«Time Out» mit Klaus Zaugg: 0:5 - und es ist allen (fast) egal
Aktualisiert

«Time Out» mit Klaus Zaugg0:5 - und es ist allen (fast) egal

0:5 gegen Schweden - na und? Nationaltrainer Sean Simpson übt sich in der Kunst des heilsamen Vergessens.

Die Schweizer nach der Niederlage gegen Schweden.

Die Schweizer nach der Niederlage gegen Schweden.

Die Schweizer haben nun die letzten zwei Partien in der Zwischenrunde verloren: 2:3 gegen Norwegen und 0:5 gegen Schweden. Nationalcoach Sean Simpson blieb nach dem 0:5 gegen die Schweden trotzdem gelassen, als er gefragt wurde, warum die Dynamik aus den Gruppenspielen nun am Schluss der Zwischenrunde verloren gegangen sei. «Unser Ziel waren die Viertelfinals und dieses Ziel haben wir schon vor dem Spiel gegen Schweden erreicht. Wir haben vier von sechs WM-Partien gewonnen - das ist mehr als vor dem Turnier von uns erwartet worden ist.»

Er wolle gar nicht mehr auf das 0:5 gegen Schweden eingehen. «Wir müssen dieses Spiel so schnell wie möglich vergessen. Für uns ist es wichtig, nun positiv zu denken und vorwärts auf das Viertelfinale gegen Deutschland zu schauen.»

Die Deutschen stehen zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder in einem WM-Viertelfinale. Sie besiegten im alles entscheidenden Zwischenrundenspiel die Slowakei 2:1. Die übrigen Viertelfinal-Begegnungen: Russland gegen Kanada, Tschechien gegen Finnland und Schweden gegen Dänemark. Der Sieger aus Deutschland gegen die Schweiz wird im Halbfinale auf den Sieger der Partie Russland gegen Kanada treffen, der Sieger aus dem Spiel Finnland gegen Tschechien auf den Gewinner des Spiels Schweden gegen Dänemark.

Für die Schweizer ist es ein Albtraum im Traum-Viertelfinale. Arme Schweiz, was nun? Das 2:3 gegen Norwegen war keine heilsame Pleite. Die Schweizer sind nicht gestärkt aus der ersten Turnierniederlage herausgekommen, sondern verunsichert. Die Segel des Selbstvertrauens, die sich zuvor so wundervoll im Wind der Emotionen gebläht hatten und uns über Lettland, Italien, Kanada und Tschechien hinwegbrausen liessen, hingen gegen Schweden genau so schlaff an den Masten der Zuversicht wie gegen Norwegen.

Müde im Kopf? Müde in den Beinen? Beides? In Gedanken schon beim Viertelfinale, weil ja die Niederlage gegen Schweden bloss dazu führt, dass wir statt gegen Dänemark halt gegen Deutschland um den Einzug ins Halbfinale spielen? Für Marcel Jenni spielt es eine Rolle, dass schon seit dem Sonntag klar ist, dass die Viertelfinals gesichert sind. «Diese Viertelfinals sind für uns ja das Ziel und es ist gut möglich, dass wir deswegen nicht ganz bei der Sache waren und die Energie fehlte.» Er sagt aber auch, dass ein Spiel wie gegen die Schweden nicht mehr passieren dürfe: «Wir müssen uns jetzt zusammenraufen und gegen die Deutschen spielen wie von der Tarantel gestochen.»

Wir wollen hier doch noch die Chronistenpflicht erfüllen und sagen, wer statistisch gegen die Schweden gut und wer weniger gut war. Einen schwarzen Abend zogen Mathias Seger (-4) und der von seinen Vorderleuten arg im Stich gelassene Torhüter Tobias Stephan ein. Kein einziger Schweizer hatte in dieser Partie eine Plus-Bilanz. Zum besten Spieler wurde Marcel Jenni gewählt: Er hatte als Defensivstürmer ein grosses Spiel geliefert und kam mit einer -1-Bilanz glimpflich davon. Die einzigen Spieler, die bei keinem Minustreffer auf dem Eis standen (0:0-Bilanz): Paolo Duca und Roman Josi.

Die Schweden haben sich wieder einmal im Laufe eines Turniers zusammengerauft. Nationaltrainer Bengt-Ake Gustafsson (sein letztes Turnier mit Schweden) hatte 37 Absagen zu verkraften und Meister HV 71 hat die Nationalmannschaft boykottiert. Seit Jahren tritt Schweden erstmals ohne einen einzigen Spieler des Landesmeisters an. Oder wie es ein legendärer Trainer aus Schweden sagt: «Die Spieler von HV 71 haben sich alle bei der Meisterfeier verletzt…»

Die Schweizer waren gegen die Schweden auf jeden Fall chancenlos. Obwohl sie mit 26:25 Schüssen die Partie statistisch offen hielten. Sie wurden gnadenlos ausgekontert. Aber eben: Die Niederlage hat keinerlei Folgen für die Schweizer: Sie waren schon vor der Partie für das Viertelfinale qualifiziert. Im Falle eines Sieges hätten die Schweizer im Viertelfinale gegen Dänemark gespielt - aber was ist schon ein Viertelfinale gegen Dänemark im Vergleich zu einem Viertelfinale Schweiz gegen Deutschland?

Richtig: Ein Kindergeburtstag.

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