Sechstagerennen

17. Dezember 2008 06:20; Akt: 17.12.2008 09:54 Print

Risi und Stam sind die Könige von Zürich

Mit einem Angriff 30 Runden vor Schluss sicherten sich Bruno Risi und Danny Stam den Sieg im 52. Zürcher Sechstagerennen vor Franco Marvulli/Juan Llaneras (Sz/Sp).

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Die Routiniers Risi und Stam schienen kein Mittel zu finden, um den stärksten Sprinter Marvulli und den mit Abstand besten Tempobolzer Juan Llaneras zu bezwingen. Der Zürcher und der Olympiasieger aus Spanien führten in der letzten Nacht klar nach Punkten und verharrten in der Schlussjagd nicht in der Defensive, sondern verlegten sich sogar auf Angriffe. 7:6 lautete 40 Runden vor Schluss das Verhältnis der Vorstösse zugunsten von Risi/Stam, als Marvulli zehn Umgänge später um die Punkte spurtete und damit den Vorsprung auf beinahe uneinholbare 18 Zähler ausbaute.

Risi hatte sich zu diesem Zeitpunkt ruhig im Feld verhalten, unmittelbar nach dieser Wertung aber zum grossen Schlag ausgeholt. Nach einer spannenden Verfolgungsjagd war 15 Runden später klar, wer das Hallenstadion als Sieger verlassen würde. Risi/Stam vollzogen den Rundengewinn, Marvulli/Llaneras mussten sich mit dem 2. Platz begnügen. Alexander Aeschbach kam mit seinem deutschen Partner Leif Lampater als Dritter erstmals in Zürich aufs Podest.

Sie seien in den Spurts zu wenig schnell gewesen. Deshalb habe die Taktik ganz klar Angriff gelautet, erklärte Risi nach seinem 57. Sixjours-Sieg. Zusammen mit Stam - der Holländer kam zu seinem Sechstage-Sieg Nummer elf - habe er die allerletzte Möglichkeit wahrgenommen, um doch noch eine Wende zu erzwingen. Im offenen Schlagabtausch habe der Angriff 30 Runden vor Schluss gesessen. «Mit diesem Sieg wurde ich für meine Saisonvorbereitungen im Herbst belohnt. Vielleicht hatten wir auch ein wenig mehr Glück als unsere Gegner.»

Nach der letzten Nacht waren Franco Marvullis Augen gerötet. Der Zürcher wollte sich aber nicht auf die Äste hinauslassen, ob seine Tränen aus Enttäuchung oder aus Freude geflossen seien: «Vor fünf Wochen hätte ich für einen zweiten Platz in Zürich blindlings unterschrieben. Ich war nahe daran, den Bettel hinzuschmeissen.» Der mit grossem Talent gesegnete frühere Scratch-Weltmeister wartete an der Seite von Llaneras mit einer Leistung auf, die ihm nach der letzten WM, der Enttäuschung von Peking und dem schwachen Saisonauftakt kaum jemand zugetraut hatte. «Llaneras hat mich motiviert. Ich bin stolz auf meine Leistung. Ich habe gezeigt, dass es sich zu kämpfen lohnt. Am Schluss fehlte uns die Kraft. Ich gehe erhobenen Hauptes von der Bahn.»

Das Duell zwischen den früheren Partnern Risi und Marvulli hat zu einem höchst interessanten Sechstagerennen geführt, in dem die Sympathien der Zuschauer klar auf der Seite des Zürchers lagen. «Ich fühle mich als Sieger der Herzen», sagte Marvulli. «Bruno ist ein gutes Rennen gefahren. Er hat verdient gewonnen.» Der Urner erwähnte sogar zwei Gewinner: «Wir beide haben in Sachen Partnerschaft hinzugelernt.» Beim nächsten Sixjours in Rotterdam gehen Risi und Marvulli nochmals getrennte Wege. Doch in Berlin und Kopenhagen drängen die Veranstalter darauf, dass das Schweizer Paar gemeinsam an den Start geht.

52. Zürcher Sechstagerennen. Profi. Schlussklassement:

1. Bruno Risi/Danny Stam (Sz/Ho) 360 Punkte.
2. 1 Runde zurück: Franco Marvulli/Juan Llaneras (Sz/Sp) 370.
3. 3 Runden zurück: Alexander Aeschbach/Leif Lampater (Sz/De) 252.
4. 4 Runden zurück: Alex Rasmussen/Michael Mörkov (Dä) 327.
5. 7 Runden zurück: Leon van Bon/Kenny de Ketele (Ho/Be) 240.
6. Danilo Hondo/Andreas Beikirch (De) 208.
7. 14 Runden zurück: Colby Pearce/Daniel Holloway (USA) 180.
8. 16 Runden zurück: Luke Roberts/Rafal Ratajczyk (Au/Pol) 157.
9. Angelo Ciccone/Fabio Masotti (It) 149.
10. 24 Runden zurück: Christian Grasmann/Tristan Marguet (De/Sz) 177.
11. 28 Runden zurück: Christian Bach/Petr Lazar (De/Tsch) 93.
12. 40 Runden zurück: Tobias Baumgartner/Sven Krauss (Sz/De) 106.

(sda)