Tod in Vancouver

08. Februar 2011 15:48; Akt: 08.02.2011 15:48 Print

OK-Chef besorgt über «extrem schnelle» Bahn

Der Tod eines georgischen Rodlers überschattete vor einem Jahr die Olympischen Winterspiele von Vancouver. Nun zeigen Mails, dass die Organisatoren gewarnt waren.

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Am 12. Februar 2010, nur wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier, wurde der 21-jährige Georgier Nodar Kumaritaschwili beim Abschlusstraining aus der Bob- und Rodelbahn in Whistler geschleudert. Er prallte mit voller Wucht gegen einen Stahlträger und erlag den dabei erlittenen Verletzungen. Die Tragödie warf einen langen Schatten auf die Spiele.

Eine Untersuchung der Provinz British Columbia und des Rodel-Weltverbands FIL kam im letzten Herbst zum Schluss, dass eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Unfall geführt hatte. Niemand wurde für das Unglück zur Rechenschaft gezogen. Nun aber zeigen E-Mails, die der kanadische Fernsehsender CBC am Montag veröffentlicht hat, dass das Organisationskomitee der Spiele von Vancouver (VANOC) über die Gefahr Bescheid wusste.

Deutlich schneller als erwartet

In einem Mail von März 2009 zeigte sich VANOC-Präsident John Furlong über die Möglichkeit besorgt, dass sich jemand auf der Bahn «schwer verletzten» könnte. Dabei bezog er sich auf einen Brief von FIL-Präsident Josef Fendt an die Erbauer der Bahn, in welchem dieser auf die «extrem hohen Geschwindigkeiten» in Whistler hinwies. «Falls ein sich Athlet schwer verletzt, oder schlimmer, könnte man uns vorwerfen, wir seien gewarnt worden und hätten nichts getan», so Furlong im Mail an mehrere VANOC-Kaderleute.

Tatsächlich hatte sich die Bahn in Whistler als deutlich schneller erwiesen als von den Konstrukteuren erwartet. Die Höchstgeschwindigkeit der Rodler betrug nicht 135, sondern mehr als 150 km/h. John Furlong beauftrage laut dem E-Mail die Juristen des VANOC, sich der Sache anzunehmen, diese aber kamen zum Schluss, man könne nichts machen. Erst nach dem Tod von Kumaritaschwili wurden umfangreiche Sicherheitsmassnahmen ergriffen, unter anderem wurde der Rodelstart nach unten verlegt.

Schnell, nicht gefährlich

In einer Telefonkonferenz am Montag wehrte sich Furlong gegen die Vorwürfe. «Man hat uns gesagt, die Bahn sei schnell. Niemand hat gesagt, sie sei gefährlich.» Die Funktionäre des Weltverbands hätten dem VANOC versichert, alle notwendigen Änderungen an der Bahn seien vorgenommen worden. «Es sind die besten Experten der Welt, und sie sagten, die Bahn sei sicher.» Das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne verwies in einer Mitteilung auf die Ergebnisse der offiziellen Untersuchung.

David Kumaritaschwili, der Vater des toten Rodlers, forderte gegenüber CBC dagegen eine neue Untersuchung: «Die Organisatoren wussten weit im voraus über die Bahn Bescheid. Warum haben sie den georgischen Verband und andere nicht davor gewarnt?» In seiner Heimat wird Nodar Kumaritaschwili wie ein Held verehrt. Er erhielt eine Gedenkbriefmarke, in seinem Heimatort Bakuriani wurde ihm im letzten Herbst ein Denkmal errichtet. Dort soll laut dem «Independent» auch eine Rodelbahn gebaut und nach ihm benannt werden.

(pbl)