Aktualisiert 07.06.2019 11:37

Klassenlose S-Bahn«1.-Klasse-Pendler würden aufs Auto umsteigen»

Der Zürcher Verkehrsverbund prüft eine klassenlose S-Bahn. Ein Experte sagt, damit riskiere man den Verlust wichtiger ÖV-Kunden.

von
ehs
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Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) prüft zurzeit, ob eine S-Bahn, die nur eine Klasse hätte, wirtschaftlich effizienter betrieben werden könnte.

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) prüft zurzeit, ob eine S-Bahn, die nur eine Klasse hätte, wirtschaftlich effizienter betrieben werden könnte.

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Im Rahmen künftiger Strategien werde entschieden, wie das Sitzplatzangebot künftig ausgestaltet werden soll, heisst es in einer Antwort des Zürcher Regierungsrats auf eine entsprechende Anfrage.

Im Rahmen künftiger Strategien werde entschieden, wie das Sitzplatzangebot künftig ausgestaltet werden soll, heisst es in einer Antwort des Zürcher Regierungsrats auf eine entsprechende Anfrage.

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Die Überlegungen sind für die ganze Schweiz relevant. Die Passagierzahlen nehmen zu. Oft dauert es lange, bis Pendler ein- und ausgestiegen sind, einige stehen am Perron falsch.

Die Überlegungen sind für die ganze Schweiz relevant. Die Passagierzahlen nehmen zu. Oft dauert es lange, bis Pendler ein- und ausgestiegen sind, einige stehen am Perron falsch.

Denis Linine

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) muss für einen Ausbau ab 2030 neue Züge beschaffen. Ausgehend von einem Auftrag des Kantonsrats prüft er nun, ob eine S-Bahn ohne Klassen wirtschaftlich effizienter wäre. Ein Verkehrsexperte erklärt, warum das keinen Sinn ergibt.

Herr Steinegger, was halten Sie von der Idee einer klassenlosen S-Bahn?

Das geht am Bedürfnis der Kunden vorbei. Es gibt eine Gruppe von Leuten, die mehr Platz im Zug möchte und auch eine entsprechende Zahlungsbereitschaft hat. Diese nicht zu bedienen, halte ich nicht für sinnvoll.

Würden die 1.-Klasse-Passagiere aufs Auto wechseln?

Ein solcher Entscheid hätte sicher eine Wirkung. Wer sich ein 1.-Klasse-GA leisten kann, der hat auch die Mittel für ein Auto und nimmt aus Gründen der Bequemlichkeit oder vielleicht auch der Umwelt zuliebe den Zug. Wird das Pendeln umständlicher, könnten sich diese Pendler umentscheiden.

In anderen Grossstädten gibt es U-Bahnen und S-Bahnen, die ebenfalls keine 1. Klasse haben. Wieso ist die Schweiz anders?

Das stimmt, und auf kurzen, U-Bahn-ähnlichen Strecken etwa rund um die Stadt Zürich wäre ein solches System denkbar. Man würde damit aber Inseln schaffen.

Wie meinen Sie das?

Wer etwa von Bern nach Uster pendelt und ein 1.-Klasse-GA hat, würde dieses nur bis Zürich nutzen können und müsste dann in die 2. Klasse wechseln. Dabei bezahlt er gutes Geld für sein 1.-Klasse-GA. Zudem darf man auch nicht nur die Stosszeiten im Blick haben. Es gibt Leute, die zeitlich intelligenter unterwegs sind. In diesen Nebenzeiten hat es auch in der Zürcher S-Bahn genug Platz.

Rolf Steinegger

Der Verkehrsexperte Rolf Steinegger forscht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

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