Schwingen

14. Juli 2018 02:05; Akt: 14.07.2018 02:48 Print

Der neuste Dopingfall betrifft einen Bösen

Bei einem positiven Befund der B-Probe könnte Martin Grab nur symbolisch gesperrt werden, denn der Schwinger ist bereits zurückgetreten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Martin Grab, siebenfacher Eidgenosse, Sieger des Expo-Schwingets 2002 in Murten, Sieger des Unspunnenfests 2006 in Interlaken, könnte bei einem abschliessend positiven Befund nicht gesperrt werden, oder höchstens mit symbolischer Wirkung. Denn der Schwyzer aus Rothenthurm ist Anfang Mai, rund einen Monat vor seinem 39. Geburtstag, vom Spitzensport zurückgetreten.

Im Fall von Martin Grab gibt es verschiedene Verdachtsmomente, die sich zu einem sehr schweren Verdacht summieren.

- Seinen vorletzten Kranzfestsieg errang er 2012, mit 33 Jahren. Heuer, am 22. April, gewann er mit sechs Siegen gegen jüngere und viel jüngere Konkurrenten das Zuger Kantonalfest. Der Triumph wurde als wundersame Auferstehung gefeiert.

- Grab nahm die aufwendige Saisonvorbereitung auf sich. Die Saison brach er nach nur zwei Teilnahmen an Kranzfesten mit dem Rücktritt ab – rund drei Wochen nach der von Antidoping Schweiz ohne Ankündigung vorgenommenen Probe. Die wichtigsten Feste der Saison, Bergkranzfeste und Teilverbandsfeste, wären erst ab Mitte Juni gekommen.

Mittel gegen Brustkrebs

- Die festgestellte verbotene Substanz ist Tamoxifen. Es wird in erster Linie im Kampf gegen den Brustkrebs eingesetzt. Für dopende Sportler ist es kein leistungsförderndes Mittel. Aber es verschleiert den Gebrauch von Anabolika, den Muskelaufbau-Präparaten, die gerade dem Schwinger erhebliche Vorteile verschaffen können.

Sollte auch die B-Probe positiv ausfallen, dürfte Grab trotz seiner jetzigen Beteuerungen der Unschuld grösste Mühe haben zu erklären, wie ein für einen Frauenkörper bestimmtes Medikament in seinen Körper gelangt ist. Sabotage? Aber wer sollte ein Interesse haben, einen Schwinger zu sabotieren, der den Zenit schon vor etwa zehn Jahren überschritten hat?

Unangemeldete Kontrollen

Seit Ende 2015 ist der Eidgenössische Schwingerverband ESV Mitglied von Swiss Olympic. Die Hoheit über Dopingbekämpfung im Schwingen haben seither der Dachverband und Antidoping Schweiz. Die Schwinger müssen jederzeit mit einer unangemeldeten Kontrolle rechnen, wie sie bei Martin Grab vorgenommen wurde.

Bis Ende 2015 war der ESV lediglich ein zahlender Kunde von Antidoping Schweiz. Die Mitarbeiter der Stiftung nahmen zwar die Kontrollen vor. Wann und wo kontrolliert werden sollte, bestimmte jedoch der ESV.

Aus dem Schwingsport, in dem die rohe Kraft und die Schnellkraft eine herausragende Rolle spielen, waren verhältnismässig wenige Dopingfälle registriert worden respektive bekannt geworden. Obwohl gerade das Schwingen für Doping prädestiniert ist und die Versuchung für die Athleten gross sein muss. Es ist zu vermuten, dass schon mehr Schwinger der Versuchung erlegen sind, als man heute weiss.

Wittwer gab alles zu

Der erste namhafte Fall betraf Beat Abderhalden 2001. Der Bruder des Überschwingers Jörg Abderhalden stritt Doping trotz erdrückender Indizien ab. Er wurde für 18 Monate gesperrt. 2004 trat er zurück.

Bei Thomas Wittwer, dreifacher Berner Eidgenosse, wurden 2005 Spuren von Anabolika festgestellt. Er ist bis heute der einzige erwischte Schwinger, der das Doping ohne Umschweife zugegeben hat. Die zweijährige Sperre bedeuteten das Ende der Laufbahn. Beim Dopingvergehen war Wittwer schon 33 Jahre alt.

Vor dem Fall Grab war der Fall Bruno Gisler am spektakulärsten. Der damals 30-jährige Solothurner wurde 2013 am Eidgenössischen Fest in Burgdorf positiv auf das verbotene stimulierende Mittel Nikethamid getestet. Vor der Dopingkommission des Nordwestschweizer Verbandes kam er mit der abenteuerlichen Erklärung durch, er habe im Medikamentenschrank zwei Sprays verwechselt. Der Verband belegte ihn mit der kürzesten Sperre von einem halben Jahr, obwohl der Hersteller klar gemacht hatte, dass seine Medikamente kein Nikethamid enthalten. Der Kranzgewinn von Burgdorf wurde Gisler aberkannt.

Die analoge Sanktion hat Martin Grab zu gewärtigen. Wird er nach der B-Probe überführt, dürfte er den Sieg vom Zuger Fest und die beiden Kranzgewinne in seiner kurzen letzten Saison verlieren. Dann wird er mit 32 Kranzfestsiegen aufgehört haben statt mit 33.

Resultate und Tabellen

(chk/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eidgenosse am 14.07.2018 04:48 Report Diesen Beitrag melden

    Von bloßem Auge ersichtlich.

    Wenn sie heute einige Spitzenschwinger ansehen, 120-130 Kilo, reine Muskelmasse ohne Fett. Vermutlich reines Training, Trudi Gerster lässt grüßen in der Märchenstunde?

    einklappen einklappen
  • Giovanni Schu Weiss am 14.07.2018 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urchig Bös

    Traurig, wenn es so ist...... Dass Schwingen auf diesem Niveau ein Leistungssport ist, das ist unbestritten. Aber dass die noch letzten urchigen Bösen zu solchen Mittel greifen müssen, das stimmt mich traurig.

  • Bauer Fritz am 14.07.2018 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sportlich

    Auch Schwingen ist ein Spitzensport geworden mit allem drum und dran halt...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • resy am 14.07.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Wie soll sonst jemand den korpulenten Stucki auf den Rücken legen?

  • Bimbo77 am 14.07.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tamoxifen?

    Hmm bekämft jemand die Nebenwirkungen "Bitch Titts" dass meisst durch Verwendung von Exogene Testosteron Zufuhr verursacht wird. Die B-Probe wird ziemlich sicher Positiv sein, ausser er hatte das Timing und hat früh genug aufgehört. So kann mann nichts mehr nachweisen.. Sicher ist schon jetzt dass er was genommen hat, kein Mann nimmt einfach so ein Brustkrebsmittel zu sich.

  • Land Wirt am 14.07.2018 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwingen

    der wohl abgekartete Sport den es gibt. Schon beim Tableau wird gemauschelt wer gegen wen. U d der "König" muss nicht einmal im Schlussgang sein. Und der "Beste" nimmt das, was Doping überdeckt. Absolut korrupte Sache. Pfui. Und da wird nich von Tradition geschnorrt.

  • Fredy am 14.07.2018 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist und bleibt ein ganz Böser!

    Ich bin fest davon überzeugt, dass Märtel nichts verbotenes genommen hat. Einer der über Jahre an der Spitze geschwungenen hat und regelmässig auf Doping getestet worden ist (immer mit negativ Ergebnis !!) hat dies auch am Ende seiner Karriere nicht nötig. Er ist und bleibt einer der besten Schwinger!!!

  • Bratwurst am 14.07.2018 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja ja, die sauberen Schwinger

    Hat er, oder hat er nicht? Wenn die Test das so feststellen, dann hat er. Wenn nicht, zeigt es dann die B- Probe. Er ist für sich selbst verantwortlich, erwachsen und weiss was er tut. Sein Problem.