Aktualisiert 03.08.2006 14:56

10 000 Israeli säubern den Südlibanon

Um Raketenangriffe aus dem Süden Libanons zu verhindern, sollen israelische Bodentruppen einen 30 Kilometer breiten Landstrich radikal räumen. Die Einrichtung der Pufferzone gestaltet sich schwierig. Die Hisbollah wehrt sich erbittert.

Israelische Truppen gingen heute im Bereich von elf Grenzorten in Stellung. Dabei stiessen sie aber weiter auf erbitterten Widerstand der schiitischen Hisbollah-Miliz, ein Soldat wurde getötet. Bei der Bombardierung des libanesischen Dorfes Taibeh kam über Nacht eine dreiköpfige Familie ums Leben. Luftangriffe gab es auch wieder auf die Hauptstadt Beirut sowie auf Gebiete an der libanesisch-syrischen Grenze.

Israel hat inzwischen rund 10 000 Soldaten an der Grenze zum Libanon stationiert, die aber nur sehr langsam vorankommen. Nach Militärangaben ist ein methodisches Vordringen beabsichtigt, um sämtliche Widerstandsnester der Hisbollah auszuschalten. Ziel sei eine Pufferzone bis zum Litani-Fluss, 30 Kilometer nördlich der Grenze. Vorerst aber solle die Hisbollah aus einem sieben Kilometer breiten Abschnitt vertrieben werden.

Die israelischen Streitkräfte gestanden unterdessen Fehler bei der Bombardierung des Grenzdorfes Kana ein. Man habe nicht gewusst, dass sich Zivilpersonen in dem angegriffenen Gebäude befunden hätten, heisst es in einem Untersuchungsbericht. Zugleich wird der Hisbollah darin vorgeworfen, Zivilpersonen als Schutzschilde zu benutzen.

In Kana wurden am Sonntag nach libanesischen Angaben 56 Menschen getötet, überwiegend Kinder. Die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte am Mittwoch allerdings, bislang seien nur 28 Leichen geborgen worden, weitere 13 Menschen würden noch vermisst. Insgesamt haben die Kämpfe laut dem Beiruter Ministerpräsidenten Faud Saniora schon mehr als 900 Libanesen das Leben gekostet, 3.000 weitere seien verletzt worden. Israel meldete bis Donnerstag 56 Tote.

Zur Beilegung des Konflikts planen die USA und Frankreich nach UN-Angaben gleich zwei Sicherheitsratsresolutionen. Die erste fordert ein Ende der Kämpfe und schafft die grundsätzlichen politischen Voraussetzungen für einen Waffenstillstand, wie am Mittwochabend in New York verlautete. Die zweite Entschliessung befasst sich demnach mit der Stationierung einer internationalen Friedenstruppe, der Sicherung der Grenze und anderen langfristigen Aspekten.

Eine Einigung stand weiterhin aus. Der französische Aussenminister Philippe Douste-Blazy erklärte jedoch, man komme im Einklang mit den USA gut voran. Syrien versicherte dem in Damaskus weilenden spanischen Aussenminister Miguel Angel Moratinos, man sei bereit, Einfluss auf die Hisbollah auszuüben, wenn dafür die politischen und militärischen Voraussetzungen gegeben seien.

Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) forderte auf einem Krisengipfel in Malaysia einen sofortigen Waffenstillstand im Libanon. Die Vertreter von 17 der 56 Mitgliedstaaten sprachen sich zudem für die Stationierung einer internationalen Friedenstruppe mit UN-Mandat an der israelisch-libanesischen Grenze aus. Dabei müssten die islamischen Länder eine aktivere Rolle spielen als bisher, betonte der malaysische Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi.

Panzer im Gazastreifen

Rund 50 israelische Panzer drangen in der Nacht zum Donnerstag erneut in den südlichen Gazastreifen ein. Bei Kämpfen nahe der Stadt Rafah kamen nach palästinensischen Angaben mindestens acht Palästinenser ums Leben, darunter vier Extremisten sowie ein achtjähriger Junge. Mindestens 26 Menschen wurden verletzt, darunter ein vierjähriges Mädchen, wie aus Krankenhäusern verlautete. Die Panzer bezogen kurz vor Morgengrauen Stellung nahe des lange geschlossenen Gaza-Flughafens unweit der ägyptischen Grenze. (dapd)

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