Schockierende Strafe - 10 Monate Haft und 40 Peitschenhiebe – weil er Nüsse klaute
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Schockierende Strafe10 Monate Haft und 40 Peitschenhiebe – weil er Nüsse klaute

Im Iran wurde ein 45-jähriger Mann zu zehn Monaten Gefängnis und 40 Peitschenhieben verurteilt. Selbst in konservativen Kreisen wird die Strafe stark kritisiert.

von
Karin Leuthold
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Das Symbolbild zeigt, wie ein Mann im Iran ausgepeitscht wird. Am 25. Oktober 2021 wurde bekannt, dass ein 45-jähriger Familienvater zu 40 Peitschenhieben verurteilt wurde, weil er drei Päckchen Cashews gestohlen hatte.

Das Symbolbild zeigt, wie ein Mann im Iran ausgepeitscht wird. Am 25. Oktober 2021 wurde bekannt, dass ein 45-jähriger Familienvater zu 40 Peitschenhieben verurteilt wurde, weil er drei Päckchen Cashews gestohlen hatte.

Symbolbild Facebook/Pierre Dirkes
Dazu muss der Veurteilte eine zehn Monate lange Haftstrafe absitzen. Das Gerichtsurteil wird nun im Iran kritisiert. Konservative Kreise im Land fordern die Justiz auf, das Urteil gegen den 45-Jährigen zu «erklären oder zu korrigieren».

Dazu muss der Veurteilte eine zehn Monate lange Haftstrafe absitzen. Das Gerichtsurteil wird nun im Iran kritisiert. Konservative Kreise im Land fordern die Justiz auf, das Urteil gegen den 45-Jährigen zu «erklären oder zu korrigieren».

Facebook/BangalirADDA

Darum gehts

  • Ein Gerichtsurteil im Iran schockiert die Öffentlichkeit.

  • Ein Mann wurde zu zehn Monaten Gefängnis und 40 Peitschenhieben verurteilt, weil er drei Päckchen Cashews gestohlen hatte.

  • In den sozialen Medien wird das harte Urteil kritisiert: Ein User stellte einen Vergleich mit dem klassischen Roman «Les Misérables» von Victor Hugo her.

Ein Gerichtsurteil im Iran schockiert selbst die fundamentalistische Fronten der Islamischen Republik: Ein 45-jähriger Mann wurde zu zehn Monaten Gefängnis und 40 Peitschenhieben verurteilt, weil er drei Päckchen Cashews gestohlen hatte. Ein Mitglied der Universität Teheran veröffentlichte auf Twitter ein Bild des Gerichtsentscheids.

Die konservative Nachrichtenagentur Fars bezeichnet das Urteil als «überraschend» und verwies auf das «Missverhältnis zwischen der Strafe und dem begangenen Verbrechen». Sie fordert die Justiz auf, das Urteil gegen den 45-jährigen Vater von drei Kindern zu «erklären oder zu korrigieren».

Wie in «Les Misérables» – aber 160 Jahre später

Daraufhin meldete die zur iranischen Justiz gehörende Agentur «Mizan Online» die Bildung einer «Sonderkommission» in der Provinz Qom, die die Frage der «Verhältnismässigkeit der Straftat» untersuchen soll. Die Kommission «wird versuchen, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Strafe zu reduzieren», so Mizan Online.

Wie das Portal Human Rights Monitor schreibt, werde nicht angegeben, wo der Prozess stattgefunden hat. Auf Social Media wird jedoch gross darüber debattiert. So verspottete ein User das Urteil und stellte einen Vergleich mit dem klassischen Roman «Les Misérables» von Victor Hugo her. «Fast 160 Jahre nach der Veröffentlichung von ‹Les Misérables› werden die Jean Valjeans weiterhin verurteilt», kommentierte der Nutzer.

100 Vergehen werden mit Auspeitschung bestraft

Das iranische Regime ist einer der wenigen Staaten, die immer noch körperliche Strafen wie Auspeitschen und Amputation anwenden, obwohl alle internationalen Konventionen über Menschenrechte die Anwendung solcher Strafen verboten haben.

Doch der Iran stellt sich taub: Nach dessem Strafrecht können mehr als 100 Vergehen mit der Auspeitschung bestraft werden. Dazu gehören Diebstahl, Betrug, Alkoholkonsum oder -verkauf sowie moralische Vergehen wie Küssen in der Öffentlichkeit, homosexuelle Handlungen und sexuelle Beziehungen zwischen unverheirateten Männern und Frauen.

Darüber hinaus werden im Iran regelmässig Demonstranten, Dissidenten und Personen, die unter anderem des Ehebruchs und Diebstahls angeklagt sind, vom Regime ausgepeitscht. Auspeitschen ist eine grausame und erniedrigende Strafe und kommt der Folter gleich.

Der verurteilte Täter hat keine Berufung eingelegt

Human Rights Monitor kritisiert das jüngste Strafurteil hart: «Der Mann wurde wegen des Diebstahls von Cashewnüssen zur Auspeitschung verurteilt, während die Elite weiterhin Millionen Dollar stiehlt und einen verschwenderischen Lebensstil führt». Dabei lebten etwa 80 Prozent der Iraner unterhalb der Armutsgrenze, so die Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen.

Ob der Nüssedieb seiner Strafe tatsächlich entkommen wird, ist fraglich. Wie die Nachrichtenagentur Fars weiter berichtet, sei das Urteil bereits rechtskräftig, da der Mann keine Berufung eingelegt habe.

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