Snowboard-Weltcup in Arosa

18. Dezember 2008 23:01; Akt: 18.12.2008 23:12 Print

Schweizer beim Heim-Rennen nur Aussenseiter

Vor knapp zwei Jahren demonstrierten die Schweizer Snowboarder an der WM in Arosa ihre Klasse. Seither haben vor allem die einstigen Dominatoren der Alpin-Szene erheblich an Terrain eingebüsst. Am FIS-Weltcup vom Wochenende in Arosa gehören sie nicht mehr zu den Topfavoriten.

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Zweimal Gold, dreimal Silber und Bronze hatte Swiss-Snowboard an den Titelkämpfen im eigenen Land gewonnen. In der gleichen Saison sicherte sich Simon Schoch den zweiten Gesamtweltcupsieg. Die Welt- Elite war fast ausnahmslos chancenlos. Alle orientierten sich am Schweizer Konzept. Die Siegserien von Schoch und Co. beeindruckten die Konkurrenz.

Bereits in der letzten Saison begann indes der schleichende Abstieg vom Olymp. Die Alpin-Spezialisten standen oft im Schatten der aufstrebenden Österreicher oder der Kanadier, die im Hinblick auf die Winterspiele 2010 wesentlich mehr Mittel als früher investieren. Podestplätze waren plötzlich die Ausnahme. In der Nationenwertung rutschten die Schweizer auf Rang 3 ab.

Nicht ohne Ankündigung

Ohne Ankündigung kam der Rückfall aber nicht. Das Team von Trainer Christian Rufer verlor durch die Rücktritte von Urs Eiselin und Gilles Jaquet zwei Athleten mit Format. Das verletzungsbedingte Timeout von Doppel-Olympiasieger Philipp Schoch provozierte einen weiteren Substanzverlust. Ob der geborene Siegfahrer überhaupt je zurückkehren wird, ist übrigens weiterhin offen.

Auch für Franco Giovanoli, den Chef aller Snowboard-Abteilungen, kommt der Terrainverlust nicht völlig überraschend: «Wir haben durch die Abgänge und Verletzungen weniger Pferde am Start.» Der Bündner spricht von einem «ausgedünnten» Kader. Dem Vorwurf, in der Blütezeit den Nachwuchs vernachlässigt zu haben, widerspricht Giovanoli energisch: «Das stimmt nicht. Seit 2005 bieten wir den Jungen im B- und C-Kader gute Strukturen an.»

Nevin Galmarini und Kaspar Flütsch, die beiden 22-jährigen Weltcup-Aufsteiger, hätten von dieser Ausbildung profitiert, so Giovanoli. «Früher machte der Snowboard-Verband für die Alpin-Junioren viel weniger.»

Talentdichte ist kleiner

Die Dichte an Talenten ist trotz der beiden «Junioren» spürbar kleiner geworden. Das stellt auch Giovanoli nicht in Abrede: «Als die Carving-Skis aufkamen, gab es einen grossen Einbruch.» Die Industrie hat den Abwärtstrend längst erkannt. Ein Markt für Alpinbretter existiert praktisch nicht mehr. Verbandsintern beschäftigt sich eine Taskforce mit der Frage «Was passiert nach 2010?».

Bis zu den Spielen in Vancouver bleibt die Lage überschaubar. Dann stellt sich die Frage, wie konsequent Swiss-Snowboard die Förderung einer Diszplin vorantreiben wird, der nach Olympia 2014 das Out drohen könnte. «Es steht natürlich alles mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen», beurteilt Giovanoli die Situation realitisch. Kippt das IOC die Alpinen, käme das dem «Todesstoss» (Giovanoli) gleich.

Simon Schochs Gelassenheit

Mit der mittelfristigen Zukunft seiner Sportart muss sich Simon Schoch nicht (mehr) beschäftigen. Er hat den Weltcup während Jahren beherrscht. An drei Weltmeisterschaften gehörte er in mindestens einer Sparte immer zu den Top 4. Vor knapp zwei Jahren carvte er im Parallel-Slalom zur Goldmedaille. Jene Platzierung peilt er im neuen Jahr an den Titelkämpfen erneut an.

Dem Bruder von Philipp Schoch bleiben bis zur WM in Südkorea (15. bis 25. Januar) inklusive des Parallel-Slaloms in Arosa vier Rennen, sich dem höchsten Level anzunähern. Die Schulter- und Handgelenkprobleme hat er überwunden. «Körperlich bin ich wieder auf dem besten Stand. Ich traue mir einiges zu.» In den übrigen vier Weltcup-Prüfungen will Schoch sein Selbstvertrauen stärken.

Ein Top-3-Platz blieb für den Leader der Schweizer Equipe indes bislang ausser Reichweite. «Die Dominanz ist weg, das ist so. Aber wir haben auch zwei bis drei Siegfahrer verloren. Und die Gegner wurden sicher nicht schwächer», relativiert Simon Schoch die mässigen Ergebnisse der letzten zwölf Monate. Der 30-Jährige mag die Lage (noch) nicht dramatisieren.

Mit den Plätze 6 (Landgraaf) und 10 (Limone Piemonte) erreichte Schoch hinter Galmarini die konstantesten Werte. Bessere Ergebnisse sind möglich. Der Olympia-Zweite von Turin ist auch im Materialsektor selber für die Fortschritte verantwortlich. Zusammen mit Teamkollege Marc Iselin und Bruder Philipp fabriziert er Rennbretter. Mittlerweile hat das Trio über 50 Exemplare hergestellt.

«Black Pearl» ist konkurrenzfähig

In den USA lieferte Schoch im November den Beweis, dass die «Black Pearl»-Boards für Spitzenklassierungen tauglich sind. Im Nor-Am-Cup siegte er vor dem kanadischen Spitzenfahrer Jasey Jay Anderson. «Am Material sollte es also nicht liegen», betonte er 48 Stunden vor dem Start in der tiefverschneiten Bünder Station.


Arosa. FIS-Weltcup. Männer/Frauen.
Freitag, 19. Dezember 2008: Qualifikation Snowboardcross.
Samstag, 20. Dezember: Snowboardcross.
Sonntag, 21. Dezember: Parallel-Slalom.

(sda)