Gastro-Experte: «0 bis 10 Prozent Trinkgeld ist angemessen»
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Gastro-Experte«0 bis 10 Prozent Trinkgeld ist angemessen»

Eigentlich wurde Trinkgeld in der Schweiz längst abgeschafft. Oft sei es aber trotzdem angebracht, dem Servicepersonal einen Zustupf dazulassen, erklärt ein Experte.

von
Dominic Benz
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Trinkgeld gibts nicht nur im Restaurant – doch die Bräuche sind teils etwas anders.

Trinkgeld gibts nicht nur im Restaurant – doch die Bräuche sind teils etwas anders.

Keystone/Martin Ruetschi
GesundheitswesenEin grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte ist, muss sich aber an die Richtlinien des Verbands halten. Diese besagen, dass solche Zuwendungen das «übliche Mass kleiner Anerkennungen» nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten.

GesundheitswesenEin grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte ist, muss sich aber an die Richtlinien des Verbands halten. Diese besagen, dass solche Zuwendungen das «übliche Mass kleiner Anerkennungen» nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten.

Keystone/Christian Beutler
PostVor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa Pralinés, selbst gebackene Guetsli oder einen Zustupf fürs Kaffeekässeli. Wie Post-Sprecherin Léa Wertheimer zu 20 Minuten sagt, darf das Personal laut dem Generalarbeitsvertrag der Post solche Geschenke annehmen, solange sie landes- oder branchenüblichen Trinkgeldern entsprechen. Geschenke, die im Zusammenhang mit der geschäftlichen Tätigkeit selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen.

PostVor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa Pralinés, selbst gebackene Guetsli oder einen Zustupf fürs Kaffeekässeli. Wie Post-Sprecherin Léa Wertheimer zu 20 Minuten sagt, darf das Personal laut dem Generalarbeitsvertrag der Post solche Geschenke annehmen, solange sie landes- oder branchenüblichen Trinkgeldern entsprechen. Geschenke, die im Zusammenhang mit der geschäftlichen Tätigkeit selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen.

Keystone/Christian Beutler

Wie viel Trinkgeld ist angebracht, und muss man überhaupt etwas geben? Diese Frage beschäftigt auch Schweizer Konsumenten regelmässig, wenn sie in Restaurants oder Bars zu Gast sind. Rafael Saupe, Gastroexperte beim Beratungsunternehmen Desillusion, erklärt im Interview, wie hoch ein angemessenes Trinkgeld sein sollte und wann es knausrig ist, gar nichts zu geben.

Herr Saupe, muss ich überhaupt Trinkgeld geben?

Mit der landesweiten Einführung des Gesamtarbeitsvertrags im Schweizer Gastgewerbe im Jahr 1974 wurde das Trinkgeld eigentlich offiziell abgeschafft. Es ist seither im Lohn enthalten. Dennoch ist es bis heute Brauch, Trinkgeld zu geben.

Welches Trinkgeld ist im Gastgewerbe angemessen?

Das kann von 0 bis 10 Prozent reichen. Die Höhe des Trinkgeldes sollte jeder Gast immer an der eigenen Zufriedenheit mit dem Essen und dem Service messen.

Wieso sprechen die meisten von 10 Prozent?

Das dürfte damit zu tun haben, dass sich das Trinkgeld so einfach berechnen lässt – egal, ob auf der Rechnung ein kleiner oder grosser Betrag steht. Die 10 Prozent sind eine mathematische Hilfsformel.

Wenn man fürs Essen 1000 Franken zahlt – sind dann 10 Prozent oder 100 Franken Trinkgeld zu viel?

Egal, ob es ein günstiges oder ein teures Essen war – es hängt immer davon ab, wie zufrieden man war. Bei gutem Service sind 10 Prozent angebracht, auch wenn 100 Franken allein betrachtet viel Geld sind. Aber das Trinkgeld wird nicht kleiner, nur weil das Essen teuer ist.

Ist es denn nicht knauserig, wenn man gar kein Trinkgeld gibt?

Wenn einem etwa das Essen auf den Tisch geschleudert wurde, dann nicht. Es ist dann die Aussage, dass die Leistung eben nicht gut genug für ein Trinkgeld war. Knausrig ist es hingegen, wenn man einen aussergewöhnlich aufmerksamen Service erleben durfte und darüber hinaus auch das Essen wirklich überzeugend war.

Rafael Saupe ist Gastro-Experte beim Beratungsunternehmen Desillusion. (Bild: Desillusion)

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