Diamond League

03. Mai 2019 20:39; Akt: 03.05.2019 22:29 Print

Semenyas letzter Sieg vor dem Testosteron-Limit

Caster Semenya zieht im 800-m-Rennen zum Auftakt der Diamond-League in Doha voll durch und liefert wohl auf absehbare Zeit ein letztes Mal eine Weltklasse-Zeit ab.

In Doha beweist die Südafrikanerin Caster Semenya noch einmal ihre Stärke. (Video: SRF)
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Die intersexuelle Semenya ging ein letztes Mal ohne medikamentöse Behandlung an den Start – sofern die zweifache Olympiasiegerin ihre Karriere überhaupt fortsetzen wird. Der internationale Sportgerichtshof in Lausanne war am Mittwoch der Argumentation des Weltverbandes IAAF gefolgt, wonach der Zwang zur Einnahme von Hormonpräparaten zur Senkung des Testosteron-Spiegels rechtens sei, um einen fairen Wettkampf zu garantieren.

Semenya hatte sich in der Vergangenheit bei ihren Sieg oft zurück gehalten und nicht das letzte Quäntchen Energie aus sich herausgepresst. Sonst wäre der Uralt-Weltrekord der Tschechin Jarmila Kratochvilova (1:53,28 Minuten) aus dem Jahr 1983 gefallen, was die Diskussionen zusätzlich befeuert hätte. In Doha nun, zu Beginn der Saison bestimmt noch nicht in Topform, gab sie alles. In 1:54,98 Minuten kam die Südafrikanerin bis auf 7 Zehntel an ihre Bestzeit heran. Den obligaten Blumenstrauss nahm Semenya ohne ein Lächeln entgegen.

Für die Südafrikanerin geht es um Menschenwürde

«Das Rennen war fantastisch und ich habe getan, was ich tun musste. Ich bin sehr glücklich. Ich glaube, ich bin aus einem bestimmten Grund in dieser Welt, wir leben ein langweiliges Leben, deshalb müssen wir jeden Moment unseres Lebens geniessen», sagte die Siegerin gemäss der Nachrichten-Agentur AFP. «Es geht darum, die Welt zu inspirieren. Es ist mehr als ein Spiel, mehr als nur Sport. Es geht um Menschenwürde, um Stolz. Die Leute kämpfen gegen mich, ich bekämpfe sie nicht.»

Semenya war schon einmal zur Einnahme von Hormonen gezwungen worden und war in dieser Phase zu einer Läuferin von nationalem Format mutiert. 2015 musste die IAAF diese Regel nach einer erfolgreichen Klage aufheben. Somit standen an den Olympischen Spielen 2016 in Rio mit Semenya, Francine Niyonsaba aus Burundi und Margaret Wambui (Kenia) drei Intersexuelle auf dem Podest. Das Trio trat auch in Doha geschlossen an. Niyonsaba wurde mit knapp drei Sekunden Rückstand Zweite, Wambui musste sich mit Platz 6 begnügen.

Sprunger muss sich warm anziehen

Im Rennen über 400 m Hürden der Frauen, der Disziplin der Europameisterin Lea Sprunger, gab das US-Girl Dalilah Muhammad den Tarif durch. Die Olympiasiegerin umrundete die Bahn in 53,61 Sekunden – die Schweizerin lief noch nie unter 54 Sekunden. Hinter der Amerikanerin Ashley Spencer wurde Anna Ryschikowa Dritte (54,82 Sekunden). Die Läuferin aus der Ukraine hatte vergangenen August an den EM in Berlin hinter der Westschweizerin Silber gewonnen.

Sprunger steht am kommenden Wochenende bei den World Relays in Yokohama mit der 4x400-m-Staffel erstmals in dieser Saison im Einsatz. Ein erster Start über 400 m Hürden ist für den 6. Juni beim Diamond-League-Meeting von Rom geplant.

Einzige Schweizerin zahlt Lehrgeld

Die Europameisterin Diana Asher-Smith gab im Rennen über 200 m auch auf der Weltbühne den Tarif bekannt. Die Britin gewann bei einem Rückenwind von 1,1 m/s in 22,26 Sekunden. Die Schweizerin Sarah Atcho kam nicht auf Touren und verfehlte in 23,89 Sekunden ihre persönliche Bestzeit um über eine Sekunde.

Beim Sprint-Event der Männer über 200 m setzte sich der Welt- und Europameister Ramil Guliyev durch. Der Türke mit aserbaidschanischer Herkunft durch brach die Marke von 20 Sekunden (19,99).

Resultate und Tabellen

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marko 34 am 05.05.2019 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation zum Weltrekord

    Gratulation

  • Anna Lisa am 03.05.2019 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Rein sportlich betrachtet

    ist dieser Sieg eher wertlos. Wo soll da der Reiz bestehen, wenn jemand mit einem Y-Chromosom und deswegen einem Testosteronspiegel, der eher zu Männern passen würde, normale Frauen in Grund und Boden rennt?

  • Nick am 04.05.2019 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nur eine Lösung

    Wieso schafft man für Menschen, die eine solche natürliche Abnormität haben, keine eigene Kategorie? Zwang zur Manipulation des eigenen Körpers, um irgendwelche Grenzwerte einzuhalten finde ich falsch. Ich finde es aber auch falsch, wenn die große Mehrheit der genetisch "normalen" Frauen keine Chance gegen solche Konkurrenz haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 34 am 05.05.2019 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation zum Weltrekord

    Gratulation

  • Marzella am 05.05.2019 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair 2.0

    Auch wenn C.S. in den Medien nicht gerade sehr sympathisch rüberkommt - hat wahrscheinlich einfach die Schnauze voll - wünsche ich ihr alles Gute.

  • Marzella am 05.05.2019 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair 1.0

    Ich finde das Testosteronlimit sehr willkürlich. C.S's hoher Testosteronspiegel ist angeboren. Die neuen Limiten gelten eigenartigerweise nur in denjenigen Limiten anewandt, in denen sie gut ist. Wenige Laufdisziplinen. Was, wenn Intersexuelle zb. im Schwimmen, in Wurfdisziplinen und im Stabhochsprung antreten. Dort gelten diese Limiten nicht, bzw. gibt es überhaupt keine. C.S. hat leider das Pech, mit einer falschen Hautfarbe aus einem falschen Erdteil zu kommen. Noch trauriger ist das Ganze, wenn man bedenkt, was in den genau gleichen und noch mehr Sportarten gedopt wird.

  • Sprinterin am 05.05.2019 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hormonchaos

    Weder eindeutig Mann noch Frau, sondern von beidem etwas. Dann bei den Frauen starten, weil man bei den Männern keine Chance hat und dann von Menschenwürde sprechen. Sollen sie doch in einer eigenen Kategorie gegeneinander antreten. Aussehen, Körperhaltung, sorry aber ich sehe da einfach nur ein Mann.

  • Nick am 04.05.2019 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nur eine Lösung

    Wieso schafft man für Menschen, die eine solche natürliche Abnormität haben, keine eigene Kategorie? Zwang zur Manipulation des eigenen Körpers, um irgendwelche Grenzwerte einzuhalten finde ich falsch. Ich finde es aber auch falsch, wenn die große Mehrheit der genetisch "normalen" Frauen keine Chance gegen solche Konkurrenz haben.