Verbreitung rechtsextremer Posts

31. Juli 2018 10:14; Akt: 31.07.2018 21:13 Print

Umstrittener Schweizer Sprinter will kein Rassist sein

Pascal Mancini hat rechtsextremes Gedankengut verbreitet. Nun wirft er den Medien vor, seine Karriere zu zerstören. Fehler habe er keinen gemacht, sagt er.

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Ist enttäuscht: Der Sprinter Pascal Mancini. (Bild: Keystone/Valentin Flauraud)

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In einem am Dienstagabend publizierten NZZ-Artikel berief sich der wegen rassistischer Posts in die Schlagzeilen geratene Pascal Mancini auf die Meinungsfreiheit und verwahrte sich gegen den Vorwurf ausländerfeindlich zu sein: «Wäre ich ein Rassist, würde ich es sagen.» Fehler gemacht habe er keinen.

Angesprochen auf die von ihm geposteten Zitate des bekannten Neonazis Léon Degrelle sagte er: «Ich wusste nicht, dass das ein SS-Führer und Neonazi war.» Auch für seine inzwischen gelöschte Youtube-Playlist mit Liedern wie «Auschwitz avec toi» und «notre race est notre religion» hat er eine Erklärung. «Ich fand die Videos in der Playlist amüsant, weil sie so extrem sind. Das ist nicht ernst gemeint.»

Dass seine Postings folgenlos bleiben, glaubt Mancini hingegen nicht. Der 29-Jährige rechnet mit einem EM-Startverbot. «Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ausgeschlossen werde, ist gross.»

Affen-Video und Degrelle-Zitate

Nach Frankreichs WM-Titel veröffentlichte Pascal Mancini ein Affen-Video, das (leicht) versteckt als rassistische Verunglimpfung des französischen Teams mit seinen zahlreichen dunkelhäutigen Spielern daherkommt. Es ist einsehbar für alle.

Der «SonntagsBlick» rollte die Geschichte auf, weitere Medien zogen nach. Wie die NZZ am Dienstag berichtete, unterschrieb der 100-m-Sprinter eine über den normalen Verhaltenskodex hinausgehende Vereinbarung, die ihm untersagt, als Leichtathlet rassistische und diskriminierende Inhalte zu verbreiten. Gemäss Recherchen der NZZ hat Mancini im vergangenen halben Jahr zweimal auf seiner öffentlichen Facebook-Seite Zitate von Léon Degrelle, einem Offizier der Waffen-SS, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum prominenten Neonazi wurde, gepostet. Es ist deshalb denkbar, dass Mancini vom Schweizer Leichtathletikverband von der EM in Berlin (7. bis 12. August) komplett ausgeschlossen wird. Der Entscheid des Zentralvorstands sollte am Mittwoch fallen.

Zurzeit steht der 29-Jährige noch im EM-Kader, wurde dort aber für die Sprintstaffel der Männer nicht nominiert. Für Mancini ist klar, wer daran schuld ist: «Gratulation an den Journalisten, der einen guten Job gemacht hat.» Mit seiner Verbannung aus dem Team habe die Schweiz nun eine Medaillenchance weniger, schreibt er in einem später gelöschten Facebook-Post: «Ich bin sehr traurig, dass ich nicht rennen kann. Wir hätten ein enormes Potenzial gehabt.»

Er sei aber nicht überrascht, dass er von den Medien derart hart angegangen wurde: «Ich wusste immer, dass ich das Unangreifbare angreife. Ich suche keine Auseinandersetzung, aber ich habe überhaupt keine Angst. Sie werden niemals in der Lage sein, das brennende Feuer für die Wahrheit in mir auszulöschen.» Und: «Ich werde mich auf keinen Fall beugen. Ihre Schläge werden mich nicht aufhalten, sie stärken mich noch mehr. Dafür danke ich ihnen.»

Später am Dienstag machte der umstrittene Sprinter einen weiteren Eintrag auf seinem Facebook-Konto, indem er noch einmal die Medien kritisierte und zudem die Menschen dazu aufrief, ihn finanziell zu unterstützen. «Die Medien wollen mich zerstören und mich daran hindern, meinen Sport auszuüben. Und sie wollen, dass ich wegen meiner Meinung mit meiner sportlichen Laufbahn aufhöre.» Weil viele Leute mit den Machenschaften der Medien nicht einverstanden seien, richte er ein Spendenkonto ein.

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(fas)