10 Infotainmentsysteme für Autos im Test
Das Infotainmentsystem ist mittlerweile Dreh- und Angelpunkt im Auto. 

Das Infotainmentsystem ist mittlerweile Dreh- und Angelpunkt im Auto.

Volvo
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Stärken und Schwächen 10 Infotainmentsysteme im Test

Displays im XXL-Format, Online-Anbindung und Sprachassistenz: Die Infotainmentsysteme haben in den letzten zehn Jahren eine steile Innovationskurve durchlebt. 20 Minuten hat zehn Systeme auf ihre Praktikabilität getestet.

von
Fabio Simeon / A&W Verlag

Licht aus und Alarmanlage ein – aber nicht im Auto, sondern zuhause. Die Infotainmentsysteme der neusten Fahrzeuggeneration machen solche Spielereien möglich. Kurzum: Sie verfügen über einen so enormen Funktionsumfang, dass selbst Hasselhoff und KITT vor Neid grün anliefen.

Aber: Viele der Features sind so «nice to have» wie entbehrlich. Deshalb bewertet 20 Minuten nur jene Dienste, welche im Alltag einen echten Mehrwert garantieren. Dazu zählen das Navigationskapitel, ein umfangreiches Medienangebot, die Soundqualität und Freisprechanlage sowie der Sprachassistent.

BMW 430i Convertible

BMW

Im Gegensatz zu den übrigen Kandidaten hält man in München noch an den Werten traditioneller Cockpit-Gestaltung fest. Heisst: In unserem Testwagen, einem BMW 430i Convertible, fällt die Touchscreen-Grösse im Vergleich mit der Konkurrenz fast schon bescheiden aus. Die vielen mechanischen Tasten sind unterdessen ein BMW-Alleinstellungsmerkmal. Für die Bedienung während der Fahrt sind diese sowie der Drehregler für die Lautstärke und der iDrive Touch-Controller jedoch ein Segen. Nicht weniger lobenswert ist der flexible Sprachassistent. Er hört nicht nur geduldig zu, er versteht auch mehr als die meisten Konkurrenten. Radio-Freunde vermissen bei der Medienauswahl einen Web-Tuner, Streaming-Freunde unterhält der Vierer mit Spotify. Für klare Gespräche sorgt die Handy-Koppelung an die Aussenantenne, für einen vollen Akku die Ablagebox und für ein zielstrebiges Ankommen das Navigationssystem. Dieses ist optimal an die Anzeigesysteme des Vierers gekoppelt und lässt alle Anweisungen – sei die Kreuzung noch so komplex – eindeutig erscheinen.

Porsche Taycan

Porsche

Die Programmdesigner in Stuttgart haben es nicht leicht. Obschon sie beste Arbeit leisten, steht bei einer Porschelancierung meist die ansprechende Karosserieform oder das kraftvolle Aggregat im Fokus. Dabei sind die Infotainmentsysteme fast so clever wie die 911er schnell sind. Vor allem jenes aus dem Taycan. Rühmenswert ist der Funktionsumfang bei gleichzeitig übersichtlicher Darstellung im fast lautlosen Elektro-Sportler. Für Klänge sorgt der Apple-Musik-Streaming- und Podcast-Player. Ein weiteres cooles Feature: Gefällt ein Song aus dem Radio, kann dieser direkt der Streaming-Playlist hinzugefügt werden. Generell scheint der Taycan ein Auto für Musikbegeisterte zu sein, zumindest mit dem optionalen Burmester-3D-Soundsystem an Bord. Mit «Hey Porsche» wird der Sprachassistent aktiviert. Dieser benötigt dann ein rasches und unzögerliches Kommando, ansonsten fällt einem der Stuttgarter ziemlich unverfroren ins Wort. Hat man den Bogen aber raus, versteht der Taycan seinen Besitzer oder seine Besitzerin ziemlich gut.

VW Golf

VW

Das neuste Infotainmentsystem aus dem Hause Volkswagen feiert seine Premiere im aktuellen Golf und setzt stärker auf Online-Dienste als bisher. So lassen sich zusätzliche Apps wie z.B. der Alexa-Sprachassistent nun problemlos neben den fixen Streaming-Diensten von Tidal oder Apple installieren. In unserem Testwagen schaltet und waltet ein zehn Zoll grosses Touchscreen-Display als Kommandozentrale vom Radio über die Lüftung bis zu den Assistenzsystemen über so ziemlich alles. Nur links vom Lenkrad findet sich ein kleines Tastenfeld für «Sicht und Licht» und eines in der Mittelkonsole. «Das sieht top modern aus, die Bedienerfreundlichkeit hat unter dem Tasten-Sterben jedoch gelitten», meinen die Boomer. «Alter, voll klar strukturiert, sogar mit Bildern, alles easy», entgegnet die Generation Smartphone. Vieles lässt sich zudem per Sprechakt steuern. Nach dem Aktivierungscode «Hallo Volkswagen» reicht Umgangssprache à la «es zieht» aus, damit das Gebläse heruntergeregelt wird.

Volvo XC 40 Recharge

Volvo

Als welche der ersten Autohersteller setzen Volvo und die Tochtermarke Polestar auf das Android-Betriebssystem von Google. Die Software, welche ursprünglich für Smartphones entwickelt wurde, steuert in unserem Volvo XC40 Recharge jedoch nicht nur die Telefonanbindung und die Navigation, sondern auch Fahrzeugfunktionen wie z. B. die Klimaanlage. Der grosse Vorteil: Mit dem Google App Store und Google Assistant stehen dem Schweden millionenfach bewährte Dienste zur Verfügung. So lassen sich mit der richtigen App und Hardware sogar das Licht, die Rollläden oder die Alarmanlage zuhause über den Volvo-Bildschirm steuern. Etwas weniger spektakulär, dafür umso praktischer, sind die Google-Maps-Navigation sowie die Spracherkennung. Erstere wirkt dank jahrelanger Smartphone-Nutzung vertraut und setzt neue Massstäbe im Bereich der Echtzeit-Navigation, letztere hört genau hin, ist nie um eine Antwort verlegen und scheint dank Google-Backup allwissend. Kurzum: Das Android-Betriebssystem nimmt im Segment der Infotainmentsysteme eine klare Vorreiterrolle ein.

Audi e-tron

Audi

Audis Elektro-Flaggschiff beeindruckt mit einer Vielzahl an Online- und Medienangeboten. Verliert etwa das DAB-Radio an Signal, bleiben die Lautsprecher im e-tron nicht wie beim 430er stumm, sondern spielen dank Hybrid-Empfänger munter aus dem Internetradio weiter. Im direkten Vergleich zum flatscreenartigen Bildschirm der S-Klasse wirkt der Hauptdisplay im Ingolstädter fast schon klein. Trotzdem werden die Route und die Strassenauslastung übersichtlich dargestellt. Darunter findet sich ein zweites Display nur für die Klimatisierung. Gegen die Einfachheit eines Drehreglers kommt auch ein sekundärer Bildschirm nicht an, immerhin entfällt die grosse Suche nach der Klimaeinstellung. Wie für einen Vier-Ringer üblich, muss man sich erst etwas mit seiner Handhabung anfreunden, bis man sein ganzes Können entdeckt. So wird zum Beispiel die Kachel mit Tipps zu freien Parkplätzen erst durch längeres Berühren des oberen Bildschirms aufgerufen – die freie Lücke ist dann aber oftmals schon gefunden. Dafür absolut top: Die Phone-Box verbindet Smartphones ohne Kabel mit der Aussenantenne und lädt sie induktiv, selbst wenn sie in einer Hülle stecken.

Mercedes-Benz S-Klasse

Daimler AG

Mit der Schlagzeile «Das beste Auto der Welt» machte die S-Klasse von Mercedes-Benz einst von sich reden. Und noch heute bleibt die Luxuslimousine mit Stern ihrem Ruf als Technologieträgerin treu. Sciencefiction-mäßige Features wie Augmented-Reality-Einblendungen im Head-up-Display und Hauptscreen kennt nebst dem Audi Q4 e-tron kein anderer Proband unserer Testreihe. Aber auch in «profaneren» Funktionen wie der Spracherkennung spielt die zweite MBUX Generation in der obersten Liga und rangelt mit dem Volvo XC40 und dem BMW 430i Convertible um die Krone des Sprechkönigs. Sicher ist der S-Klasse hingegen der Titel «grösste Rechenpower». Denn: Egal über welche Schnittstelle die Befehlseingabe erfolgt, die immense Hardwareleistung stellt eine augenblickliche Umsetzung sicher. Der einzige Wehrmutstropfen: Auch in Stuttgart hat man die analogen Bedienelemente weitestgehend aus dem Cockpit verbannt.

Kia Sorento

Kia

Nicht nur in Europa nehmen Unterhaltung und Information im Auto einen immer grösseren Stellenwert ein. Einen Beweis dafür liefern die Koreaner erst kürzlich mit ihrer neuen Infotainment-Generation «Uvo». Dieses sorgt auch im unlängst getesteten Kia Sorento für Orientierung und Entertainment. Und obwohl der Sorento rund 75'000 Franken weniger kostet als die neue S-Klasse, braucht er sich nicht vor der restlichen Konkurrenz zu verstecken. Besonders innovativ ist die Remote-App, welche etwa über LockFunction, Fahrzeugortung, Routenplaner sowie ein digitales Fahrtenbüchlein verfügt. Im Auto übernimmt ein bis zu 10,25 Zoll grosser Navigation-Touchscreen die Info- und Entertainment-Aufgabe. Lobenswert ist vor allem die Navigation mit Echtzeit-Verkehrsdaten. Auch die Darstellung gibt kaum Anlass zu Kritik. Dank angenehmen Kontrastverhältnissen lassen sich die Inhalte schnell auffassen. Apropos «auffassen»: Während der Fahrt versteht mich der Sprachassistent auch mit deutlich und lauter Aussprache nur selten. In allen anderen Disziplinen muss sich die teurere Konkurrenz sputen, um nicht in Erklärungsnot zu geraten.

Fiat 500 e

Fiat

Die Generation Smartphone ist heute 20 Jahre alt und nimmt gerne selbst auf dem Fahrersitz eines Kleinwagens Platz. Dessen ist man sich auch in Turin bewusst. Kurzerhand gestaltete man die fünfte Generation von «Uconnect» für den Fiat 500 e neu. Dabei setzte man primär auf eine unkomplizierte Verbindung zwischen Handy und Kleinwagen, um so Kontaktdaten, Kalendereinträge oder Unterhaltungselemente nahtlos nutzbar zu machen. Die Möglichkeit von Apple Car Play und Android Auto gehört schon länger dazu. Angezeigt werden die Informationen in unserem Testwagen von einem 10,25 Zoll grossen Bildschirm in der Konsolenmitte. Klickt und wischt man sich durch die Einstellungen, lässt sich dieser auch in zwei oder drei Kacheln aufteilen. Somit können neben der Navigationskarte noch weitere Informationen gezeigt werden – wie etwa der Batteriezustand. Ist dieser auf tiefem Niveau, hilft die integrierte Ladepunkte-Suche. Zusätzlich zeigt das System den Bereich, für den die Batterieladung reicht, und berücksichtigt dabei den aktuellen Verbrauch. Direkt unterhalb des Displays lässt sich das Smartphone induktiv laden. PS: Der Boden des Fachs besteht aus einer geprägten Silhouette von Turin.

Ford Mustang Mach-e

Ford

Mit dem Ford Mustang Mach-e läutet der US-Autobauer seine nächste Ära ein: neue Form, neuer Antrieb und neues Infotainmentsystem. Letzteres hört auf den Namen «Sync4». Wie bei der Konkurrenz rücken die Online-Anbindung, die Cloud und das Handy in den Fokus, dafür schwinden Knöpfe und Drehrädchen. Die mehr als 80 Fahrzeug-Einstellungsmöglichkeiten – darunter Temperatur, Ambientebeleuchtung und Sitzposition – lassen sich allesamt über das riesige 15,5 Zoll Touch-Display steuern. Wichtige Informationen und Anwendungen sollen laut dem US-Autobauer aber «maximal eine oder zwei Berührungen entfernt» sein. Ziemlich clever: Sync4 lernt stetig dazu. Laut Ford soll der Algorithmus zum Beispiel die richtigen Kommunikationsvorschläge zur richtigen Zeit bereithalten, etwa, wann es Zeit ist, den Partner oder die Partnerin anzurufen. Des Weiteren punktet die Spracherkennung durch eine rasche und unkomplizierte Verarbeitung der Befehle. Fürs Navi wurden die niederländischen Profis von TomTom ins Boot geholt. Die Verkehrsinfos werden so künftig in Echtzeit übertragen und alle 30 Sekunden aktualisiert. Ebenfalls immer aktuell: die Anzeige der Verfügbarkeit von öffentlichen Ladesäulen inklusive der entsprechenden Strompreise.

Peugeot 308

Peugeot

Auch die Franzosen schlugen unlängst ein neues Kapitel auf. Neben neuem mähnenbetonten Logo prägt ein überarbeitetes Infotainmentsystem die Peugeot-Sprösslinge. So auch im teilelektrifizierten 308. Dieser verfügt über ein zehn Zoll grosses Infotainment-Display, welches mit neuer Software bespielt wurde. Dementsprechend schnell reagiert das System auf die Befehle. Die physischen Tasten unterhalb des Bildschirms, wie man sie aus älteren Peugeot-Modellen kennt, weichen – wer hätte es gedacht – einer digitalen Lösung. Immerhin: Die «I-Toggles» haben eine angenehme Grösse. Der virtuelle «Home-Button» ist fix, alle anderen Felder lassen sich frei konfigurieren. So reicht schlussendlich eine einzelne Berührung für ein Telefonat ins Büro oder um die gewünschte Raumtemperatur einzustellen. Auch die auf der Startseite des Infotainment-Monitors angezeigten Inhalte lassen sich frei wählen. Weitere Ebenen erlauben den Zugriff auf Apps, zum Beispiel zur Integration des Smartphones. Das lädt übrigens induktiv in einer Schale in der Mittelkonsole.

Welches Infotainmentsystem findest du das beste? Was fehlt dir bei deinem? Und welches Feature schätzt du besonders?

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