Keine Olympiateilnahme 2020

09. Dezember 2019 11:39; Akt: 09.12.2019 13:53 Print

Russland für vier Jahre vom Weltsport gesperrt

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat im Skandal um manipulierte Daten harte Sanktionen gegen Russland verhängt.

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Die russische Antidoping-Agentur legt beim Internationalen Sportgerichtshof Cas Einspruch gegen den Ausschluss von den Spielen und Weltmeisterschaften in den nächsten vier Jahren ein. Dies kündigt die Rusada, im Bild Präsident Yuri Ganus, am 19. Dezember 2019 an. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat Russland am 9. Dezember 2019 für vier Jahre vom Weltsport ausgeschlossen. Grund für die harte Sanktion sind Manipulationen von Dopingdaten aus dem Moskauer Labor. Craig Reedie, Präsident der Wada, spricht an einer Medienkonferenz über das Urteil. Der Ausschluss gilt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tokio und 2022 in Peking, die Olympischen Jugendspiele und Weltmeisterschaften von Sportarten, die den Wada-Code unterschrieben haben, sowie sogenannten «Major Sport-Events» Yuri Ganus, Chef der russischen Antidoping-Agentur Rusada, kommentiert das Urteil in Moskau. Frauen bei der Arbeit im russischen Doping-Kontrolllabor in Moskau. Das Internationale Olympische Komitee unter dem Vorsitz von Thomas Bach hat angekündigt, die Sanktionen zu unterstützen und das Wada-Urteil zu akzeptieren. Russische Athleten und Athletinnen, die nicht in den Staatsdopingskandal verwickelt waren, dürfen an Grossanlässen jedoch unter neutraler Flagge starten. So wie Ewgenia Medwedewa (r.), die an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang Silber im Eiskunstlauf gewann und dafür von Russlands Präsident Wladimir Putin geehrt wurde. An den nächsten Grossanlässen werden also einige russische Athleten und Athletinnen teilnehmen.

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Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) bestätigte am Montag in Lausanne die Empfehlung der unabhängigen Prüfkommission CRC und suspendierte die russische Anti-Doping-Agentur Rusada bis 2023.

Athleten des Landes dürfen in diesem Zeitraum nicht unter der russischen Fahne, sondern nur als neutrale Sportler starten, die nicht in den Staatsdoping-Skandal verwickelt gewesen sind.

Keine Folgen für EM 2020

Dies gilt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tokio und 2022 in Peking, die Olympischen Jugendspiele und Weltmeisterschaften von Sportarten, die den Wada-Code unterschrieben haben, sowie sogenannten «Major Sport-Events».

Die vorgeschlagenen Sanktionen gegen den russischen Sport sollen keine Auswirkungen auf die geplanten Spiele der Fussball-EM 2020 in St. Petersburg haben. Die Wada begründet das damit, dass eine Europameisterschaft für den europäischen Verband Uefa«ein regionales/kontinentales Sportereignis» ist. «Es hat uns überrascht, dass in so einer frühen Phase Dinge ausgeschlossen werden», sagte der Vorstand der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschlands, Lars Mortsiefer. Offen ist, ob der Bann für das Champions-League-Finale 2021 in St. Petersburg gelten könnte.

Vertuschung im grossen Stil

Forensische Untersuchungen durch Wada-Experten hatten ergeben, dass die Dopingdaten aus dem Moskauer Labor von 2012 bis 2015 «weder vollständig noch vollständig authentisch» sind. Dies konnte im Vergleich mit einer der Wada 2017 von einem Whistleblower zugespielten Daten-Kopie nachgewiesen werden. Dabei hat Russland nach Wada-Angaben «Hunderte von mutmasslichen nachteiligen Analyseergebnissen gelöscht oder geändert». Dabei sollen 145 mutmassliche Doping-Fälle vertuscht oder verfälscht worden sein.

Das Internationale Olympische Komitee hatte bereits zuvor angekündigt, die «härtesten Sanktionen» gegen Russland zu unterstützen und das Wada-Urteil zu akzeptieren. «Der Wada-Beschluss ist für uns bindend», hatte IOK-Präsident Thomas Bach betont. Trotz der Dimension des des Dopingskandals um vertuschte und ausgetauschte Proben im Analyselabor bei den Winterspielen 2014 in Sotschi durften vier Jahre später 168 Russen als «Olympische Athleten aus Russland» unter neutraler Fahne antreten.

Russland legt Einspruch ein

Russland will gegen die neuen Strafen der Einspruch einlegen. Russland werde für seine Sportler kämpfen, sagte die Parlamentsabgeordnete Swetlana Schurowa am Montag der Agentur Interfax zufolge. Russland werde die Strafen beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne anfechten, sagte der Parlamentsabgeordnete Dmitri Swischtschow vom Sportausschuss der Staatsduma. Die Entscheidung der Wada sei ein Mittel, um russische Athleten aus dem internationalen Sport zu verbannen, kritisierte der Vize-Chef des russischen Parlaments, Pjotr Tolstoi.

Resultate und Tabellen

(erh/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eran am 09.12.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doping

    Wer kann mir glaubhaft erklären, bei welchem Spitzensport nicht gedopt wird? Das ist doch dasselbe Märchen wie das mit derm Weihnachtsmann.

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  • Antispritzensportler am 09.12.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Gutes Urteil! Alle Doper müssen hart bestraft werden, denn dopen ist äusserst unfair gegenüber den Ungedopten!

  • Ras Putin am 09.12.2019 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Auch wenn es die vielen Putintrolle hier als ungerecht ansehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Verfechter am 10.12.2019 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ein Beschiss

    Alles wie immer alles ein Fake! Dann müsste man jede Nation sperren. Das ganze hat ja mit dem eigentlichen Sport schon lange nichts mehr zu tun. Wo so viel Geld drin steckt wird sich beschissen.

  • Dr. SJ am 10.12.2019 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    "Nicht so schlimm, es gibt schlimmeres"

    Hier thematisierte Bestrafung wird mit "es gibt schlimmeres, was ist mit..." gegenargumentiert. Bedenkliche Duldung / gar Unterstützung des betrügerischen Verhaltens unter dem Deckmantel der Schutzbehauptungen...

  • Bschisser überall am 10.12.2019 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Hobbysportler

    Immer die Russen was ist mit CHINA,USA da tauchen aus dem nichts Sportler auf bringen neue Weltrekorde und verschwinden wieder,oder die Norwegische LL Armada JOHAUG wegen Doping gesperrt und nun läuft Madame weiter und gewinnt alles,FRAGEN ÜBER FRAGEN.

    • Dr. SJ am 10.12.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

      Ausrede vs Konsequenz

      Die Einstellung "es gibt schlimmeres" führt nirgendwo hin. Wenn man nicht konsequent handelt, verliert man Glaubwürdigkeit. Ich bin selber Wettkampfathletin und Ärztin und befürworte die Handlung.

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  • Roman am 10.12.2019 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Diskrepanz

    Augenscheinlich sind also die Russen so mies, dass sie als fast einzige dopen müssen um mitzuhalten. Denn trotz Doping haben sie nicht mehr gewonnen als andere Nationen. Ein Schelm der Böses dabei denkt?

    • ändu am 10.12.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      Klar dopen viele, in Ausdauersportarten wahrscheinlich alle...aber ein staatlich verordnetes und vertuschtes Dopingsystem ist wirklich das Letzte!

    • Roman am 10.12.2019 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      @ ändu

      Ohne staatliche Deckung könnte man weder in den USA noch in China etc. so dopen wies es getan werden muss, um diese Dominanz herzustellen. Oder wollen sie allen anderen ländern unterstellen dass sie komplett unfähig sind zu kontrollieren? Für mich liegt der Schluss nahe, dass auch dort staatlich eingegriffen wird.

    • Dr. SJ am 10.12.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

      Korrekt

      Genau. Und gehört mit allen Mitteln bekämpft.

    • Sportler am 11.12.2019 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      eigentlich zeigt das nur, dass auch die Wirkung von Doping Grenzen hat und viele Faktoren für den Erfolg wichtig sind, nicht zuletzt auch mentale oder strukturelle usw. Die Diskussion, was nun Doping ist und ab welcher Dosis, ist zudem nie wirklich abschliessend und Regeln immer im Wandel. Ohne diesen Konsens für Regeln wäre der Sport aber uninteressant, also sollten bewiesene Verstösse auch bestraft werden, selbst wenn andere es auch tun. Dass einige besser betrügen als andere und sich nicht erwischen lassen, darf kein Argument sein.

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  • Grappa am 10.12.2019 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die obersten Regierungsleute gehören bestraft

    Der Staat, sprich die Regierungsspitze, müsste hier hart bestraft werden. Denn wer hatte die Mittel zur Verfügung, solch ein gewaltiges Betrugsnetz aufzubauen? Die Athleten waren "nur" Mittel zum Zweck, um den Erfolg ins Land zu tragen. Doch auch sie haben sich in den Betrug einbinden lassen, nur um Ruhm und Ehre zu erlangen. Wo stehen sie heute? Gesperrt und verachtet...