Abergläubische Sportler

18. Februar 2011 14:04; Akt: 18.02.2011 15:14 Print

Von Tangas, Hühnchen und Urintherapien

Deutschlands Natigoalie Manuel Neuer liess sich zur Leistungssteigerung eine spezielle Zahnspange herstellen. Humbug oder nicht - Sportler schrecken vor fast nichts zurück, um ihre Ziele zu erreichen.

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Dortmunds Trainer Jürgen Klopp fürchtet den «Seuchenvogel». So nannte er den SWR-Journalisten Stephan Mai nach dem 1:1 gegen Kaiserslautern: «Hab ich schon einmal einen Punkt geholt oder irgendwas gemacht, wenn du da warst?» Nein. Bei 50 Spielen von Klopp ist Mai gemäss eigenen Angaben bisher am Spielfeldrand gestanden. Gewonnen hatte der sonst so erfolgreiche und sympathische Coach dabei nie. «Er verliert ja nicht immer, wenn ich dabei bin - er hat ja auch jetzt in Kaiserslautern einen Punkt geholt», wehrte sich der Journalist. Die «Liebesbeziehung» der beiden geht nun schon seit Jahren. Bereits 2007 sagte Klopp zu Mai: «Ich habe dich vor dem Spiel gesehen und mich gleich fünf Klassen schlechter gefühlt.» Mai hat nun erklärt, auf Auswärtsspiele von Dortmund zu verzichten. Manuel Neuer liess sich einen sogenannten DPS - einen Dental Power Splint - herstellen. Die Power-Spange soll die Leistungsfähigkeit steigern. Neben Manuel Neuer greifen auch Lindsey Vonn, Michael Phelps und Mats Hummels auf die Kieferklemme zurück. Frankreichs einstiger Libero Laurent Blanc pflegte nach siegreichen Spielen die Glatze von Torhüter Fabien Barthez zu küssen. F1-Weltmeister Lewis Hamilton reist nie ohne seine Gitarre, trägt ein Glückskreuz und «übt» vor jedem GP die jeweilige Rennstrecke auf einer Spielkonsole. Zudem steigt er stets mit dem rechten Fuss zuerst in seinen Boliden ein. Der Skispringer Jakub Janda muss immer hinter dem Beifahrer im Auto sitzen – sonst springt der Tscheche nicht. Auch in seinem Hotelzimmer muss immer absolute Ordnung herrschen. Als Letzter aus der Kabine kamen jeweils der Brasilianer Socrates, der Engländer Paul Ince und auch Kolo Touré macht gerne als Letzter die Türe zu. Dies brachte ihm sogar einmal die gelbe Karte ein, als er sich weigerte, vor einem Spieler den Platz zu betreten, der verletzungsbedingt behandelt werden musste. Tennis-Queen Ana Ivanovic steht nie auf die weisse Seitenlinie. Vor dem Aufschlag lässt sie den Ball einmal - aber nur einmal - am Boden abprallen. Was für eine Verschwendung, wird sich MMA-Star Lyoto Machida dabei denken. Er trinkt täglich seinen Urin. Boxer Juan Manuel Marquez tut es ihm gleich. Die beiden Kampfsportler halten ihren eigenen Körpersaft für Medizin – der ehemalige indische Ministerpräsident Morardschi Desai war ebenfalls ein Verfechter der heilenden Kräfte des Mittelstrahls. Der Baseballer Jason Giambi vertraute auf einen goldenen Tanga, wenn es ihm einmal nicht mehr lief. Seine Methode war offensichtlich so erfolgreich, dass er seinen Glücksbringer öfter mal einem Mannschaftskollegen auslieh. Wohl bekomms. Gerd Müller trug stets Fussballschuhe in der Grösse 41, obwohl jeder Schuhhändler ihm Grösse 38 empfohlen hätte. Der deutsche Rekordtorschütze war überzeugt, dass er sich so besser drehen könne. Horst Ehrmantraut (l.), Ex-Trainer von Eintracht Frankfurt, verwehrte seinem Assistenztrainer Bernhard Lippert plötzlich den Zutritt in die Mannschaftskabine. Die Begründung: Lippert strahle «negative Energien» aus. Auch der erfolgreiche Baseballer Wade Boggs ass vor den Spielen nur Hühnchen und wurde deshalb auch «Chicken Man» gerufen. Bevor er den Platz betrat, schrieb er das hebräische Wort für «Leben» (Chai) in den Dreck. Und noch ein Baseballer mit sonderbarem Ritual: Turk Wendell putzte sich zwischen den Innings jeweils die Zähne. Die amerikanische Eiskunstläuferin Michelle Kwan trägt immer eine Halskette mit einem goldenen Drachen-Anhänger. Nicht nur Tennis-König, sondern auch absoluter Spitzenreiter in Sachen Ticks: Rafael Nadal steht auf dem Feld nie auf eine Linie, stellt seine Trinkflaschen immer genau gleich vor seine Sitzbank und sprintet vor jedem Spiel aufs Feld. Als Real-Madrid-Trainer sperrte Luis Aragones einst seinen Stürmer Raúl für ein Spiel. Der Grund: Er trug im Training ein gelbes T-Shirt. Real verlor das Spiel auch ohne «Unglücksbringer» Raúl. Die lebende NHL-Legende Patrick Roy sprach jeweils mit den Torpfosten. «Sie sind meine Freunde», begründete der Torhüter sein Vorgehen. Bei der WM 2002 verliess sich Italiens damaliger Nationaltrainer Giovanni Trapattoni auf geweihtes Wasser, das er aus einer Flasche herausspritzte. Das Team scheiterte jedoch im Achtelfinale an Südkorea. Da war wohl «Flasche leer»... Der argentinische Torhüter Sergio Goycoechea hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, vor gegnerischen Penalties auf den Platz zu urinieren. Damit verwirrte er die Penaltyschützen - durchaus erfolgreich. Der dänische Fussballer Preben Elkjær-Larsen genehmigte sich in jeder Pause eine Zigarette. Der erfolgreiche Basketballer Michael Jordan trug stets seine «Glückshosen» von der Universität unter seinem NBA-Tenue. Ottmar Hitzfeld reiste in seinem beigen Glücks-Trenchcoat nach Luxemburg. Es half- Die Schweiz gewann und qualifizierte sich später für die WM. Ex-Tennis-Profi Goran Ivanisevic stand nach einer Pause immer als Zweiter vom Stuhl auf, stand auf dem Platz nie auf eine Seitenlinie und wenn er ein Turnier gewann, wiederholte der Kroate alles, was er tags zuvor getan hatte. Frankreichs Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech berücksichtigt bei der Aufstellung auch die Sternzeichen der Spieler. Skeptisch ist er gegenüber Skorpionen. «Die bringen sich gegenseitig um», so Domenech. Tiger Woods trägt in den Finalrunden der PGA-Turniere stets ein rotes Shirt. Eric Cantona legte sich während seiner Aktivzeit an jedem Spieltag morgens um acht Uhr für fünf Minuten in die Badewanne. Gary Lineker, ehemaliger englischer Nationalstürmer, schoss beim Aufwärmen nie aufs Tor. Lineker: «Ich wollte keinen Treffer vergeuden und mir die Tore fürs Spiel aufsparen.» Ronaldo betrat das Spielfeld immer zuerst mit dem rechten Fuss. Mark Schwarzer – Torhüter bei Fulham - trägt seit dem 16. Lebensjahr dieselben Schienbeinschoner – seit über 20 Jahren also. Der NBA-Spieler Jason Terry trägt während den Spielen jeweils fünf Paar Socken und isst zuvor nur Hühnchen. Noch verrückter, in welchem Pyjama er die Nacht zuvor ins Bett steigt: In den Shorts des gegnerischen Teams. Serena Williams bringt jeweils ihre Duschlappen mit auf den Tennisplatz und vor jedem Aufschlag prellt sie den Ball genau fünfmal. Björn Borg liess sich für Wimbledon immer einen Bart wachsen. Zudem trug er jedes Mal dasselbe Fila-Shirt.

Die lustigsten Fälle von Aberglauben im Sport.

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Manuel Neuers «Kieferklemme» soll zu besserem Gleichgewichtsgefühl und zu einer verbesserten Sauerstoffzufuhr führen. Das glauben der deutsche Nationalmannschafts-Torhüter, sein behandelnder Arzt – und laut «Bild.de» auch Mats Hummels, Lindsey Vonn und Michael Phelps. Über den Erfolg der zahntechnischen Massnahme wollen wir uns hier kein Urteil anmassen – klar ist: Was auch immer auch nur im Geringsten eine Leistungssteigerung verspricht, es gibt auf diesem Planeten bestimmt einen Sportler, der es konsumiert, einreibt, spritzt oder trägt. Mögen die Gründe noch so irrational sein.

(tog)