Yann Sommer: «0:3 kann ich noch akzeptieren – 0:5 nicht»
Aktualisiert

Yann Sommer«0:3 kann ich noch akzeptieren – 0:5 nicht»

Der FC Basel geht in Valencia unter und scheidet aus der Europa League aus. Für Yann Sommer war es zudem der letzte internationale Auftritt in Rotblau.

von
Eva Tedesco
Valencia

Der FCB scheidet aus der Europa League aus. Für Yann Sommer war es der letzte Auftritt für die Bebbi auf internationaler Ebene. (Video: 20 Minuten)

Noch nie hat eine Mannschaft in der K.-o.-Phase der Europa League einen 0:3-Rückstand aufgeholt. Valencia hat den Irrsinn geschafft. Die Spanier drehten den Spiess um. Mehr noch: Sie fegten den FCB mit einer 0:5-Klatsche aus dem Stadion. «Murat Yakin muss ein Déjà-vu haben», sagt Fabian Frei weit nach Mitternacht in der Interviewzone des Mestalla-Stadions und meint damit die 2:6-Niederlage der Bebbi im Oktober 2002 in Valencia mit Yakin als Abwehrchef in den Reihen.

Ein Doppelschlag innert vier Minuten leitete das Leiden der Basler ein. In der 38. Minute traf Paco Alcácer zum 1:0 für die Spanier, nach einem haarsträubenden Querpass und Ballverlust von Marcelo Díaz, der in der 101. Minute zu allem Überfluss auch noch die Rote Karte provozierte und damit seine Mannschaft zusätzlich schwächte. Und nur vier Minuten nach der Führung erhöhte Eduardo Vargas nach einem Eckball per Kopf auf 2:0.

Beton aufgeweicht und abgetragen

Wo war der Basler Beton? Die defensive Stabilität, die den FCB auf internationaler Ebene bisher ausgezeichnet hat? Murat(ore) Yakins Beton war brüchig. Marcelo Díaz hat ihn mit einem haarsträubenden Fehlpass, der auf diesem Niveau nicht passieren darf, aufgeweicht und Yakin stinksauer gemacht.

«In Valencia darf man verlieren, wenn alles gegen uns läuft, aber man soll mit Anstand verlieren, auch wenn alles gegen uns läuft. Aber wir haben auch zu viele Fehler gemacht und das wird halt in Spanien bitter bestraft.» Das i-Tüpfelchen auf den schwachen Auftritt einiger Akteure – und von diesen schliesst er Keeper Yann Sommer dezidiert aus, der einmal mehr gehext hat, dass man sich verwundert die Augen rieb – seien die Roten Karten gewesen. Diese Platzverweise nimmt Yakin nicht einfach nur hin, «solche Situationen müssen angesprochen werden, wenn Spieler ihren Frust über ihre eigene ungenügende Leistung in Aktionen rauslassen, die dem Team nichts nützen».

Valencia in allen Belangen überlegen

Konsternation herrschte bei den mitgereisten Fans, riesige Enttäuschung auch in der Mannschaft. Denn der rabenschwarze Abend im Mestalla hätte nicht sein müssen. Bis zum Führungstreffer Valencias hatte die Bebbi alles im Griff. Nichts, rein gar nichts deutete darauf hin, dass der spanische Klub den FCB aus der Europa League kegeln würde. Yakin: «Rund 35 Minuten waren wir gut unterwegs, aber die zwei Tore vor der Pause waren zu viel. Wir müssen uns nichts vormachen, Valencia war in allen Belangen – vor allem auch mental – besser.»

«Das Worst-Case-Szenario ist eingetroffen, aber wir müssen uns da gar nichts vormachen – die Leistung war gar nicht gut», sagt Fabian Frei. «Der Ball vor dem 1:0 war nicht gut und hat uns das Genick gebrochen. Aber ich glaube, der Spieler weiss es auch selber. Wir werden es sicher noch ansprechen. Es ist schwierig, etwas Positives aus dem Erlebten herauszunehmen, aber schon am Sonntag geht es in der Meisterschaft weiter.»

Sommer: Letzter internationaler Auftritt in Rotblau

Für Yann Sommer war es somit der letzte internationale Auftritt mit dem FCB. Der Goalie wechselt im Sommer zu Borussia Mönchengladbach. Es ist nach wunderbaren Erfolgen eine bittere Pille, die Sommer zum Abschied schlucken muss. Dementsprechend enttäuscht ist der Torhüter, der trotz Wahnsinnsparaden, die einfach nur sprachlos machten, dennoch fünf Tore kassieren musste.

«Wir waren chancenlos und haben gegen ein Valencia gespielt, das uns aufgezeigt hat, was grosse internationale Klasse ist. Nach einer Viertelstunde habe ich gemerkt, dass es richtig schwierig werden könnte und nach dem 0:1, was recht dumm war, ist bei ihnen die Hoffnung zurückgekommen. Das 2:0 war für sie die entscheidende Szene im Spiel und hat uns das Genick gebrochen. Wir haben weitergekämpft und dann kamen die zwei Roten Karten. 0:3 kann ich akzeptieren, 0:5 nicht!»

Fokus auf die Meisterschaft

Sommer weiter: «Die Europa League ist für uns ein Bonus und trotzdem sind wir jetzt sehr enttäuscht. Das muss aber auch so sein. Schon am Freitag werden wir vorwärts auf Sion und die Meisterschaft schauen. Der wichtigere Teil unseres Fussballerlebens ist die Meisterschaft – und die wollen wir gut abschliessen. Es ist schade, dass es der letzte internationale Match war und wir so untergegangen sind. Die Meisterschaft bleibt aber unser grosses Ziel, wir wollen unbedingt Meister werden.»

Deine Meinung