Hoffnung auf Leben: 1,5 Milliarden Jahre altes Wasser entdeckt

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Hoffnung auf Leben1,5 Milliarden Jahre altes Wasser entdeckt

In Kanada sind Forscher auf Wasser gestossen, das seit über einer Milliarde Jahre im Gestein eingeschlossen war. Darin gelöste Gase deuten sie als Hinweis auf mögliches Leben im Ur-Wasser.

von
jcg
Das Ur-Wasser fliesst aus einem Bohrloch tief in einer Mine. (Bild: J. Teller)

Das Ur-Wasser fliesst aus einem Bohrloch tief in einer Mine. (Bild: J. Teller)

Tief in einer Sulfidmine in der Region Timmins, in der kanadischen Provinz Ontario, ist einem kanadisch-britischen Team eine sensationelle Entdeckung gelungen. Aus einem Bohrloch in 2,4 Kilometern Tiefe fliesst dort Wasser aus der Erdfrühzeit. Mittels einer neuartigen Methode konnten die Forscher das Alter des Wassers auf 1,5 Milliarden bis knapp 2,7 Milliarden Jahre datieren. Es sei reich an Spuren seltener Gase, wie sie für die Entwicklung von Mikroben notwendig seien, berichteten sie in einer am Mittwoch im Fachmagazin «Nature» veröffentlichten Studie.

Genau dank dieser gelösten Gase wie Wasserstoff, Methan und Isotopen von Edelgasen wie Helium, Neon, Argon und Xenon könnten sich im Wasser über die Äonen einfachste Lebensformen erhalten haben, glaubt das Team um Chris Ballentine von der britischen University of Manchester. Die Forscher sind zurzeit daran, Proben auf mögliches Leben zu untersuchen. Dass unter solchen Voraussetzungen Leben ohne jegliches Licht möglich ist, zeigen Mikrobenfunde in den seit Jahrmillionen stockdunklen Tiefen der Ozeane sowie in südafrikanischen Gesteinsformationen.

«Es gibt ähnliche Reservoirs in Südafrika, die dutzende Millionen Jahre altes Wasser enthalten, und darin leben Mikroben, die sich dieser Umwelt angepasst haben», erklärte Ballentine der BBC. «Diese Mikroben leben von der Energie, die bei der natürlichen Interaktion des Wassers mit dem Gestein entsteht.»

Leben auf dem Mars?

Zwar ist noch unklar, ob das unterirdische Wassersystem in Kanada tatsächlich Leben beherbergt. «Doch was wir schon jetzt mit Sicherheit sagen können, ist, dass wir einen Weg entdeckt haben, wie Planeten ein Umfeld für Kleinstlebewesen schaffen und über Milliarden von Jahren erhalten können», erklärte Ko-Autor Greg Holland von der Universität von Leicester. Dies wecke die Hoffnung auf ähnliche Entdeckungen unter der Marsoberfläche, «unabhängig davon, wie unwirtlich die Oberfläche sein mag». (jcg/sda)

Vor der Entstehung von Tieren und Pflanzen

Die Forscher entdeckten das Urwasser in einem Gebiet, das im sogenannten Kanadischen oder Präkambrischen Schild liegt, einer der ältesten geologischen Formationen der Erde. Das Gestein stammt aus einer Zeit, als lediglich einfachste einzellige Lebensformen auf unserem Planeten existierten. Komplexere Lebensformen entstanden erst viel später mit dem Beginn des Kambriums vor etwa 540 Millionen Jahren, das den langsamen Übergang zu erstem pflanzlichen und tierischem Leben markierte.

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