100 000 Franken aus Briefkästen gefischt
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100 000 Franken aus Briefkästen gefischt

Vor dem Basler Strafgericht hat der Prozess gegen ein Mitglied der «Zaire-Connection» begonnen. Der Kongolese soll Zahlungsaufträge aus Briefkästen gefischt und eine Summe von insgesamt 100 000 Franken eingesackt haben.

Der Mann aus dem ehemaligen Zaire muss sich unter anderem wegen gewerbsmässigen Betrugs verantworten. Er soll mit aus Briefkästen gefischten Zahlungsanweisungen Geld auf eigene Konten umgeleitet haben.

Dem Angeklagten, ein 46-jähriger Mann aus dem ehemaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, wird unter anderem gewerbsmässiger Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und Geldwäscherei vorgeworfen. Die Deliktsumme beträgt 100 000 Franken, wovon allerdings rund 55 000 Franken wieder zurückerstattet werden konnten, da die Betrügereien vorher aufflogen. Die vom Gericht behandelten Fälle ereigneten sich im Frühsommer 2005. Als der in Frankreich wohnhafte Angeklagte festgenommen wurde, trug er einen gefälschten Ausweis auf sich.

Hintergrund des Prozesses sind Organisationen, die die Schwachstellen im Sicherheitssystem der Wirtschaft auszunutzen versuchen. Diese Organisationen, deren Zentren in Paris vermutet werden, lassen so genannte Läufer kursieren. Diese Läufer versuchten in grossem Stil im Raum Schweiz, Frankreich, Belgien Zahlungsanweisungen aus Briefkästen von Post oder Banken zu fischen und - mittels leichter Aenderungen der Dokumente - Geld auf eigene Konten umzulenken. Wie die Behörden in den beiden Basel ermittelten, handelt es sich bei diesen Läufern oft um in der Schweiz wohnhafte Afrikaner, in einigen Fällen mit Schweizerinnen verheiratet, die aber nur schlecht oder gar nicht integriert seien.

Das erbeutete Geld wurde dann meist von einem Verbindungsmann nach Paris abtransportiert. Der Angeklagte im Basler Prozess dürfte allerdings mehr als nur ein Läufer sein. Laut Ermittlungen hat er selber in der Schweiz sieben Konten unterhalten. In Frankreich waren ausserdem nicht weniger als 16 verschiedene Namen von ihm registriert worden. Er bestreitet alle ihm zur Last gelegten Delikte. Das Urteil wird für den (morgigen) Dienstagabend erwartet.

Den Schweizer Behörden ist es bis jetzt nicht gelungen, andere und weitere Hintermänner der Organisation ausfindig zu machen. Gefasst und verurteilt werden konnten bis heute nur einige der Läufer. Es sei schwierig, in diese Strukturen eigene Fahnder einzuschleusen, hiess es dazu verschiedentlich bei den Baselbieter Strafbehörden. Auch machten die teilweise geringen äusserlichen Unterschiede die Arbeit schwierig, war am ersten Prozessmorgen bei den Vernehmungen zu erfahren.

Zuletzt hat das Baselbieter Strafgericht im Juli 2004 einen Läufer, einen 37-jährigen Kongolesen, wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung zu drei Jahren Zuchthaus und acht Jahren Landesverweis verurteilt. In den letzten Monaten hat die «Zaire-Connection» ihr Vorgehen allerdings modifiziert: Sie hat sich auf Betrügereien mit Kredit-Karten verlegt. (dapd)

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