Südafrika: 10 Jahre Haft für Zephanys Kidnapperin
Publiziert

Südafrika10 Jahre Haft für Zephanys Kidnapperin

19 Jahre lang suchte Familie Nurse nach ihrer gestohlenen Tochter Zephany. Jetzt wurde die Entführerin verurteilt. Glücklich ist aber keiner.

von
kle
1 / 6
Diese Frau, deren Name nicht bekannt gemacht wurde, entführte im April 1997 ein drei Tage altes Mädchen. Am 15. August 2016 wurde sie dafür von einem Gericht in Kapstadt zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Diese Frau, deren Name nicht bekannt gemacht wurde, entführte im April 1997 ein drei Tage altes Mädchen. Am 15. August 2016 wurde sie dafür von einem Gericht in Kapstadt zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Twitter
Zephany Nurse wurde aus dem Bett ihrer schlafenden Mutter im Spital geholt. 17 Jahre lang war sie spurlos verschwunden, bis im Februar 2015 ihre wahre Identität ans Licht kam.

Zephany Nurse wurde aus dem Bett ihrer schlafenden Mutter im Spital geholt. 17 Jahre lang war sie spurlos verschwunden, bis im Februar 2015 ihre wahre Identität ans Licht kam.

Twitter
Mitschülern der damals 17-Jährigen fiel auf, dass eine neue Schülerin ihr verblüffend ähnlich sah. Celeste Nurse (im Bild) und ihr Mann forderten daraufhin einen DNA-Test an. Dieser ergab, dass die beiden Mädchen Schwestern sind.

Mitschülern der damals 17-Jährigen fiel auf, dass eine neue Schülerin ihr verblüffend ähnlich sah. Celeste Nurse (im Bild) und ihr Mann forderten daraufhin einen DNA-Test an. Dieser ergab, dass die beiden Mädchen Schwestern sind.

AFP/Rodger Bosch

Ein Gericht in Kapstadt, Südafrika, hat eine 51-jährige Frau wegen Kindesentführung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Angeklagte, deren Name nicht bekannt ist, hatte am 30. April 1997 ein drei Tage altes Mädchen aus einem Spital gestohlen und als ihr eigenes Kind grossgezogen.

Der Fall hatte vor 19 Jahren für Schlagzeilen gesorgt: Die neugeborene Zephany Nurse – so hatten ihre leiblichen Eltern Celeste und Morne Nurse sie genannt – verschwand spurlos aus dem Bett ihrer schlafenden Mutter. Jahrelang suchten die Eltern nach ihr, feierten jedes Jahr ihren Geburtstag. Nach dem Verschwinden ihrer Tochter bekamen sie noch drei weitere Kinder.

Zephany und ihre Schwester werden Freundinnen

Im Februar 2015 kam die wahre Identität des Mädchens durch Zufall ans Licht: Mitschülern der damals 17-Jährigen fiel auf, dass eine neue Schülerin ihr verblüffend ähnlich sah. Die beiden ahnungslosen Mädchen hatten sich sogar angefreundet. Familie Nurse forderte daraufhin einen DNA-Test an. Dieser ergab, dass die beiden Schwestern sind.

Wie sich herausstellte, hatte die Kidnapperin Zephany erst sechs Jahre nach der Geburt mit einem falschen Geburtsdatum bei den Behörden registrieren lassen. Vor Gericht erklärte die Angeklagte, sie habe Ende 1996 nach mehreren Fehlgeburten aus Verzweiflung eine Frau namens Sylvia kontaktiert und dafür bezahlt, ein Baby für sie zu finden. Dieses habe sie dann fünf Monate später in Empfang genommen. Im Kreuzverhör verstrickte sie sich allerdings in Widersprüche, die angebliche Vermittlerin Sylvia wurde nie gefunden.

Der Mann der Entführerin soll von der Tat nichts gewusst haben, schreibt BBC. Er meinte, Zephany sei legal adoptiert worden. Und auch für Zephany war die Wahrheit über ihre Familie ein Schock. «Sie fühlt sich im Moment sehr verunsichert», sagt der Psychologe Oliver Fachs. 17 Jahre lang war sie in einer glücklichen Familie aufgewachsen und hatte mit ihrer Entführerin Muttertag gefeiert.

Ein Fall ohne Happy End

In den südafrikanischen Medien wird der kontroverse Fall jetzt heiss debattiert, denn wie sich zeigt, haben alle Beteiligten verloren: Das Mädchen, das immer noch den Namen trägt, den ihr die Kidnapperin gegeben hat, will mit der Familie Nurse nichts zu tun haben. Es lebt weiter bei seinem Adoptivvater.

Die Entführerin muss für zehn Jahre hinter Gitter, ihr Mann und das Mädchen müssen in dieser Zeit allein zurechtkommen. Das Bekanntwerden der Wahrheit hat auch die Beziehung des Ehepaars Nurse schwer belastet, es liess sich kurz danach scheiden.

Deine Meinung