Zürich: 1,6 Millionen für schöne Frauen veruntreut
Aktualisiert

Zürich1,6 Millionen für schöne Frauen veruntreut

Ein spröder Rechtsanwalt suchte sein Glück bei schönen Russinnen im aufregenden Nachtklub-Leben. Mit desaströsen Folgen. Der Jurist hat nun in Zürich eine Freiheitsstrafe von 33 Monaten kassiert.

von
Attila Szenogrady

Der heute 53-jährige Rechtsanwalt galt lange Zeit als seriöser Biedermann. Er machte in den achtziger Jahren Karriere bei der Crédit Suisse und führte mit seiner ersten Frau ein Familienleben aus dem Bilderbuch. Bis er Mitte der neunziger Jahre aus seiner Welt plötzlich ausbrach. Waren es alleine die attraktiven russischen Tänzerinnen, die dem Juristen den Kopf verdrehten? Fest steht, dass sich der Mann von seiner Familie und der CS trennte und in das feuchtfröhliche Nachtklub-Leben mit den verführerischen Olgas, Victorias und Irinas einstieg.

Bekannte, Firmen und Geschäftspartner hinters Licht geführt

Eines hatte der Spätzünder aber unterschätzt. Champagner, Luxuskarossen und körperliche Zuwendungen kosteten Geld. Viel Geld. So kam es soweit, dass der Anwalt irgendwann an seine finanziellen Grenzen stiess und möglichst schnell zu mehr Geld kommen musste.

Die Anklageschrift berichtete, wie sich der Ostschweizer in den Nuller-Jahren auf kriminelle Methoden verlegt. So versprach er Bekannten, Firmen und Geschäftspartnern gewinnbringende Investitionen und erlangte damit über 1,6 Millionen Franken. Gelder, die er nicht anlegte, sondern verjubelte.

Gelder nach Russland gerettet

Zu den Opfern gehörten auch die Thurgauer Eheleute einer Bäckerei. Sie hatten mit rund 550 000 Franken ihre gesamte Altersvorsorge für immer an ihren vermeintlich vertrauenswürdigen Freund und Rechtsberater verloren.

Als die misstrauisch gewordenen Gläubiger auf der Matte des Millionenpleitiers standen, rettete er, was er retten konnte. So verschickte er per Western Union diverse Geldbeträge für rund 100 000 Franken an zahlreiche Frauen in Russland und in der Ukraine.

Dreieinhalb Jahre verlangt

Am Mittwoch stand er Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich und erklärte, dass er die Gelder tatsächlich investiert, aber unglücklicherweise verloren habe. Seine Anwältin fügte hinzu, dass ihr Mandant zu optimistisch gewesen sei und höchstens mit zwei Jahren Freiheitsentzug auf Bewährung zu bestrafen sei.

Der Staatsanwalt sah es anders und forderte für das «schwarze Schaf» der Anwaltszunft eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Es sei dem Beschuldigten nur um Luxus und Bequemlichkeit gegangen, plädierte der Ankläger und führte aus, dass der Mann als Anwalt ein erhöhtes Vertrauen genossen habe.

Zwölf Monate absitzen

Das Gericht kam zu einem vollen Schuldspruch wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung und weiteren Wirtschaftsdelikten. Es setzte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 33 Monaten fest. Zwölf Monate davon soll der Anwalt absitzen. Der Angeklagte habe das in ihm gesetzte Vertrauen aus rein finanziellen Motiven schamlos ausgenützt, sagte der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli zum Schluss. Ob der verurteilte Jurist sein Patent behalten darf, war am Mittwoch noch unklar. Er kann jedenfalls Berufung gegen den Entscheid einlegen.

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