Kristina Vogel

13. September 2018 14:11; Akt: 14.09.2018 12:53 Print

Mut und Zuspruch für gelähmte Radsportlerin

Kristina Vogel hat erstmals seit ihrem folgenschweren Sturz vor der Presse gesprochen. Ein Detail des Unfallhergangs erstaunt.

«Ich habe noch nie so harte Kämpfe kämpfen müssen»: Kristina Vogel spricht erstmals seit dem Unfall mit der Presse. Video: Tamedia/AP
Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Weg zurück ins Leben führt über diesen Flur im Spital Berlin Marzahn. Kristina Vogel hält eine Pressekonferenz, es ist nicht die erste der Olympiasiegerin und Weltmeisterin, bei weitem nicht, aber es ist auf jeden Fall ihre schwierigste, ungewöhnlichste.

Im Rollstuhl erscheint sie vor den Medien, zum ersten Mal seit ihrem fürchterlichen Unfall im Juni. Medizinisch gesehen wurde da ihr Rückenmark im siebten Brustwirbel durchtrennt. Und tatsächlich gesehen wurde ihr Leben auf den Kopf gestellt, weil sie nie mehr wird gehen können.

Die Sportwelt hat erst vor einer Woche erfahren, was Kristina Vogel nun schon seit geraumer Zeit weiss. In Berlin hat die 27-Jährige nun zum ersten Mal öffentlich über ihren Unfall gesprochen – und legt einen beeindruckenden Optimismus an den Tag.

Vogel erzählt, wie sie zum ersten Mal im Rollstuhl sass, vom ersten Training im noch ungewohnten Fortbewegungsmittel. «Da bin ich einmal einfach rausgeplumpst, weil ich so schnell loswollte», sagt sie, und lacht. Aus Langeweile habe sie im Krankenhaus oft einfach ihr Bett verstellt. «Hoch und runter, rechts und links.» Und schliesslich vor lauter Bewegungsdrang vom Arzt ein Thera-Band verlangt, um wenigstens den Oberkörper etwas zu bewegen. «Hätte ich noch zwei Tage länger im Bett liegen müssen, ohne mich zu bewegen, hätte ich randaliert.»

Es gibt einige Beispiele, die der früheren Radrennfahrerin Mut machen dürften, von anderen, die jäh aus ihrer Leidenschaft Spitzensport gerissen wurden und es geschafft haben, sich ein neues Leben aufzubauen. Silvano Beltrametti war eines der hoffnungsvollsten Ski-Talente der Schweiz, als er 2001 in Val d'Isère stürzte und sich so schlimm verletzte, dass er seither querschnittgelähmt ist. Heute führt der Bündner ein Hotel, zwischenzeitlich sass er für die CVP im Gemeinderat seiner Heimat Obervaz.

Die österreichische Stabhochspringerin Kira Grünberg verunglückte 2015 bei einem Trainingssprung, brach sich die Halbwirbelsäule im Alter von nur 21 Jahren. Auch sie hat sich neu orientiert, sitzt heute für die Österreichische Volkspartei (ÖVP) im Parlament – und sprach Vogel nach deren Unfall Mut zu. «Es ist unwichtig, wie lange man braucht, um die erste Phase zu überwinden und aus der Trauer herauszukommen.», sagte sie der Sport-Bild. «Entscheidend ist allein, dass man seinen Weg findet, um irgendwann wieder positiv in die Zukunft blicken zu können. Dass man sein neues Leben akzeptiert, das genauso schön sein kann.»

Die Untersuchung des Unfalls steht noch aus

Finanzielle Unterstützung erhält die zweifache Olympiasiegerin in Form einer grossen Spendenaktion. Bis Montag haben sich dort mehr als 120'000 Euro angesammelt, eine Versicherung bezahlt ihr 150'000 Euro.

Seltsam mutet an, dass sich der holländische Nachwuchsfahrer, mit dem Vogel bei ihrem Unfall auf der Bahn zusammengeprallt war, noch nicht bei ihr gemeldet hat. Der Unfall wird zurzeit noch untersucht. «Mir stellt sich die Schuldfrage auch nicht. Ich gebe keinem die Schuld, das klären andere», sagte Vogel selber an der Pressekonferenz.

Radsport

(mrm/sr)