Bond is back: 007 Gründe für den neuen Bond
Aktualisiert

Bond is back007 Gründe für den neuen Bond

Tradition und Action, Bondgirls und Bösewichte - «Skyfall» ist durchwegs grossartig. Eine Würdigung in sieben Punkten.

von
Oliver Baroni

Achtung, liebe Leserschaft, dieser Artikel enthält den einen oder anderen Spoiler. Logisch. Aber nichts, was den Filmgenuss stören könnte - keine Sorge!

001. Tradition: Wenn etwas beim Vorgängerfilm «Quantum of Solace» gefehlt hat, dann die reichhaltige Tradition von mehr als 20 Bond-Filmen. Augenscheinlich wollte der damalige Regisseur Marc Forster mit Althergebrachtem brechen, um der Welt einen moderneren, relevanteren Bond zu präsentieren. Das Resultat war ein Schlamassel, das hauptsächlich an einem schwachen Drehbuch und uninspirierter Regie litt, auch weil Forster beliebte Bond-Motive wie das Gewehrlauf-Logo oder die Bond-Titelmelodie partout wegliess. «Skyfall»-Regisseur Sam Mendes schafft es nun meisterhaft, Bond wahrlich zeitgemäss rüberzubringen, zugleich aber Traditionen beizubehalten. Ohnehin wird in «Skyfall» die Filmgeschichte reichlich zitiert: Von «Apocalypse Now» bis «Get Carter». Schön aber auch, wie die Bond-Zitate gegen Schluss des Filmes an Häufigkeit zunehmen, um am Ende Bond als durch und durch definierte Filmfigur abzuliefern: Moneypenny ist im Vorzimmer, M überreicht ihm ein Dossier, auf dem «Top Secret» steht. Achten Sie mal darauf, in welcher Szene das Bond-Gitarrenriff erstmals zu hören ist! Genial.

002. Action: Letztlich ist jeder Bondfilm ein Action-Streifen, und so ist jeder neue 007 ein Gradmesser für Filmtechnik und Zeitgeist zugleich. In der Ära Daniel Craig haben die Bondfilme bekanntlich an Härte zugelegt – von allen Bond-Darstellern sieht Craig blutend und lädiert weitaus am besten aus. Bloss wurde die Geschwindigkeit und Hektik der Actionsequenzen bei «Quantum» schmerzlich auf die Spitze getrieben, was hauptsächlich dem Einfluss Jason Bournes zuzuschreiben ist, war doch «Bourne Ultimatum»-Regisseur Dan Bradley für diese zuständig (Marc Forster schien sich einzig auf die ebenso schmerzlich langatmigen Sequenzen konzentriert zu haben). Dies wurde bei «Skyfall» korrigiert: Die Action ist weiterhin umwerfend imposant, doch man verliert nie den Überblick.

003. Bondgirls: Bérénice Marlohe als Severine ist ein klassisches, verführerisches Bondgirl, dessen natürlicher Lebensraum ein von Gaunern umgarntes Casino ist. Wider Erwarten hat sie aber in «Skyfall» erstaunlich wenig Leinwandzeit, was aber damit zu erklären ist, dass Bond sich im Grunde nicht sehr für sie interessiert – zumindest nicht in romantischer Hinsicht (zum Sex in der Dusche kommt es aber alleweil). Ganz anders verhält es sich mit Moneypenny, gespielt von einer sehr, sehr flirtigen Naomie Harris. Zwischen ihr und Bond knistert es gaaaanz schön heftig. Ausserdem ist Eve Moneypenny (ja, auch das ist eine Neuerung – sie hat einen Vornamen) eine schlagkräftige und schiesswütige MI6-Agentin. Kurz gesagt, eine Wucht.

004. Schurken: Ja, Javier Bardem als Raoul Silva gefällt. Nach einem grossartigen ersten Auftritt verfällt er ab und an ins Theatralische, doch dies stört bei einem richtig geilen Bond-Bösewicht nicht. Schliesslich lässt er dennoch genug Subtilität für jede Menge Interpretationsspielraum zu: Wer ist eigentlich dieser Raoul Silva? Und was ist das von Daniel Craig zitierte «sehr spezielle Verhältnis» von ihm zu Bond? Einige spannende Theorien geistern bereits herum. Wir verraten hier mal noch nichts.

005. Cast: Daniel Craig überzeugt weiterhin als knallharter 007, wie man ihn aus den beiden Vorgängerfilmen kennt. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Besondere Aufmerksamkeit gebührt aber Dame Judy Dench als M und Ralph Fiennes als Geheimdienstkoordinator Mallory. Dabei kommt Fiennes, den man als Oberbösewicht Voldemort aus den Harry-Potter-Filmen kennt, eine tragendere Rolle zu als zunächst vermutet. Dench, die seit «Goldeneye» mit von der Partie ist - und seither eine emotionalere Beziehung zu Bond pflegte, wodurch sie der Rolle des Geheimdienstchefs viel mehr Bedeutung gab -, ist die Schlüsselfigur in «Skyfall». Wird sie die Entführungs- und Attentatsversuche überleben?

006. Gadgets/Q: Nein, einen Unterwasser-Lotus oder einen Mini-Jet, der in einem Pferdewagen versorgt werden kann, gibt es nicht. «Skyfall» spiegelt die Digitalisierung des Alltags und des Terrors wider. Mit Hacking kann man viel mehr Schaden anrichten und so sind Laptops die gefährlicheren Massenvernichtungswaffen. «Ist nicht gerade wie Weihnachten», entfährt es Bond, als er von Q lediglich eine neue Pistole und einen Peilsender bekommt. Wichtiger dabei ist: Q ist wieder da! Ein nerdiger, etwas gar junger Q nämlich, gespielt von Ben Wishaw. Ein schlauer Schachzug, den süssen Wishaw als Q zu casten – da ist sicher manch ein Hipster-Girlie und Boygroup-Fan begeistert davon.

007. Humor: Aufschnaufen, liebes Publikum! Trotz aller Härte und Grimmigkeit hält endlich wieder Humor Einzug in den Bond-Alltag. Vielleicht liegt es daran, dass «Skyfall» einer der britischsten Bond-Filme seit Langem ist – das Gros der Handlung spielt in London, die meisten Akteure sind demzufolge Briten. Vielleicht aber auch, weil dies der «Coming of Age»-Film der drei Craig-Streifen ist, die quasi die Vorgeschichte zu 007 erzählen. Am Schluss des Streifens ist James Bond ein Mann ohne Vergangenheit: Das Haus seiner Kindheit ist zerstört, die Eltern längst tot und gewisse andere «Familienmitglieder» (schauen Sie doch selbst!) gestorben. James Bond hat mit seiner Vergangenheit gebrochen und erträgts mit einer Prise trockenem Humor. 007 meldet sich zum Dienst.

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