Dollar-Wahnsinn

10. Dezember 2011 10:32; Akt: 10.12.2011 11:42 Print

Milliarden-Deals und Schleuder-Preise

von Klaus Zaugg, Los Angeles - Alles ist käuflich. Ein neuer Wahnsinns-Transfer – diesmal im Baseball – zeigt: Südkalifornien wird von dieser Philosophie beherrscht wie kein anderer Sportmarkt.

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Albert Pujols lässt sich seinen 10-Jahre-Vertrag an der kalifornischen Sonne mit 254 Millionen Dollar versüssen. (Bild: Keystone)

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Vielleicht macht es ja das Klima aus. Diese Mischung aus Meer, Palmen und Bergen. Das Sport-Business im Grossraum Los Angeles (Greater Los Angeles Aera) mit fast 20 Millionen Kunden ist das verrückteste der Welt. Hier werden die grössten Sporttransfers eingefädelt und es ist kein Zufall, dass in diesem Markt Jonas Hiller (Torhüter Anaheim Ducks) der bestverdienende Schweizer Mannschaftsportler aller Zeiten geworden ist (4,5 Millionen Dollar Jahressalär): «Wir geben Geld aus, also sind wir»: Der Glaube, dass mit Geld alles zu haben ist – auch der sportliche Erfolg – ist hier grösser als sonst wo auf der Welt. Diese Woche haben die Los Angeles Angels zwei Baseball-Superstars eingekauft: Albert Pujols hat für 10 Jahre und 254 Millionen Dollar unterschrieben und C.J. Wilson für fünf Jahre und 77,50 Millionen.

Nur das Beste ist gut genug

Die Namen von Pujols und Wilson sind in Europa nur Baseballfans ein Begriff. Doch dieser Wahnsinns-Transfer passt gut in das Sportbusiness von Südkalifornien. Immer wieder investieren Teambesitzer hier sehr, sehr viel Geld, um den Erfolg zu kaufen. Ein Blick zurück zeigt: Manche triumphieren, manche scheitern und immer alles mit Karacho: Nur die ganz grossen Namen sind hier gut genug, um im härtesten Unterhaltungsmarkt der Welt rund um Hollywood Aufmerksamkeit zu erregen.

Wayne Gretzky: Am 9. August 1988 wechselt Wayne Gretzky im bisher spektakulärsten Hockeytransfer aller Zeiten von den Edmonton Oilers zu den Los Angeles Kings. Kings-Besitzer Bruce McNall zahlt 15 Millionen Ablöse und muss dazu noch zwei junge Stars (Carson, Gelinas) plus drei Draftrechte hergeben. 1993 erreichen die Kings dank Gretzky zum ersten und einzigen Mal das Stanley Cup-Finale (Niederlage gegen Montréal). Doch dann gehen die Lichter aus. Am 16. Februar 1996 wird Gretzky nach St. Louis transferiert. Zu diesem Zeitpunkt haben die Kings grösste wirtschaftliche Schwierigkeiten und bereits einen neuen Besitzer. Bruce McNall ist als Betrüger entlarvt. Dem Wahn des spektakulärsten Hockeytransfers folgt die lange Reue. Die Kings sind heute im Besitze des Immobilien- und Unterhaltungsimperiums Anschutz (Anschutz Entertainment Group). Sie sind wirtschaftlich stabil, schreiben aber keine Schlagzeilen mehr.

Shaquille O’Neal: Am 18. Juli 1998 verpflichten die Lakers für sieben Jahre und 120 Millionen Dollars Basketball-Star Shaquille O’Neal. Es ist gut investiertes Geld: Mit „Clear the track , here comes Shaq“ holen die Lakers vier Titel. Die Lakers sind das Sportunternehmen Nummer 1 in Südkalifornien und haben einen Wert von 655 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Die Anaheim Ducks, das Hockeyteam von Jonas Hiller und Luca Sbisa, sind knapp 200 Millionen wert.

Manny Ramirez: 2008 verpflichten die Los Angeles Dodgers für zwei Jahre und 45 Millionen Baseball-Superstar Manny Ramirez. Titel holen die Doggers mit Ramirez keine. Aber Schlagzeilen schreiben sie: 2009 ist Ramirez in einen der grössten Dopingskandale im US-Mannschaftsport verwickelt und wird für 50 Spiele gesperrt. Am 30. August 2010 wird er nach Chicago zu den White Sox abgeschoben. „Mannywood“ ist vorbei.

David Beckham: Im Oktober 2007 kommt David Beckham zu den L.A. Galaxy. So wie einst Wayne Gretzky Eishockey erstmals in die Schlagzeilen gebracht hat, so sorgt nun Beckham dafür, dass in Südkalifornien erstmals über Fussball gesprochen wird. Er bekommt für fünf Jahre 32,5 Millionen Dollar. Ob sich dieser Transfer gelohnt hat, ist umstritten: Erst 2011, in seinem letzten Vertragsjahr bringt er seinem Team den Titel. Zuvor hat er in drei Saisons wegen Verletzungen weniger als 15 Spiele bestritten. Zurzeit ist offen, ob er seinen Vertrag in Los Angeles verlängert.

Typisch Amerika

Die Investitionen in den Sport sind gewaltig. Aber eben auch die Einnahmen. Die Baselball-Stars Albert Pujols und C.J. Wilson kosten die Angels in den nächsten zehn Jahren zwar über 300 Millionen. Aber die Angels haben soeben einen neuen TV-Vertrag ausgehandelt: Fox Sports hat die Übertragungsrechte für die nächsten zwanzig Jahre für drei Milliarden Dollar gekauft.

Aber selbst in Südkalifornien läuft das Geschäft manchmal auch nicht. Die anhaltende Krise der Anaheim Ducks (3 Siege in den letzten 19 Spielen) führt zu einem galoppierenden Zuschauerschwund – die Stadionauslastung beträgt nur noch 85,80 Prozent (14 738 Zuschauer pro Spiel). Um die Fans wieder ins Stadion zu holen, sind fürs Spiel vom nächsten Mittwoch gegen Phoenix Tickets für 9 Dollar (!) zu haben. NHL Hockey für weniger Geld als ein Ticket für ein Erstligaspiel von Brandis, Burgdorf oder Lyss kostet. «Dynamic pricing system» nennt sich diese Verzweiflungsaktion. So ist halt das Sportbusiness in Südkalifornien: Milliarden-Deals hier, Schleuderpreise dort. Aber das ist eigentlich auch typisch Amerika.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • brab am 10.12.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Blabla

    Der Autor mag ja vom Eishockey Ahnung haben aber die Zahlen als Ausnahme in den Staaten herzustellen stimmt schlicht nicht. Wenn die MLB keinen Salary Cap hat, dann werden halt sehr hohe Zahlen geboten, die Yankees sind aber wohl fast das bessere Beispiel dafür, zumal Baseball Spieler dafür jahrelang aus den Minors sich nach oben spielen müssen und man selbst auf AAA-Niveau nicht gut davon lebt. Ach und Shaq hat erstens 1996 zu LA gewechselt und 2. 3 Titel mit den Lakers geholt. Und er mag zwar MDE gewesen sein, gegen Showtime kommt er aber trotzdem nicht an...

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  • Bob Thornten Junior Executive Chief Off am 10.12.2011 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist käuflich

    nach Auslegung dieses Mottos, sind wahrscheinlich auch die Spiele selber gekauft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bob Thornten Junior Executive Chief Off am 10.12.2011 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist käuflich

    nach Auslegung dieses Mottos, sind wahrscheinlich auch die Spiele selber gekauft.

  • brab am 10.12.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Blabla

    Der Autor mag ja vom Eishockey Ahnung haben aber die Zahlen als Ausnahme in den Staaten herzustellen stimmt schlicht nicht. Wenn die MLB keinen Salary Cap hat, dann werden halt sehr hohe Zahlen geboten, die Yankees sind aber wohl fast das bessere Beispiel dafür, zumal Baseball Spieler dafür jahrelang aus den Minors sich nach oben spielen müssen und man selbst auf AAA-Niveau nicht gut davon lebt. Ach und Shaq hat erstens 1996 zu LA gewechselt und 2. 3 Titel mit den Lakers geholt. Und er mag zwar MDE gewesen sein, gegen Showtime kommt er aber trotzdem nicht an...

    • Robert am 11.12.2011 00:50 Report Diesen Beitrag melden

      Ausnahme

      Nun gut, ich bin der Meinung das 254 Mio USD für 10 Jahre eine Ausnahme ist. Dass die MLB kein Salary Cap hat ist so richtig, auf der anderen Seite haben sie das Luxury Tax System, dass die Teams von zu Hohen Löhnen abschrecken soll, da die Yankees, Red Sox, Tigers und die Angels aber genügend Geld zur Verfügung haben, stellt dies kein Problem dar.

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