China versus Japan: 10 000 wegen 3 Inseln auf der Strasse
Aktualisiert

China versus Japan10 000 wegen 3 Inseln auf der Strasse

Auch am Jahrestag der Mandschurei-Besetzung streiten sich Japan und China. Diesmal um eine kleine Inselgruppe. Zehntausende Chinesen gingen auf die Strasse, Drohungen und Boykottaufrufe inklusive.

Die Aufmärsche können nach Angaben japanischer Diplomaten als die grössten japanfeindlichen Proteste seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1972 gelten. Die Proteste in Dutzenden Städten verliefen weitgehend friedlich. Ein Grossaufgebot von Polizei und Militär sicherte die gut organisierten Umzüge.

In Peking demonstrierten mehrere tausend Menschen vor der japanischen Botschaft, die von chinesischen Polizisten abgeschirmt wurde. Einige Demonstranten warfen Eier und Plastikflaschen. «Raus aus Diaoyu», war auf Schildern mit Blick auf die Inselgruppe zu lesen. In Japan sind die Inseln unter dem Namen Senkaku bekannt.

Vor dem japanischen Konsulat in Shanghai versammelten sich mehr als 3000 Demonstranten. Einige sagten, die Behörden hätten ihre Anfahrt in Reisebussen organisiert. In Shenzhen kamen laut Polizei 4000 Menschen zusammen. Auch in Taiwans Hauptstadt Taipeh gab es Demonstrationen.

Eigentlicher Anlass der Demonstrationen war der historisch heikle Jahrestag des sogenannten Mukden-Zwischenfalls am 18. September 1931, den die japanische Armee damals als Vorwand für ihre Invasion Nordostchinas genommen hatte.

Ruf nach Wirtschaftssanktionen

Der Ruf nach Wirtschaftssanktionen gegen Japan hallte durch die chinesischen Medien. Mit einem Handelskrieg könne China die japanische Wirtschaft treffen, ohne selber ähnlich stark zu leiden, argumentierten staatliche Zeitungen. Demonstranten riefen zum Boykott japanischer Waren auf.

Kriegerische Töne einiger Aktivisten liessen Japaner und japanische Unternehmen in China um ihre Sicherheit fürchten. Grosse japanische Elektronik- und Autohersteller wie Sony, Mitsubishi Electric, Toyota oder Nissan schickten ihre chinesischen Arbeiter vorerst für zwei Tage nach Hause.

Japanische Einzelhandels- und Modeketten machten ihre Geschäfte in China vorsichtshalber dicht. Nach Brandanschlägen am Wochenende erhielten einige Händler japanischer Automarken sogar Polizeischutz.

Umstrittenes Archipel

China schickte derweil nach japanischen Angaben elf Schiffe vor das umstrittene Archipel im Ostchinesischen Meer. Zehn Patrouillenboote wurden laut Küstenwache nahe der Hauptinsel Uotsurijima gesichtet. Drei drangen vorübergehend in japanische Hoheitsgewässer ein.

Zuvor habe ein Fischerei-Kontrollboot aus China die sogenannte Anschlusszone befahren. Nach Regierungsangaben in Tokio landeten zudem japanische Aktivisten auf Uotsurijima. Sie verliessen die Insel jedoch kurz darauf wieder.

Die unbewohnten Felseninseln sind seit Jahrzehnten zwischen beiden Nachbarländern umstritten. In dem Seegebiet gibt es reiche Fischgründe sowie Öl- und Gasvorkommen.

Die USA warnten vor einer Eskalation. Niemand könne ein Interesse daran haben, wenn es zu einem Konflikt komme, der Frieden und Stabilität in der Region untergrabe, warnte US-Verteidigungsminister Leon Panetta nach Gesprächen in Peking. (sda)

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