Krise: 100 000 werden ihren Job verlieren
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Krise100 000 werden ihren Job verlieren

In der Schweiz hat sich die Zahl der Kurzarbeitenden seit März verdoppelt. Und das ist erst das Vorspiel: In der letzten Krise mussten 80 Prozent der Betriebe mit Kurzarbeit später auch Stellen streichen. Ein Experte rechnet damit, dass gegen 100 000 Vollzeitstellen wegfallen.

Die Schweiz hat einen neuen Kurzarbeits-Rekord: 80 000 Menschen arbeiten kurz – was einer Verdoppelung seit März 2009 entspricht. Dies zeigt eine Umfrage der Zeitung «Sonntag» unter den Kantonen.

Doch trotz neuem Kurzarbeitsrekord gibt es keine Entwarnung an der Arbeitsplatz-Front. Im Gegenteil: ETH-Konjunkturforscher Jan-Egbert Sturm weist darauf hin, dass in der letzten Krise rund 80 Prozent der Betriebe, die Kurzarbeit einführten, später Entlassungen vorgenommen haben: «Die Gefahr von Entlassungswellen ab Sommer oder Herbst ist deshalb vorhanden. Wir schätzen, dass sich der Abbau von Arbeitsplätzen im zweiten Halbjahr beschleunigen wird und allein in dieser Periode gegen 100 000 Vollzeitstellen wegfallen», sagt Sturm.

Weiterhin wird im Ausland rekrutiert

Die Arbeitslosigkeit dürfte also massiv steigen. Trotzdem rekrutieren Schweizer Unternehmen weiterhin Fachkräfte im Ausland. Der Grund: In der Schweiz werden zuwenig Akademiker ausgebildet, da der Zugang zu den Gymnasien bewusst tief gehalten wird. Das stösst zunehmend auf Kritik: «Zulassungsquoten zu den Mittelschulen sind Unsinn», sagte der Aargauer FDP-Nationalrat Philipp Müller in der Zeitung «Sonntag»: «Wenn wir sie abschaffen, brauchen wir weniger Hochqualifizierte aus dem Ausland.»

Um die Zuwanderung zu beschränken, will Müller bei den Sozialversicherungen ansetzen: «Unsere Sozialversicherungen sind viel zu attraktiv - vor allem die Arbeitslosenversicherung.» Ferner müsse der Vollzug verschärft werden Müller: «Wer seinen Job kündigt und damit grobfahrlässig arbeitslos wird, dem sollte die Aufenthaltsbewilligung entzogen werden können.»

6,2 Milliarden Verlust für Arbeitslosenversicherung

Der rasante Anstieg der Kurzarbeit ist auch dem Bund nicht entgangen: Das Staatsekretariat für Wirtschaft Seco erhöhte vor 11 Tagen das diesjährige Budget für Kurzarbeit von 280 auf 650 Millionen Franken, wie Seco-Sprecherin Rita Baldegger bestätigt. Für die Arbeitslosenversicherung insgesamt ist gemäss Seco dieses Jahr ein Verlust von 6,2 Milliarden Franken budgetiert, per Ende 2010 sind es rund 11 Milliarden Franken.

(mlu)

Kurzarbeit

Mit der Einführung von Kurzarbeit wird verhindert werden, dass Unternehmen bei schlechter Auftragslage umgehend Angestellte entlassen. Die Arbeitslosenversicherung entschädigt den Arbeitgebern während neu 18 Monaten 80 Prozent der ausgefallenen Arbeitsstunden. Dank der Einführung von Kurzarbeit bleibt den Betrieben das Fachwissen erhalten: Sie erhalten Sicherheit für ihre Planung und können die Angestellten bei verbesserter Auftragslage rasch wieder vollumfänglich einsetzen. Die Einführung von Kurzarbeit erfordert eine Bewilligung vom Kanton.

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