1:27,67 auf 1:26,34).

Diskussion um Schwimmanzüge

In der Nationenwertung in Rijeka schwang Russland mit 8 Gold-, 2 Silber- und 4 Bronzemedaillen obenaus. Der erfolgreichste Schwimmer kam aus den Reihen der Franzosen: Amaury Leveaux gewann über 50, 100 m Crawl und 50 m Delfin und ist nun in allen Disziplinen auch (der Konkurrenz entrückter) Weltrekordhalter.

Insgesamt gabs in den vergangenen vier Tagen zehn Weltrekorde, die vom Weltverband FINA nicht anerkannten Staffelrekorde über 4x50 m nicht mit eingerechnet. Damit stieg das Total der in diesem Jahr verbesserten Weltrekorde auf 105 (55 auf der Lang- und 50 auf der Kurzbahn).

Diese Rekordflut führte am Rande der Europameisterschaften auch zu intensiven Diskussionen. Der Grossteil der europäischen Trainer hat sich geeinigt, von der FINA künftig klare und einheitliche Regularien bezüglich der Schwimmanzüge zu fordern. Mittlerweile gibts deutlich mehr als ein Dutzend Firmen, die immer ausgefallenere Anzüge herstellen. Obwohl diese auch nicht-reglementskonforme Materialien (wie bspw. Neopren) beinhalten, griff seitens des Weltverbands in den letzten Monaten niemand ein.

(sda)