Super Bowl

07. Februar 2011 11:20; Akt: 07.02.2011 11:52 Print

Viel Tamtam und etwas Sport

von J. Federer, USA - Ein Präsidenten-Interview, zu wenig Platz für die Zuschauer, ein Hymnen-Patzer und pietätlose Werbespots - das sind die Schlagzeilen zum Super Bowl.

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Der jüngste Super Bowl vermochte keinen neuen Zuschauerrekord zu erzielen. Weil die Feuerpolizei in Arlington kurzfristig einen provisorisch eingerichteten Sektor mit 850 Plätzen wegen Feuergefahr geschlossen hatte, waren nur 103 219 Zuschauer im Stadion anwesend – das reicht für Platz 2 in der ewigen Rangliste. Der Rekord von 103 985 Zuschauern vom Super Bowl XIV zwischen den Pittsburgh Steelers und den Los Angeles Rams aus dem Jahr 1980 bleibt also bestehen. Aber um genau zu sein: Von den 103 219 Zuschauern, die am Sonntag im Stadion der Dallas Cowboys anwesend waren, befanden sich «nur» 88 060 Fans wirklich in der Arena. Der Rest bezahlte, um das Spiel auf einer Grossleinwand verfolgen zu dürfen. Hinzu kommen über 12 000 Medienschaffende, Teammitarbeiter und offizielle Gäste.

So soll gerade die amerikanische Hip-Hop-Gruppe Black Eyed Peas, die für die Pausenunterhaltung besorgt war, ein grosses Gefolge zum Super Bowl gebracht haben. Wegen der Aufmerksamkeit, die die Halbzeitshow im Football erhält, werden die Künstler für diesen Auftritt traditionell nicht bezahlt. Dafür dürfen sie ihre Reisekosten geltend machen und ihr Gefolge mitbringen. Die Black Eyed Peas wussten diesen Vorteil offenbar zu nutzen. Der Auftritt der Künstler liess musikalisch jedoch zu wünschen übrig, sorgte aber wegen Christina Aguileras Patzer bei der Nationalhymne dennoch für wenig Kritik. Die Popsängerin traf zwar die Töne tadellos – das ist vor ihr beim Super Bowl noch nicht jedem gelungen -, dass aber eine amerikanische Staatsbürgerin wie Aguilera den Text der Nationalhymne vergisst, ist in den patriotischen USA unverzeihlich.

Umstrittene Werbespots

Eine Kontroverse ausgelöst hat das Couponunternehmen «Groupon». Seine drei Werbespots während der zweiten Halbzeit waren – vermutlich mit viel Kalkül geplant – etwas pietätlos. Einem davon (siehe Video ganz unten) wird vorgeworfen, aus dem Leiden der tibetischen Kultur Profit schlagen zu wollen, was entsprechend für Gesprächsstoff sorgt. Der amerikanische Präsident Barack Obama erhielt mit einem 15-minütigen TV-Auftritt im Vorfeld des grössten Einzelsportanlasses der Welt ebenfalls ein Werbefenster, gratis natürlich. Ein kommerzielles Unternehmen hätte dafür 90 Millionen US-Dollar bezahlen müssen. Eine Zuhörerschaft von über 100 Millionen Amerikanern am TV kann der Politiker nur am Super-Bowl-Sonntag erreichen. TV-Host Bill O'Reilly befragte den Präsidenten zu seiner aktuellen Politik, bevor Obama 20 Gäste zu seiner privaten Super-Bowl-Party im weissen Haus einlud. Nachdem der amerikanische Präsident dem Event am Sonntag persönlich fernblieb, reisen die Green Bay Packers nun im Sommer zum traditionellen Empfang des Super-Bowl-Champions ins weisse Haus.

Die Mannschaft aus Wisconsin gewann den vierten Super Bowl ihrer Clubgeschichte. Die Vince Lombardi Trophy findet damit ihren Weg zurück in die Käse- und Fleischfabrik der USA. Der Pokal, um den am Super Bowl gespielt wird, ist nach dem erfolgreichen Headcoach der Green Bay Packers aus den 60-er Jahren benannt. Die Packers holten den Pokal mit einem 31:25-Sieg gegen die Pittsburgh Steelers. Damit wäre auch die grösste Nebensächlichkeit des gestrigen Super-Bowl-Sonntags in Amerika erzählt. Ben Röthlisberger, der Amerikaner mit Schweizer Urahnen, verlor damit bei seiner dritten Super-Bowl-Teilnahme zum ersten Mal und verbleibt mit zwei Super-Bowl-Gewinnen in den Geschichtsbüchern der NFL stehen.

Die umstrittene Tibet-Werbung
«(Video: YouTube)