Florida kämpft: 10'000 Fälle pro Tag - aber Gouverneur «will nichts schliessen»
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Florida kämpft10'000 Fälle pro Tag - aber Gouverneur «will nichts schliessen»

In den USA ist keine Abflachung der Corona-Krise in absehbarer Zeit zu erwarten. Im Hinblick auf das 4.Juli-Wochenende haben einige Staaten strengere Sicherheitsmassnahmen beschlossen.

von
Bianca Lüthy
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Die USA haben schwer mit der Corona-Krise zu kämpfen. (Hier im Bild der Gouverneur Floridas Ron DeSantis, der zu seiner Strategie im Kampf gegen das Virus sagt: «Wir kehren nicht um, werden nichts schliessen.»)

Die USA haben schwer mit der Corona-Krise zu kämpfen. (Hier im Bild der Gouverneur Floridas Ron DeSantis, der zu seiner Strategie im Kampf gegen das Virus sagt: «Wir kehren nicht um, werden nichts schliessen.»)

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Innert eines Tages verzeichneten die USA mehr als 50’000 Neuinfektionen.

Innert eines Tages verzeichneten die USA mehr als 50’000 Neuinfektionen.

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Vize-Präsident Mike Pence leitet die Corona-Arbeitsgruppe des Weissen Hauses.

Vize-Präsident Mike Pence leitet die Corona-Arbeitsgruppe des Weissen Hauses.

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Darum gehts

  • Die USA sind mitten im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht.
  • Einige Bundesstaaten haben im Hinblick auf den Feiertag des 4. Juli neue Schutzmassnahmen erlassen.
  • Auch der traditionell republikanische Staat Texas hat nun eine Maskenpflicht ausgesprochen.

In der Corona-Pandemie ist in den USA keine Entspannung abzusehen. Angesichts eines Rekords von mehr als 50’000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages versuchten Mitglieder der Corona-Arbeitsgruppe im Weissen Haus am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Besuch im stark betroffenen Bundesstaat Florida zu beschwichtigen. «Wir sind buchstäblich in einer viel besseren Situation als noch vor zwei Monaten», sagte Vizepräsident Mike Pence und verwies auf die Vielzahl an Tests und Ansätzen zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sah sich angesichts des Infektionsgeschehens zu einer Kehrtwende gezwungen und ordnete eine weitreichende Maskenpflicht an.

Pence will in Florida Optimismus verbreiten

Pence, der die Corona-Arbeitsgruppe des Weissen Hauses leitet, setzte am Donnerstag in Florida seine Reisen in derzeit besonders betroffene Bundesstaaten im Süden des Landes fort. Zuvor war er schon in Texas und Arizona. Am Tag seines Besuchs überschritt die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen innerhalb eines Tages dort die Marke von 10’000 – ein Allzeithoch. Pence war bemüht, Optimismus zu verbreiten: Er wolle, dass die Menschen wachsam seien, aber er wolle sie auch bestärken. Florida habe alles, was es brauche, um diesem Moment zu begegnen.

Floridas Gouverneur liess Corona-Statistik frisieren

Der US-Bundesstaat Florida hat bereits 160’000 Infektionen und 3550 Todesopfer zu verzeichnen. Täglich kommen Tausend Fälle hinzu, so viele wie sonst in keinem anderen Bundesstaat, wie der «Spiegel» schreibt. Am Donnerstag wurden sogar über 10’000 neue Fälle registriert - so viele wie noch nie an einem Tag.

Dennoch will Florida keine strengeren Regeln einführen. «Wir kehren nicht um, werden nichts schliessen», sagt der Gouverneur Floridas Ron DeSantis. Solche Aussagen stehen beim Republikaner an der Tagesordnung. Bereits in seinem Wahlkampf wurde er wegen seiner einfältigen Aussagen oftmals mit Trump verglichen. Die Bewältigung der Corona-Krise nimmt er auf die lockere Schulter. So lässt DeSantis erst seit einer Woche die Zahl der Krankenhauseinlieferungen seines Staats veröffentlichen.

Rebekah Jones, die eine staatliche Corona-Datenbank für Florida geschaffen hat, sagt, sie sei genötigt worden, die Statistiken zu frisieren. Als sie sich weigerte, wurde sie gefeuert.

Überraschende Kehrtwende in Texas

In Texas vollzog Gouverneur Greg Abbott angesichts des dramatischen Anstiegs der Neuinfektionen eine Kehrtwende. Der Republikaner ordnete am Donnerstag eine Maskenpflicht für alle Bezirke mit 20 oder mehr Corona-Fällen an. Damit könne die Ausbreitung des Virus nicht nur verlangsamt, sondern auch die Wirtschaft am Laufen gehalten werden, erklärte Abbott. Er folgte damit der Linie von mehr als einem Dutzend Bundesstaaten. Der Schritt war dennoch bemerkenswert. Abbott hatte im Juni noch gesagt: «Die Regierung kann nicht vorschreiben, dass Einzelpersonen Gesichtsmasken tragen müssen.»

Der ungebrochene Widerstand Trumps

Der Widerstand von US-Präsident Donald Trump gegen die Schutzmaske scheint dagegen ungebrochen. Anders als viele andere Politiker zeigt er sich nicht mit Maske in der Öffentlichkeit und begründet dies immer wieder damit, dass er und die Leute um ihn herum stets auf das Virus getestet würden. Erst am Mittwoch äusserte sich der Republikaner skeptisch über eine landesweite Maskenpflicht.

Trump soll sich am Freitag auf den Weg nach South Dakota machen, wo er am Abend (Ortszeit/Samstag MESZ) am berühmten Präsidenten-Denkmal von Mount Rushmore an den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag inklusive umstrittenen Feuerwerk teilnimmt. Gouverneurin Kristi Noem hatte die Menschen zum Kommen aufgerufen und gesagt, dass Masken verteilt würden, aber nicht verpflichtend seien. In anderen Bundesstaaten wie Kalifornien wurden vor dem langen Feiertagswochenende Restriktionen verhängt, um Menschenansammlungen zu verhindern.

Wachsender Druck aus Wirtschaft

Führende Wirtschaftsvertreter appellierten an das Weisse Haus, es müsse in Zusammenarbeit mit den Gouverneuren Regelungen für das verpflichtende Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ausarbeiten. Die vergangenen Wochen hätten bewiesen, dass auf Freiwilligkeit basierende Richtlinien nicht ausreichten, um die Gesundheit der Menschen zu schützen, hiess es in einem offenen Brief, der unter anderem vom Vorstandsvorsitzenden der US-Handelskammer unterzeichnet wurde. Ohne stärkere Massnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung drohe Amerika eine «weitere Runde an Shutdowns, weitreichenden Beschränkungen für nicht essenzielle Betriebe und irreparablen wirtschaftlichen Schaden».

Gute Nachrichten – aber neues Unheil droht

Die Wirtschaft des Landes, die empfindlich von der Pandemie getroffen wurde, ist Trump wenige Monate vor der Wahl im November ein wichtiges Anliegen. Am Donnerstag bejubelte er im Weissen Haus die rasche Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt, die «alle Erwartungen übertroffen» habe. Die am Donnerstag veröffentlichte Arbeitslosenquote fiel stärker als erwartet von 13,3 Prozent im Mai auf 11,1 Prozent im Juni. Fast fünf Millionen Amerikaner haben im Juni wieder Arbeit gefunden. Doch die positiven Nachrichten sind mit Vorsicht zu geniessen – denn wegen der Zuspitzung der Lage im Süden des Landes droht neues Unheil. Die Arbeitslosenquote für Juni beruhte auf Daten, die nur die Situation bis zur Mitte des Monats abbildeten. Mögliche Auswirkungen der jüngsten Zuspitzung spiegelten sich darin deshalb noch nicht wider.

2,7 Millionen US-Amerikaner infiziert

Nach Berechnung von US-Medien haben mindestens 20 Staaten infolge der rapide steigenden Infektionszahlen die phasenweise Wiedereröffnung der Wirtschaft gebremst, pausiert oder Lockerungen gar zurückgenommen. Insgesamt wurden in den USA seit Beginn der Pandemie mehr als 2,7 Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen, wie aus Daten der Universität Johns Hopkins hervorgeht. Fast 130’000 Menschen starben nach einer Erkrankung mit Covid-19.

«Mehr Tests, mehr Fälle»

Trump führt hohe Corona-Zahlen auf Ausweitung der Tests zurück

Präsident Donald Trump hat den rasanten Anstieg der Corona-Fallzahlen in den USA erneut damit begründet, dass in dem Land weitaus mehr auf das Virus getestet werde.

«Es gibt eine Zunahme der Coronavirus-Fälle, weil unser Testverhalten so massiv und so gut ist, viel grösser und besser als in jedem anderen Land», schrieb er am späten Donnerstagabend auf Twitter. Dies seien grossartige Neuigkeiten. Ausserdem sei die Sterblichkeitsrate zurückgegangen, und jüngere Menschen erholten sich viel leichter und schneller. Kritiker werfen Trump hingegen vor, das Infektionsgeschehen herunterspielen zu wollen. Sie verwiesen auf eine steigende Zahl von Krankenhauseinweisungen. Sie machen ausserdem geltend, dass bei einer Ausweitung der Tests die Anzahl der positiven Resultate zurückgehen oder zumindest gleichbleiben müsste, wenn Trumps These stimmen sollte. Auch renommierte Experten weisen Trumps Begründung zurück und machen vorrangig die Lockerung von Corona-Beschränkungen für den Anstieg verantwortlich.

(SDA)

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