Aktualisiert 19.10.2017 16:17

Empörung über Bundesrat

1 Mrd für Olympia – aber kein Geld für junge Väter?

Kein Vaterschaftsurlaub, dafür eine Milliarde Franken für Olympia: Der Bundesrat sorgt mit seiner Prioritätensetzung für Kritik im Netz.

von
Silvana Schreier
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Der Bundesrat empfiehlt die Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» zur Ablehnung.

Der Bundesrat empfiehlt die Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» zur Ablehnung.

Keystone/Gaetan Bally
Die Initiative sieht einen Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen vor.

Die Initiative sieht einen Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen vor.

Keystone/Thomas Delley
Am 4. Juli wurden die Unterschriften eingereicht.

Am 4. Juli wurden die Unterschriften eingereicht.

Keystone/Thomas Delley

Der Bundesrat hat entschieden: Er empfiehlt die Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» zur Ablehnung. Gleichentags genehmigt der Bundesrat knapp eine Milliarde Franken für die Olympischen Winterspiele in Sitten im Jahr 2026. In den sozialen Medien ist die Empörung über die Entscheide gross:

Auf Twitter überlegen sich die User, wo Geld eingespart werden könnte, um bezahlte Urlaubstage für frischgebackene Väter möglich zu machen:

Für den SP-Nationalrat Cédric Wermuth kommt der negative Entscheid des Bundesrats nicht überraschend. Gleichwohl sei er empört: «Das ist ein Schlag ins Gesicht aller junger Mütter und Väter. Ich habe kein Verständnis für den Entscheid.»

«Volk hat Olympia immer abgelehnt»

Die Begründung des Bundesrats, die Kosten würden die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft beeinträchtigen, lässt Wermuth nicht gelten. «Das ist ein fadenscheiniges Argument», sagt der SPler. Zumal noch in derselben Sitzung eine Milliarde Franken für die Olympischen Winterspiele «Sion 2026» gesprochen worden seien. Wermuth: «Und das, obwohl das Schweizer Volk eine Teilnahme in letzter Zeit immer abgelehnt hatte.»

Mit der Ablehnung der Initiative zum Vaterschaftsurlaub gehe der Bundesrat weit an der Realität vorbei. «Anscheinend kann er sich nicht vorstellen, wie das Leben einer jungen Familie aussieht und was der Entscheid nun für sie bedeutet», sagt Wermuth, der selbst Vater ist.

Flexiblerer Mutterschaftsurlaub statt Urlaub für Väter

Christian Wasserfallen hält dagegen: «Ich begrüsse den Entscheid des Bundesrats. Diese Volksinitiative funktioniert so nicht», sagt der FDP-Nationalrat. Wichtige Aspekte würden nicht angesprochen: Es gäbe auch die Möglichkeit über Ferienbezüge oder unbezahlte Ferien den Vaterschaftsurlaub zu organisieren. Oft würden dies die Arbeitgeber auch unterstützen. Weiter könne der Mutterschaftsurlaub flexibler gestaltet werden, sodass er beispielsweise auch der Vater zwei Wochen davon erhält.

Dass in den sozialen Medien nun ein Zusammenhang zwischen dem Vaterschaftsurlaub und «Sion 2026» hergestellt würde, kann Wasserfallen nicht nachvollziehen: «Das hat nichts miteinander zu tun.» Er befürworte es, dass die Olympischen Winterspiele in der Schweiz ausgetragen werden. «Denn einzig hier können sie auf eine sinnvolle und nachhaltige Art und Weise durchgeführt werden, da die Infrastrukturen bereits vorhanden sind», so Wasserfallen. Darum sei es eine vernünftige Kandidatur.

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