1:0 - FC Basel in extremis Cupsieger
Aktualisiert

1:0 - FC Basel in extremis Cupsieger

Der FC Basel hat den dramatischen 82. Cupfinal gegen den FC Luzern mit 1:0 gewonnen. Die Entscheidung fiel erst in der 93. Minute durch ein (umstrittenes) Foulelfmeter-Tor von Daniel Majstorovic.

Der FC Basel ist zum achten Mal Cupsieger. Verteidiger Daniel Majstorovic verwertete in der Nachspielzeit einen Foulpenalty und entschied damit den 82. Cupfinal im Stade de Suisse gegen den FC Luzern.

Die letzten Minuten des ersten Cupfinals auf Kunstrasen waren die besten der gesamten Partie. Beide Mannschaften suchten die Entscheidung, Basel vehement und der FC Luzern mit seinem Konterspiel. Der Favorit behielt das letzte Wort. Scott Chipperfield konnte in der Nachspielzeit zum dritten Mal in dieser Partie alleine auf David Zibung zulaufen und wurde von diesem im Strafraum leicht am Fuss berührt. «Ich denke, ich habe den Ball berührt», äusserte sich der Luzerner Keeper nach der Partie. Schiedsrichterin Nicole Petignat sah es anders, gab Zibung die Rote Karte und pfiff Elfmeter. Der Schwede Majstorovic traf vom Penaltypunkt aus in die tiefe rechte Ecke, unhaltbar für Ersatzkeeper Besnik Zukaj.

Engeleitet worden war die letzte und entscheidende Basler Aktion von einem unmotivierten Rückpass des eingewechselten Luzerner Internationalen Mauro Lustrinelli. Ausgerechnet Lustrinelli, der nur wenige Minuten zuvor, dem Spiel eine andere Wende hätte geben können, als ein Rückpass von Basels Captain Reto Zanni in seinen Füssen landete. FCB-Goalie Franco Costanzo war aber auf dem Posten. Es war eine der wenigen nennenswerten Aktionen der Luzerner, die nur kämpferisch und in der Schlussphase mit ihrem Konterspiel überzeugen konnten.

Zibungs Paraden

Der Sieg des FC Basel war verdient, aber schwer erkämpft. Der Meisterschafts-Zweite bestimmte von Beginn weg Tempo und Spiel. Er wollte den Aussenseiter aus Luzern, der in der Meisterschaft zuletzt sieben Partien ohne Sieg geblieben war, so rasch wie möglich verunsichern, ihm die Hoffnung auf den Exploit nehmen. Trotz technischer, spielerischer und körperlicher Überlegenheit kamen die Basler aber nur phasenweise zu viel versprechenden Aktionen. Der junge Eren Derdiyok blieb bis zu seiner Auswechslung als einzige Sturmspitze ohne Wirkung. Er war von Beginn weg zum Einsatz gekommen, weil Mladen Petric und Eduardo angeschlagen waren.

In Gefahr kamen die Luzern - wie bei der Entscheidung in der Nachspielzeit - meistens durch die Vorstösse der zentralen Mittelfeldspieler, Ivan Ergic, Papa Malik Ba und Chipperfield. Vor allem der Australier zeigte eine starke Partie. Er scheiterte zweimal (29./72.) am herausstürmenden Zibung, dem besten Luzerner. Zibung trat vor seiner unglücklichen Aktion in der Schlussphase wiederholt entscheidend in Szene, etwa bei einem schönen Schuss von Ivan Rakitic (19.) oder bei einer Doppelchance von Malick Ba (31.), als er zuerst den Kopfball und dann den Nachschuss bravourös parierte.

Dank Zibung und einer grossen Portion Einsatz hielt der FC Luzern das 0:0 lange genug, um den FC Basel nervös zu machen. Die Bebbi, die nach der verlorenen Meisterschaft unter grossem Druck standen, haderten oft mit den Entscheiden der Schiedsrichterin Petignat, die an sich eine gute Leistung zeigte. Trainer Christian Gross gestikulierte wiederholt wild an der Seitenlinie - auch ihm war der grosse Druck anzumerken. Verlieren war für den FC Basel verboten, der achte Cupsieg im 13. Final Pflicht.

«Lucky Punch» blieb aus

Der FC Luzern hatte nichts zu verlieren, spielte deswegen aber nicht blindlings nach vorne, sondern versuchte in erster Linie sicher zu stehen und den Baslern wenig Raum zu lassen. Das gelang ziemlich gut, obwohl keiner im Luzerner Team herausragend spielte. Die Routiniers Lucien Mettomo und vor allem der Ex-Basler Mario Cantaluppi leisteten sich sogar zahlreiche Aussetzer. Die beiden Brasilianer Paquito und Makanaki, die über die Seiten für Offensivaktionen hätten sorgen sollen, waren ihren Gegenspielern rein körperlich nicht gewachsen.

Der FC Luzern zeigte sich im Vergleich zu den letzten Meisterschaftsspielen verbessert, doch um zum dritten Mal Cupsieger zu werden, hätte es einen «Lucky Punch» gebraucht, wie derjenige von Paquito im Halbfinal gegen den FC Zürich. Die einzige gute Torchance des FC Luzern entstand nach dem miserablen Rückpass von Zanni. Es war genug um lange zu hoffen, aber letztlich zu wenig um den FC Basel zu schlagen.

Durch den Cupsieg konnte der Ligakrösus doch noch einen Titel feiern und seine Saison halbwegs retten. Zwar war der Final-Erfolg nicht so glanzvoll wie 2003, als Neuchâtel Xamax 6:0 abgefertigt wurde, doch genauso wichtig. Auch damals hatten die Basler die Meisterschaft verloren. Neben Basel haben auch die Young Boys Grund zur Freude. Sie stehen nun als Vierte der Axpo Super League doch noch im UEFA-Cup.

Swisscom Cup, Final:

Basel - Luzern 1:0 (0:0)

Stade de Suisse, Bern. - 30 000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Petignat.

Tor: 93. Majstorovic (Foulpenalty) 1:0.

Basel: Costanzo; Zanni, Majstorovic, Smiljanic, Nakata; Ba; Rakitic (75. Sterjovski), Ergic, Chipperfield, Caicedo; Derdiyok (58. Petric).

Luzern: Zibung (91. Zukaj); Diethelm (72. Lambert), Mettomo, Dal Santo, Claudio Lustenberger; Cantaluppi; Paquito (72. Lustrinelli), Bader, Fabian Lustenberger (91. Zukaj), Makanaki; Tchouga.

Bemerkungen: Basel komplett. Luzern ohne Seoane (verletzt). Platzverweis: 91. Zibung (Notbremse). Verwarnungen: 34. Diethelm (Foul), 74. Majstorovic (Foul).

Der Cupfinal im Liveticker:

95. Das Spiel ist aus, der FCB ist Cupsieger. Knappe Entscheidung, aber nicht unverdient, waren die Bebbi doch etwas besser. Jubeln dürfen auch die Young Boys, die damit in den Uefa-Cup nachrutschen.

93. Elfmeter von Majstorovic - Toooor! Flach links ins Eck - die Entscheidung!

90. Penalty für Basel! Zibung fällt Chipperfiel, sieht Rot - es kommt zum Penalty in der Nachspielzeit!

88. Im Gegenzug kommt Malck Ba nochmal zu einer Basler Chance - abgeblockt.

87. Die Chance des Spiels! Basels Zanni mit einem unglaublichen Blackout, spielt den Ball zum eigegen Tor zurück, direkt Luzerns Lustrinelli in die Füsse. Dieser kommt allein vor Costanzo zum Abschluss, doch der Argentinier pariert.

81. Die Schlussphase läuft, Basel drückt nochmals aufs Tempo. Luzern wehrt sich mit Händen und Füssen, steht defensiv ziemlich solide.

75. Sterjowski kommt für Rakitic.

74. Eine harte gelbe Karte gegen Majstorovic.

73. Wieder eine Glanztat von Zibung, wieder scheitert Chipperfield am Luzern-Goalie.

72. Doppelwechsel bei Luzern: Lustrinelli kommt für Paquito, Diethelm für fabian Lustenberger.

71. Chipperfield mt einem hervorragenden Kopfball, Zibung ist geschlagen, doch der Ball fliegt Zentimeter am Tor vorbei.

66. Das Spiel hat sich wieder etwas beruhigt. Luzern verteidigt geschickt, Basel dominiert zwar, kommt aber nicht mehr zu wirklich dicken Chancen.

62. Beinahe ein Eigentor von Cantaluppi. Der Luzerner Captain ballert am eigenen Tor vorbei.

59. Luzerns Bader mit einem Distanzschuss aus 30 Metern, Costanzo wieder unsicher.

59. Petric kommt für Derdiyok, mit furchteinflössender Gesichtsmaske.

58. Das Spiel bietet jetzt alles, was man von einem echten Cup-Fight erwartet. Nur die Tore fehlen...

54. Das Spiel wird härter, die Emotionen schlagen aus. Jetzt muss Petignat aufpassen, dass sie das Spiel nicht aus den Händen verliert. Tchouga und Majstorovic geraten sich in die Haare.

50. Auch vor Basels Tor brennts: Majostorovic lenkt per Kopf nur knapp übers eigene Tor.

48. Penaltyreife Szene im Luzerner Strafraum. Verteidiger Mettomo berührt den Ball mit der hand, kurz zuvor hatte aber bereits Derdiyok den Ball mit der Hand berührt. Im Grunde zwei Fehlentscheidungen von Ref Petignat.

47. Luzern mit der ersten Chance. Basel-Goalie Costanzo kommt aber vor Tchouga an den Ball, vereitelt damit einen Tor-Abschluss.

46. Weiter gehts, keine Wechsel bei beiden Teams.

45. Die erste Halbzeit des 82. Cupfinals ist vorbei. Ein interessantes, animiertes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Luzern startete mit einigen Überraschungsangriffen, wobei vor allem der Ex-Basler Tchouga für Tor-Gefahr vor dem etwas unsicher wirkenden Costanzo sorgte. Nach einer guten Viertelstunde übernahm der FCB das Kommando und erarbeitete sich auch mehrere dicke Chancen. Mann der ersten 45 Minuten war Luzern-Goalie David Zibung, der gleich mehrmals mirakulös abwehrte. Den neutralen Fans gefällts: Alles ist offen für die zweiten 45 Minuten.

38. Distanzschuss von Malick Ba, knapp am Luzerner Tor vorbei.

34. Gelbe Karte nach einem rüden Foul gegen Luzerns Diethelm.

34. Costanzo wieder mit einer Unsicherheit - ohne Folgen.

31. Eine halbe Stunde ist gespielt, Freistoss FC Basel. Wieder muss Zibung parieren - zweimal in extremis gegen Malick Ba.

29. Chipperfield sprintet um den Ball, Luzern-Goalie David Zibung ist aber einen Schritt schneller am Ball. Heisse Szene.

27. Chipperfield mit einer Direktabnahme aus 20 Metern - der ball fliegt aber weit über den kasten von Zibung. Der FCB kontrolliert nun aber das Geschehen.

24. Tchouga mit dem Versuch eines Fallrückziehers - es bleibt beim Versuch...

23. Basel wird stärker, Zibung muss erneut eingreifen.

19. Beste Chance des Tages für Basels Rakitic: Sein Knaller wird von Zibung mirakulös über die Latte gelenkt.

16. Tchouga wieder mit einem gefährlichen Abschluss, der Kameruner aber im Abseits. Fehlentscheidung, doch sein Schuss ging eh am Tor vorbei.

13. Luzern überrascht den FCB mit einer ziemlich offensiven Einstellung, die Basler kommen nun aber auch etwas besser ins Spiel.

10. Costanzo beinahe mit einem Dribbel-Flop - gerade nochmal gut gegangen.

9. Wieder kontert Luzern schnell, Thcouga schiesst aber erneut übers Tor. Basel läuft dem FCL bisher etwas ins Messer.

6. Luzern versteckt sich nicht, versucht ebenfalls, nach vorne Druck zu entwickeln.

4. Erster Abschlussversuch für Luzern: Tchouga schiesst aus 25 Metern übers Tor von Costanzo - keine Gefahr.

2. Der FCB mit der ersten grossen Chance: Chipperfield trifft den Ball aus spitzem Winkel nicht richtig.

Das Spiel beginnt: Kann der FC Luzern der Basler Übermacht trotzen?

Die Stimmung im ausverkauften Stade de Suisse ist wunderbar.

Um 15 Uhr gehts los - der Cupfinal wird wohl ziemlich verregnet werden.

(mat/si)

Stimmen zum Spiel

David Zibung (Torhüter von Luzern): «Logischerweise bin ich sehr, sehr enttäuscht. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und kassierten in der letzten Sekunde diesen Penalty. Es ist sehr bitter, aber wir haben es nun einfach zu akzeptieren.»

Ivan Rakitic (FCB): «Es war eine Riesenleistung von uns. Wir waren während 90 Minuten klar überlegen und haben sicher verdient gewonnen.»

Mauro Lustrinelli (Luzern): «Fünf Minuten vor dem 0:1 vergab ich leider die Chance zum Sieg. Ich traf den Ball nur mit der Spitze und Costanzo reagierte halt auch sehr gut.»

Nicole Petignat (Schiedsrichterin, die in der 91. einen Penalty gegen Luzern pfiff und Keeper David Zibung Rot): «Zibung hat Chipperfield berührt. Ich musste ihm die rote Karte zeigen und Penalty pfeifen. Zibung hat nur wegen des Platzverweises reklamiert. Aber der Entscheid war so, wie es im Reglement steht.»

Gigi Oeri (FCB-Präsidentin): «Dieser Cuptitel ist für mich kein Trostpreis. Er ist viel mehr wert, weil der Cup in der Schweiz eine grosse Bedeutung hat. Der Penalty war für mich ein ganz klares Foul. Und wir hätten gar schon vorher einen Handspenalty zugesprochen erhalten müssen. So habe ich es jedenfalls von der Tribüne aus gesehen. Kompliment auch an Daniel Majstorovic: Einen Foulpenalty in der Nachspielzeit eines Cupfinals schiessen zu müssen, ist keine einfache Sache.»

Walter Stierli (FCL-Präsident): «Es ist schon ärgerlich, den Cupfinal in letzter Minute durch einen Penalty verlieren zu müssen. Ich bekam in der Schlussphase ein immer besseres Gefühl, dass wir noch gewinnen könnten. So ist Fussball. Mauro Lustrinelli verpasst für uns den Siegestreffer und dann fällt er praktisch im Gegenzug nach einem Fehlpass des gleichen Spielers. Ich bin jedoch sehr stolz auf meine Mannschaft und unsere Fans. Sie alle haben jetzt ein würdiges Saisonabschluss-Fest verdient.»

Mladen Petric (FCB): «Dieser Titel ist ein verdienter Lohn für unsere Rückrunde. Wir haben die Meisterschaft nochmals spannend gemacht und jetzt diesen Titel geholt. Es ist kein Trostpreis für mich, sondern die verdiente Belohnung.»

Daniel Majstorovic (FCB und Siegtorschütze): «Diesen Penalty verwerten zu können, war für mich das schönste Gefühl meiner bisherigen Karriere. Wir haben die ganze Saison hart auf die beiden Titel hingearbeitet, beide konnten wir ganz einfach nicht verpassen.»

Scott Chipperfield (FCB): «Für mich war es ein klarer Penalty, ich war durch und spürte plötzlich eine Berührung am Fuss. Ich weiss aber nicht von wem. Der Titel ist eine grosse Genugtuung nach dem Verpassen des Meistertitels um lediglich einen Punkt.»

Ivan Ergic (FCB-Captain): «Wir hatten lange mehr vom Spiel und glaube ich auch mehr Torchancen. Luzern machte es uns aber nicht leicht und die Verlängerung wäre wohl sehr heikel geworden. Ob es Penalty war oder nicht, kann ich nicht sagen. Die Luzerner Spieler haben aber kaum reklamiert.»

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