Tokio 2020

23. August 2019 09:22; Akt: 23.08.2019 09:38 Print

US-Komitee warnt protestierende Athleten

Auch drei Jahre nach Beginn der Protestwelle schliessen sich US-Sportler Colin Kaepernick an. Das olympische Komitee schaut besorgt Richtung Tokio 2020.

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Manchmal muss man nichts sagen, um sich Gehör zu verschaffen. Dachte auch Colin Kaepernick, als er im September 2016 eine Protestwelle lostrat – indem er niederkniete, als das Hymne seines Landes lief. Der Footballer protestierte gegen die Polizeigewalt im Land, wollte auf den Umgang mit der schwarzen Bevölkerung aufmerksam machen. Er fand Mitstreiter, im gleichen Team, im gleichen Sport, aber auch bei anderen Athleten. Mit Fussballerin Megan Rapinoe kniete noch im gleichen Jahr die erste weisse Sportlerin, sie habe ein Zeichen setzen wollen, erklärte sie später.

Es ist eine Welle, die bis jetzt nicht barst. Mit Rapiones kompromisslosem Auftreten bei der Fussball-WM der Frauen in Frankreich wurde sie noch grösser, und immer noch ziehen Sportler nach. Im Juli fanden in der peruanischen Hauptstadt Lima die panamerikanischen Spiele statt. Eine vergleichsweise kleine Bühne, genutzt werden will sie trotzdem. Fechter Race Imboden – über eine allfällige Schweizer Abstammung ist nichts bekannt – kniete bei der Medaillenzeremonie, Hammerwerferin Gwen Berry hob die Faust, wie es Tommy Smith und John Carlos bei Olympia 1968 in Mexiko City taten.

Legendärer Protest: Tommy Smith und John Carlos heben in Mexiko die Faust. (Bild: Getty Images)

Im Hinblick auf die Spiele im nächsten Sommer in Tokio scheinen solche Aktionen das nationale olympische Komitee zu stören. Imboden und Berry sind mittlerweile auf Bewährung, in Briefen wurde ihnen mitgeteilt, dass man die Athleten zwar respektiere, aber mit dem Moment nicht einverstanden war, in dem die beiden ihre Ansichten äusserten. Wie die BBC schreibt, müssen US-amerikanische Athleten neu dafür unterschreiben, keine politischen oder religiösen Zeichen zu setzen. Sportlern, die knien, die Faust heben, oder mit ähnlichen Gesten auffallen, drohen Konsequenzen.

Hammerwerferin Berry, sie gewann Gold, sagte nach ihrem Protest: «Jemand muss für all diese Ungerechtigkeiten einstehen, die in Amerika passieren. Es ist zu wichtig, um nichts zu sagen.» Imboden schrieb auf Twitter: «Ich wollte meinen Moment auf dem Podium opfern, um auf Probleme aufmerksam zu machen.»

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(mro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Josh Denzler am 23.08.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wer genau stört sich an diesem Protest?

    Mir ist nur ein einziges, blondes, angeblich stabiles Genie bekannt, welches sich an diesen Protesten stört. Wen genau soll dieses Zeichen sonst noch stören? Immerhin macht es ohne Worte auf nichts anderes als die pure Wahrheit um die Situation in Amerika aufmerksam.

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  • Herr Kules am 23.08.2019 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Olympus veritas

    Ach Olympia, ein wenig Menschlichkeit würde euch sicher nicht schaden. Man erinner nur an die Olympischen Spiele von 1936 und wo diese stattfanden. Das jetzt ihrerseits einige Athleten ein Zeichen setzen, sollte eigentlich eher gefördert werden. Ausserdem ist es jedem seine eigene Sache in welche Pose er auf dem Podest steht. Stehend, sitzend, knieend oder mit einer Faust gen Himmel

  • Sophie z am 23.08.2019 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Rassen Klasse

    Warum kämpft man nur für eine Rasse für ein Problem das an sich besteht. Ich verstehs nicht. Ich finde diesen Rassenkrieg der nur aus "Zwei Gesichtern" besteht, widerlich. Und solange wir so weiter machen uns gegenseitig anschreien wird sich auch nie etwas daran ändern. Ganz im Gegenteil

Die neusten Leser-Kommentare

  • Th. Urgauer am 23.08.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dann aber bitte...

    auch alle "Dopingstaaten" konsequent ausschliessen - ohne wenn und aber!!!

  • Wörtli am 23.08.2019 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Meghan Rapinoe

    Kriegt einfach den Hals nicht voll. Die US-Fussballerinnen, gemessen an den männlichen Gegenparts, werden massiv überbezahlt. Und wer meint sie bringen gleiche oder bessere Leistung, kann sich ja mal vorstellen, wie die bei einer gemischten WM abschneiden würden. Fakt: Sie haben gegen ein unter-15 Jungs Team verloren. Für mehr Gleichberechtigung müsste man ihren Lohn auf das kürzen, was die Männer, prozentuell gesehen, vom Gewinn kriegen.

  • Ueli am 23.08.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    genau die richtige Bühne

    Da hat das Olympische Komitee wohl ganz vergessen, was für eine Aufgabe eigentlich den Olympischen Spiele beigemessen wird. Pierre de Coubertin sagt zu seiner Flagge; "Ihre Gestalt ist symbolisch zu verstehen. Sie stellt die fünf Erdteile dar, die in der olympischen Bewegung vereint sind; ihre sechs Farben entsprechen denen sämtlicher Nationalflaggen der heutigen Welt." Ist es also nicht angemessen, genau bei so einem Anlass auf diese Probleme der Welt aufmerksam zu machen?

  • Paede am 23.08.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig oder falsch?

    Der Sport soll nicht der Politik zum Opfer fallen, aber ich würde es genauso machen!

  • PeterU am 23.08.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss jetzt nicht

    Ich weiss jetzt nicht ob Sport die richtige Plattform für solche Zeichen ist. Was ich aber weiss ist, dass wenn die Mächtigen nicht zuhören wollen dieser gewaltlose Protest den Ungehörten eine Stimme verleiht. Respekt!