Aktualisiert

10 000 Menschen landen unfreiwillig in der Psychi

In der Schweiz werden ein Drittel aller Einweisungen in eine psychiatrische Klink gegen den Willen der Betroffen vollzogen.

Das entspricht einem Drittel aller Einweisungen, wie das Gesundheitsobservatorium bekannt gab. Jede fünfte Einweisung erfolgt zwangsweise über den Fürsorgerischen Freiheitsentzug.

Erstmals hat eine Studie für die ganze Schweiz Zwangseinweisungen und unfreiwillige Eintritte in stationäre psychiatrische Institutionen untersucht. In einer am Montag in Neuenburg veröffentlichten Analyse des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums wurden 91.313 Fälle stationärer psychiatrischer Behandlungen aus den Jahren 2000 bis 2002 berücksichtigt. Rund ein Drittel aller Eintritte waren demnach nicht freiwillig. 20 Prozent der Eintritte erfolgten zwangsweise per Fürsorgerischen Freiheitsentzug (FFE). Dabei traten Männer und Frauen in gleichem Masse unfreiwillig oder zwangsweise in die Psychiatrie ein.

Besonders hoch ist laut der Studie das Risiko von unfreiwilligen Eintritten und Zwangseinweisungen für arbeitslose Männer mit schlechter Schulbildung sowie für Männer, die als Single leben und für Frauen, die geschieden sind. Unfreiwillige Eintritte und Zwangseinweisungen sind besonders häufig bei bestimmten psychiatrischen Erkrankungen mit hohem Risiko von Selbst- und Fremdgefährdung. So tragen Menschen mit akuten Psychosen ein hohes Risiko, dass der Eintritt in eine psychiatrische Klinik zwangsweise mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung geschieht. Bei Manien sind dagegen unfreiwillige Eintritte ohne formalen Zwang besonders häufig, wie es heisst.

Für Störungen durch psychotrope Substanzen wie Drogen oder Alkohol, Depression und neurotische Störungen ist die Wahrscheinlichkeit von unfreiwilligen und Zwangseintritten bei Männern und Frauen geringer. In der Analyse traten zudem Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu Tage. So tragen laut Studie nur alkoholkranke Frauen das erhöhte Risiko einer Zwangseinweisung, nicht aber Männer. Für schizophrene Männer nimmt das Risiko der Zwangseinweisung mit steigendem Eintrittsalter ab, bei schizophrenen Frauen hingegen zu.

Grosse Unterschieden zeigen sich auch unter den 18 ausgewerteten Kantonen. Einen sehr geringen Anteil an unfreiwilligen und einen kleinen Anteil an Zwangseintritten wiesen die zehn Kantone Luzern, Obwalden, beide Basel, Schaffhausen, Appenzell-Ausserrhoden, St. Gallen, Graubünden, Thurgau und Wallis auf. Ein hoher Anteil an Zwangseinweisungen wird für die Kantone Zürich, Bern, Zug, Solothurn, Aargau und Tessin ausgewiesen. Durchschnittlich sind in diesen Kantonen 30 Prozent der Eintritte Zwangseinweisungen. Die Zahl unfreiwilliger Eintritte ohne FFE ist jedoch niedrig. In den Kantonen Genf und Neuenburg weisen die psychiatrischen Daten sehr wenige Zwangseinweisungen aus, dafür aber mit fast der Hälfte aller Einweisungen mehr unfreiwillige Eintritte als alle anderen Kantone. Eine Ursache für die kantonalen Unterschiede ist, dass die Datenerfassung in Bezug auf den rechtlichen Status der Betroffenen nicht einheitlich erfolgt.

Das Gesundheitsobservatorium ist eine Organisationseinheit des Bundesamtes für Statistik, die im Rahmen des Projektes Nationale Gesundheitspolitik entstanden ist und von Bund und Kantonen einen Leistungsauftrag erhält. (dapd)

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