Nach einem Sprung war Schluss

14. Dezember 2008 13:21; Akt: 14.12.2008 14:00 Print

Simi schon wieder auf dem Treppchen

Nach seinem Triumph am Samstag in Pragelato (It) wurde Simon Amann am Sonntag nur durch den Neuschnee gebremst. Der Toggenburger erreichte hinter Fumihisa Yumoto (Jap) den 2. Platz und baute damit seine Weltcup-Führung um 30 Punkte aus.

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Simon Amman fliegt seinen Gegnern im Gesamtweltcup immer weiter davon.

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«Bei schwierigen Verhältnissen ist Simon ein ganz guter Sprung gelungen», hielt Neo-Trainer Martin Künzle nach Ammanns Flug auf 124,5 m fest. Es herrschte Schneetreiben, und die Helfer hatten alle Hände voll zu tun, um mit Besen und Gebläse-Maschinen den Neuschnee aus der Anlaufspur zu entfernen.

Auf den Zeitpunkt des Finals hin stieg die Temperatur. Der Neuschnee wurde nass und blieb im Anlauf kleben. Die Helfer fanden kein problates Mittel mehr, den Anlauf herzurichten. Die Jury stufte das Risiko als zu gross ein und entschloss sich zum Abbruch des Wettkampfes. Ammann konnte sich bei der Abreise als halber Sieger wähnen. Gregor Schlierenzauer musste sich mit dem 4. Rang begnügen, womit der Toggenburger seine Führung im Gesamtweltcup ausdehnen konnte.

Am Samstag hatte sich Amann über seinen sechsten Weltcupsieg freuen können. Im zweiten Umgang gelang dem Toggenburger nämlich ein Sprung der Superlative. Als «Bombe» titulierte der Weltcup- Leader seinen Kracher in der Reprise. «Es ging so flüssig und leicht, einfach wunderbar», schwärmte Ammann nach seinem Flug auf die Rekordweite von 144 m. Normalerweise erhalte man durch den Luftwiderstand zahlreiche Rückmeldungen und Informationen. «Doch von diesem Flug kann ich gar keine bleibenden Eindrücke schildern. Wenn ich ihn mir im Fernseher nochmals anschauen, erlebe ich ihn bestimmt neu.»

Das Duell zwischen dem Schweizer Weltmeister und dem Austria- Überflieger Schlierenzauer, das bereits den Sommer-Grand-Prix geprägt hatte, hatte auf der Olympiaschanze 2006 seine Fortsetzung genommen. Zunächst hatte der Tiroler die Vorteile auf seiner Seite. Ammann flog zwar im ersten Umgang zwei Meter weiter (139,5 m), patzerte allerdings nach der Landung in der Ausfahrt. Dies kostete dem zweifachen Olympiasieger in den Stilnoten 4,5 Punkte und ergab mit den Weitenmetern addiert einen Rückstand von 0,9 Zählern oder umgerechnet einem halben Meter.

Doch Ammann wusste das Blatt mit seinem beeindruckenden Flug zu wenden. Der als Letzter im Turm verbliebene Schlierenzauer versuchte zu kontern, hatte aber trotz einwandfreien 139,5 Metern keine Chance. Obschon er mit den Stilnoten (sechsmal die 19) zehn (!) Zähler mehr auf sein Konto brachte, blieb er gegen diesen Ammann mit einem Vorsprung von 6,5 Weitenmetern chancenlos. Der drittklassierte finnische Aufsteiger Ville Larinto flog mit «bescheidenen» 131 und 135 Metern auf Rang 3. «Wir wissen, dass wir an meiner Landung feilen müssen», betonte der Toggenburger. «Wir nehmen die Sache trotz meiner Siege nicht auf die leichte Schulter.»

Andreas Küttel, der vor Pragelato in Sachen Schweizer Skisprung- Weltcupsiegen noch Co-Rekorhalter mit Ammann gewesen war, erreichte am Samstag bei seinem ersten Flug trotz einer starken Korrektur nach dem Absprung 131 Meter und den achten Zwischenrang. Auch in der Reprise verdrehte es den Engelberg-Sieger nach dem Tisch. Der Einsiedler rutschte auf Rang 13 ab. Am Sonntag resultierte Platz 14. «Wir wissen, weshalb die Unwucht in sein System kommt», beteuerte Trainer Künzle. Allerdings versucht Küttel nun schon seit Saisonbeginn, das Problem zu beheben.

Fumihisa Yumoto profitierte am Sonntag als Frühstarter von etwas besseren Bedingungen als Amman und schlug den Toggenburger um anderthalb Meter oder 1,2 Punkte. Der Japaner war Ende November als Achter in Kuusamo (Fi) in die Saison gestiegen - sein bislang bestes Ergebnis im Weltcup - und hatte am Samstag in Pragelato lediglich den 33. Rang belegt. Der in Sapporo wohnhafte Athlet beendete eine Durststrecke von beinahe drei Jahren, während denen die japanischen Skispringer sieglos geblieben waren. Vor Yumoto war zuletzt Kazuyoshi Funaki am 2. Februar 2005 in Sapporo auf die oebrste Stufe des Weltcup-Podestes gestiegen.

Sonntag (nur 1 Durchgang):
1. Fumihisa Yumoto (Jap) 114,8 (126).
2. Ammann 113,6 (124,5).
3. Evensen 110,3 (123,5).
4. Schlierenzauer 106,5 (122,5).
5. Olli 106,2 (121,5).
6. Noriaki Kasai (Jap) 103,4 (120,5).
7. Emmanuel Chedal (Fr) 102,9 (120,5).
8. Loitzl 99,2 (119).
9. Schmitt 98,9 (118).
10. Jakub Janda (Tsch) 96,2 (116,5).

(sda)