Franken schwächelt: 1 Dollar kostet 1 Franken – jetzt heben die Läden die Preise zusätzlich an
Publiziert

Franken schwächelt1 Dollar kostet 1 Franken – jetzt heben die Läden die Preise zusätzlich an

Alles wird teurer, jetzt ist der US-Dollar auch noch gleich viel wert wie die Schweizer Währung. Konnte man vorher von günstigen Produkten aus dem Ausland profitieren, kosten diese bald mehr.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Für Produkte aus dem Ausland musst du nun mehr bezahlen.

Für Produkte aus dem Ausland musst du nun mehr bezahlen.

20min/Michael Scherrer
Denn der Schweizer Franken verliert an Wert.

Denn der Schweizer Franken verliert an Wert.

20min/Stevan Bukvic
Der Dollar steigt dafür stark.

Der Dollar steigt dafür stark.

20min/Tobias Bolzern

Darum gehts

  • Der Dollar ist erstmals seit langem wieder auf dem gleichen Wert wie der Franken.

  • Während der Dollar weiter steigt, ist der Franken überbewertet.

  • Händler werden die Preiserhöhungen wohl schnell an die Kundschaft weitergeben.

Der Druck auf den Schweizer Franken steigt. Zum ersten Mal seit fast zweieinhalb Jahren ist der US-Dollar gleich viel wert wie der Franken. Damit legte die US-Währung im Vergleich zum Franken seit dem Tiefststand im Januar 2021 um 14 Prozent zu.

Der Franken gilt in Krisenzeiten wie dem Ukraine-Krieg als sicherer Hafen und müsste zulegen. Allerdings sei die Währung selbst jetzt noch um rund zehn Prozent zum Dollar überbewertet, zum schwachen Euro gar um 50 Prozent, sagt Mark Astley, Co-CEO von Millennium Global Investments, zu 20 Minuten.

Denn die Schweizerische Nationalbank hält den Leitzins tief im Minus, während die US-Notenbank FED den Zins so stark anhebt wie seit 22 Jahren nicht mehr. Damit will die FED die extreme Preisteuerung in den USA um jeden Preis bekämpfen, wie Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, zu 20 Minuten sagt.

Zinsvorteil des Dollars zum Franken steigt

So steigt der Zinsvorteil des Dollars. Für Anleger sind Investitionen in den USA deutlich attraktiver, weil es dort Zinsen gibt, in der Schweiz aber Minuszinsen, so Junius. Dazu komme, dass die USA viel weniger stark von den wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs getroffen werden als Europa.

Deshalb wird der Dollar im Vergleich zum Franken noch stärker werden, wie der Sarasin-Experte sagt. Auch der Euro könnte in den nächsten Wochen noch zulegen, weil auch die EU-Notenbanker eine Leitzins-Erhöhung ankündigten. Die SNB hingegen schweigt und wird laut Junius wohl erst im Herbst nachlegen.

Konnte man vorher von günstigen Produkten aus dem Ausland profitieren, werden diese nun wegen des schwachen Frankens teurer. Die Inflation dürfte laut Junius von 2,5 Prozent auf bis zu drei Prozent steigen.

Beeinträchtigter Wettbewerb

Die Inflation wirkt sich auf zwei Arten auf die Währung aus, wie Mark Astley von Millennium Global Investments sagt. Eine höhere Inflation in Land A gegenüber Land B beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit von Land A, da sie die Handelsbedingungen verschlechtert. Zudem sorgen steigende Zinssätze und Anleiherendite mit einer straffen Geldpolitik von Land A im Vergleich zu Land B für eine Kurssteigerung der Währung.

Bei der US-Kult-Töff-Marke Harley-Davidson heisst es auf Anfrage, dass es wegen Dollar-Schwankungen grundsätzlich nicht zu Preisanpassungen kommt. Bei Digitec Galaxus rechnet man aber mit punktuellen Preisanpassungen, sollte der Dollar über längere Zeit stark bleiben.

Es gebe aber nur einen kleinen Anteil im Sortiment mit Produkten, die Digitec Galaxus oder die Zulieferer in US-Dollar bezahlen. Zudem sei die Kundschaft für einige Wochen vor Preiserhöhungen sicher. Die Lagerbestände der Firma reichten im Schnitt für gut einen Monat.

Auch Steg-Electronics-Geschäftsführer Malte Polzin rechnet mit minimalen Preissteigerungen auf tiefem Niveau. Eine stärkere Preissteigerung sei wegen der Lieferprobleme in China zu erwarten. «Daher ist jetzt ein guter Moment, gut verfügbare Produkte zu kaufen. Sie werden im Zweifel nur teurer», so Polzin.

Die Situation sei wegen beeinträchtigter Lieferketten und hoher Transportkosten komplex, sagt ein Sprecher von Brack zu 20 Minuten. Teurer werden könnten vor allem Produkte mit niedriger Marge, die nicht auf Lager sind und häufig in Fernost nachbestellt werden. Wie viel teurer, lasse sich aber nicht pauschal sagen.

Preisvergleich wird schwerer

Eine schnelle Preisanpassung wegen des starken Dollars erwartet E-Business-Professor Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Da viele Artikel wegen Engpässen durch Lieferkettenprobleme und Rohstoffmangel ohnehin knapp sind, sei für die Händler die Warenverfügbarkeit Trumpf. Deshalb gebe es für sie kaum einen Grund für tiefe Preise, sagt Wölfle zu 20 Minuten.

Für Konsumentinnen und Konsumenten sei es nicht mehr selbstverständlich, einen gewünschten Artikel bei mehreren Anbietern schnell beziehen zu können. Ein Preisvergleich sei nicht immer möglich. «Wer sparen möchte, sollte beim Modell flexibel sein und nach Möglichkeit eines auswählen, für das überhaupt ein Preiswettbewerb stattfindet», so Wölfle.

Deine Meinung

200 Kommentare