100 000 Auslandschweizer wollen stimmen
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100 000 Auslandschweizer wollen stimmen

Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer nehmen immer reger am politischen Leben in ihrer Heimat teil: Per Ende 2005 haben sich 105 212 von ihnen in ein Stimmregister eintragen lassen.

Diese Zahl liegt vier Mal höher als die Schätzungen aus dem Jahre 1992, als der Bund die briefliche Stimmabgabe für im Ausland wohnende Schweizerinnen und Schweizer einführte. Georg Stucki, Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO), wertete die Zahl am Samstag vor den Medien als erneuten Beweis für das zunehmende Interesse der Ausgewanderten am hiesigen politischen Geschehen.

Warten auf E-voting

Die ASO hofft, dass das Engagement in den nächsten Jahren weiter zunimmt. Sie verspricht sich einiges von der baldigen Einführung des elektronischen Stimmrechts, wie Stucki weiter ausführte. Sie macht sich deshalb dafür stark, dass diese Form der Stimmabgabe noch vor 2010 Wirklichkeit wird.

Die in Stimmregistern eingetragenen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer entsprechen im Schweizer Schnitt 2,2 Prozent aller Stimmberechtigten. In gewissen Kantonen ist der Anteil der Stimmberechtigten im Ausland erheblich: In Genf etwa machen sie 5,7 Prozent, in Basel-Stadt 4,4 Prozent der Stimmberechtigten aus.

Es sei unerlässlich, dass die Schweizer Politik sich der Bedeutung und der Bedürfnisse der so genannten Fünften Schweiz bewusst sei und diese aktiv in politische Debatten miteinbeziehe, sagte Stucki. Die ASO setzt ihre Anstrengungen denn auch fort, um die Beteiligung der Auslandschweizer an Urnengängen zu erhöhen.

Während ihrer Frühjahressitzung vom Samstag feierten die über 120 Delegierten des Auslandschweizerrates am Samstag im Nationalratssaal das Durchbrechen der «Schallmauer» von 100 000 in ein Stimmregister eingetragenen Auslandschweizern. Damit seien alle Erwartungen übetroffen worden, heisst es in einem Communiqué.

Politische Debatte beleben

Zurzeit haben mehr als 634 000 Schweizerinnen und Schweizer ihren Wohnsitz im Ausland. Die Vertreter der Fünften Schweiz bekräftigten im Bundeshaus vor Repräsentanten der Regierungsparteien die Bedeutung der Partizipation von Auslandschweizern am politischen Leben der Schweiz.

«Durch ihre je unterschiedlichen Erfahrungen und ihre Weltoffenheit bereichern sie die politische Debatte mit neuen Impulsen und einer internationalen Dimension. Deshalb sind wir auf sie angewiesen», sagte Nationalrätin Thérèse Meyer-Kaelin (CVP/FR), Präsidentin der aus 85 Mitgliedern bestehenden parlamentarischen Gruppe «Auslandschweizer».

Die steigende Zahl der in einem Stimmregister eingetragenen Auslandschweizer verleihe ihnen ein nicht zu unterschätzendes politisches Gewicht und das Potenzial, bei Abstimmungen das Zünglein an der Waage zu spielen.

SVP-Präsident Ueli Maurer sprach sich für eine «souveräne und unabhängige» Schweiz und gegen eine weitere Annäherung an die EU aus. Eine entgegengesetzte Position nahm SP-Präsident Hans-Jürg Fehr ein. Die Landsleute im Ausland erwarteten von der Schweiz, dass sie «ein offenes und gastfreundliches Land» sei.

FDP-Vizepräsidentin Marianne Kleiner sagte, dass sich ihre Partei für das elektronische Abstimmen und für swissinfo und so für eine «offene und intelligente» Schweiz einsetze.

(sda)

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