«Borders»-Video: 1:0 für M.I.A.
Aktualisiert

«Borders»-Video1:0 für M.I.A.

Die Sängerin provoziert einmal mehr mit ihren politischen Statements. Und einem Trikot. Jetzt droht ihr eine Klage deswegen. Wir finden, das ist gut so.

von
liv

M.I.A. sorgt mit ihrem neuen Video «Borders» für viel Aufregung. Bei ihren Fans vor Freude, bei dem Fussballclub Paris St. Germain (PSG) vor Ärger. Die Sängerin, die mit ihrem Song die Missstände der Flüchtlingssituation anspricht, trägt im Video das Trikot des französischen Clubs. Doch statt des Sponsor-Logos «Fly Emirates» ziert der Spruch «Fly Pirates» das Leibchen.

Die arabischen Club-Investoren waren entsetzt. Die PSG-Anwälte forderten die Sängerin auf, das Video innerhalb von 24 Stunden zu entfernen und drohen ansonsten mit einer Klage. Sie habe sich den «ansehnlichen Ruf des Clubs zunutze gemacht» und einen «Image-Schaden» angerichtet. Doch Maya Arulpragasam wäre nicht M.I.A., würde sie sich dem kampflos ergeben. Sie veröffentlicht das offizielle Schreiben auf Twitter und bekommt Unterstützung ihrer Fans.

Die Künstlerin aus London erklärt auf Instagram, wie das Trikot in ihr Video kam. «Ich kaufte dieses Shirt während meines Anschlussfluges in Katar auf dem Weg zum Shooting. Sie [der Club] haben Spieler, die Migranten in der zweiten Generation sind. Was denkt ihr soll ich tun?»

Nichts soll sie tun! Sie hat sich schon 2012 nichts sagen lassen, als sie 167 Millionen Zuschauern bei Madonnas Super-Bowl-Auftritt den Finger zeigte. Die Klage der National Football League über 16,6 Millionen US-Dollar hat ihrer Karriere genauso wenig geschadet, wie es ihrem Image als Rebellin half. Wir brauchen Vorbilder, die sich den Mund nicht verbieten lassen.

Mit «Borders» solidarisiert sich M.I.A. mit den Flüchtlingen, die aktuell in Europa Zuflucht suchen. M.I.A. weiss, wofür sie einsteht. Sie selbst ist im Kindesalter vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflüchtet. Das Engagement würde bei vielen Künstlern nach marketingtechnisch geschickten Promo-Solidarisierungen aufhören. M.I.A. aber geht einen Schritt weiter.

Die Sängerin streckt einmal mehr den Mittelfinger. Symbolisch zeigt er in Katars Richtung. Das Land, das den Pariser Fussballclub finanziell unterstützt, den Arbeitern, die die Stadien für die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 bauen, aber keine menschenwürdigen Arbeitsbedingungen bietet und bis zu 4000 Tote bis 2022 riskiert. Das Land, das es den aktuellen Flüchtlingen dermassen schwer macht, Schutz darin zu finden.

M.I.A.s clevere Provokationen sind nicht einfach gratis Promo für die Künstlerin. Sie sind ihre Überzeugung, die sie dank ihres Status mutig in die Welt hinaustragen kann. Es braucht mehr solcher Menschen! Menschen, die lächerliche Klagen wegen eines Trikots riskieren, um einen Punkt zu machen. Punkt.