Sport-Exoten

03. März 2011 15:52; Akt: 03.03.2011 15:58 Print

Viel Wille, wenig Talent

James Lambert landet beim Kombi-Springen an der Nordischen Ski-WM in Oslo bei 57 Metern und erinnert damit an Eddie «The Eagle». Was wäre der Sport ohne seine Exoten?

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Die Stargeigerin Vanessa-Mae will bei Olympia 2014 in Sotschi für Thailand auf den Skiern an den Start. James Lambert: Der Brite durfte an der Nordischen Ski-WM in Oslo auf der Normalschanze noch mitspringen, doch seine Weite von 57 Metern musste geschätzt werden, da die elektronische Messung die Region um seine Landung nicht erfassen konnte. Für die Grossschanze gabs für den 45-Jährigen ein Sprungverbot. Eddie «The Eagle» war der erste Skispringer, der für Grossbritannien antrat - und er schaffte es 1988 an die Olympischen Spiele in Calgary. Dort wurde er sowohl auf der Normal- als auch auf der Grossschanze Letzter. Seine persönliche Bestweite: 73,5 Meter. Jean-Pierre Roy: Der 47-Jährige aus Haiti versuchte sich an der alpinen Ski-WM in Garmisch für den Riesenslalom zu qualifizieren. Allerdings war sein Auftritt vor allem politisch motiviert. Er wollte auf die schwierigen Umstände in seiner Heimat aufmerksam machen. Auch die 17-Jährige Argentinierin Salome Bancora versuchte sich an der WM in Garmisch im Riesenslalom. Vom Schnee ins Wasser: Gibrilla Bamba aus Sierra Leone ging an der Schwimm-WM 2007 über 50 Meter Brust fast unter. Mit einer Zeit von 55,11 Sekunden klassierte er sich als 125. und Letzter. Auch Eric Moussambani aus Äquatorialguinea hatte seine liebe Mühe im kühlen Nass: Bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Syndey absolvierte er die 100 Meter Freistil in 112,72 Sekunden - was doppelt so lange war wie die damalige Weltrekordzeit. Sportler aus Jamaika versuchen sich immer wieder beim Bobfahren. Hier 1998 beim Anschubtraining. Iginia Boccalandro aus Venezuela war zuerst Volleyballspielerin und Abfahrerin, ehe sie zum Rodelsport wechselte. 1998 und 2002 nahm sie an den Olympischen Winterspielen teil - und schaffte es in Nagano immerhin auf Platz 28. Allerdings machte Boccalandro desöfteren durch Stürze auf sich aufmerksam. Auch Bruno Banani aus dem Königreich Tonga versucht sich im Rodeln. Nach einem Sturz beim entscheidenden Rennen verpasste er die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Vancouver haarscharf. Sein Ziel ist nun Sotschi 2014. Bei der WM in diesem Jahr belegte er den 36. und vorletzten Platz. Philip Kimely Boit, 39, aus Kenia ist mehrfacher Olympiateilnehmer. Auch bei der aktuellen Nordischen Ski-WM in Oslo ist er wieder dabei. Der Mexikaner Hubertus von Hohenlohe (52) ist trotz seiner Erfolglosigkeit aus dem Skisport nicht mehr wegzudenken. Errol Kerr, 24, ist ein Skicross-Fahrer aus Jamaika, allerdings besitzt er auch den amerikanischen Pass und er wuchs in den USA auf. Bei den Olympischen Spielen 2010 belegte Kerr den 9. Rang. Zeimichael Robel Teklemariam, 37, ist ein äthiopischer Langläufer. Er nahm bereits an zwei Olympischen Winterspielen teil. Kwame Nkrumah-Acheampong ist der erste professionelle Skirennfahrer aus Ghana. Der Spitzname des 37-Jährigen lautet «Schnee-Leopard». Acheampong war der erste Ghanaer, der sich für Olympische Winterspiele qualifizieren konnte. Muhammad Abbas, 24, ist ein Skirennfahrer aus Pakistan. Er nahm an den Olympischen Winterspielen in Vancouver teil. Die Geschwister Simari Birkner (Macarena, Maria Belen und Cristian Javier) sind Skiprofis aus Argentinien. Marjan Kalhor war die erste Iranerin, die bei Olympischen Winterspielen teilnahm - und zwar 2010 in Vancouver. Samir Azzimani, 32, ist ein Langläufer aus Marokko. Isabel Clark Riberio nahm für Brasilien an zwei Olympischen Spielen im Snowboardcross teil. Darko Damjanovski, 29, ist ein moldawischer Langläufer und Biathlet. Erjon Tola, 24, ist der erste Wintersportler, der je für Albanien an Olympischen Winterspielen teilgenommen hat. Das war 2006 in Turin. Auch 2010 in Vancouver war er mit von der Partie - als einziger Vertreter seines Landes. Gian Luca Giordani, 21, fährt Ski für San Marino. Clyde Getty, 49, ist ein Freestyle-Springer aus Argentinien. Shiva K.P. Keshavan, 29, ist der erste Inder, der im Rodeln an Olympischen Spielen teilnahm. Tucker Murphy, 29, ist ein Langläufer aus Bermuda. Arsen Nersisyan, 23, fährt Ski für Armenien. Die Chilenin Noelle Barahona (20) hat trotz ihrem jungen Alter schon zwei Olympia-Teilnahmen hinter sich. Roberto Carcelen, 40, ist ein peruanischer Langläufer. Er ist der erste Athlet, der sein Land an Olympischen Winterspielen repräsentierte. Tugba Dasdemir (r.), 25, ist eine türkische Skirennfahrerin.

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So etwas gab es wohl seit Eddie «The Eagle» nicht mehr. Beim Springen der Nordisch-Kombinierer an der WM in Oslo landete der Brite James Lambert bei 57 Metern. Der Sprung war so kurz, dass die Sprungrichter die Weite schätzen mussten, da die elektronische Messung den Bereich der Landung des 45-Jährigen nicht erfassen konnte. Beim anschliessenden Langlauf-Rennen wurde Lambert schliesslich mit einem achtminütigen Rückstand überrundet und nach Wettkampfreglement aus dem Rennen genommen.

Nun wollte der «verrückte Hund», wie sich der Brite selber nennt, auch von der Grossschanze springen - und den Landesrekord von Kultfigur Eddie «The Eagle» angreifen. Das sind immerhin 73,5 Meter. Doch die FIS hat dieses Vorhaben gestoppt und erteilte dem Engländer mit Wohnsitz in Oslo keine Starterlaubnis für den Wettkampf vom Mittwoch.

Lambert ist bei Weitem kein Einzelphänomen in der Sportwelt. Sobald ein Grossanlass ansteht - egal ob Olympische Spiele oder eine Weltmeisterschaft - sind die Exoten meist nicht weit entfernt. Besonders im Wintersport kommt es oftmals zu bizarren Auftritten. Eine Zusammenstellung verschiedener Sport-Exoten finden Sie in der Bildstrecke oben.

(mon)