Aktualisiert 05.02.2010 10:52

Datenklau100 000 Deutsche bunkern 34 Milliarden

Seit Ende Januar ist es bekannt: Ein Unbekannter bietet Deutschland eine CD mit gestohlenen Bankdaten aus der Schweiz an. Doch der Deal wurde schon vor über einem Jahr eingefädelt. Aus einer internen Schätzung der Credit Suisse geht derweil hervor, wie viel Geld Deutsche in der Schweiz vor den Steuerbehörden verstecken.

von
mlu
Wie viel Geld verstecken die Deutschen in der Schweiz?

Wie viel Geld verstecken die Deutschen in der Schweiz?

Rund 88 Prozent ihrer deutschen Kunden, die in Schweizer Filialen ihr Geld anlegen, sind Steuerhinterzieher, schätzte die Credit Suisse (CS) im Jahr 2004. Dies geht aus einer internen Präsentation hervor, aus der die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) zitiert. Die CS schätzte auch, wie viele Deutsche in der Schweiz insgesamt ihr Geld vor dem Fiskus versteckten – und kam auf beachtliche Zahlen: So sollen rund 100 000 Deutsche rund 34 Milliarden Franken auf Schweizer Bankkonten lagern, unversteuert.

2004 erfolgte laut der SZ bei der CS ein Strategiewechsel: Die Bank wollte ihre deutschen Kunden, die Steuern hinterzogen, dazu bringen, zusätzliches Geld bei dem Institut anzulegen, diesmal in transparenten Geldanlagen, deren Erträge auch versteuert würden. Bankberater sollten die Schwarzgeldkunden mit dem Satz ködern: «Wir kennen uns ja schon sehr lange, von dieser guten Basis kann auch Ihr offizielles Vermögen profitieren!»

«Konsequente Weissgeld-Strategie»

Etwas anders stellt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» den Strategie-Wechsel dar: Die CS verfolge seit rund fünf Jahren erklärtermassen eine «konsequente Weissgeld-Strategie». So will die Bank nach eigener Darstellung die Vermögensanlage in den Heimatländern, das sogenannte Onshore-Banking, verstärkt haben. Aus dem grenzüberschreitenden Geschäft mit den Industrieländern stammten im vergangenen Jahr gerade noch 5 Prozent der 100 Milliarden Franken Neugeld. Die Bank betont auch, sie unterziehe Kundenberater im grenzüberschreitenden Geschäft regelmässigen Prüfungen.

Derweil stellen sich in Deutschland die ersten Steuersünder den Behörden. So haben sich laut der «SZ» im Bundesland Niedersachsen sieben mutmassliche Steuerhinterzieher gemeldet. Nach Angaben des Finanzministeriums hätten sie Zinseinnahmen von rund 2,9 Millionen Euro nicht angegeben. Sie müssen nun rund einen Drittel dieser Summe als Steuern nachzahlen. Die «SZ» meldet weiter, dass der Informant mit der brisanten CD bereits vor einem Jahr bei den Steuerbehörden in der Stadt Wuppertal vorstellig geworden sei.

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