Alpenraum: 100 Felswände sind besonders gefährlich
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Alpenraum100 Felswände sind besonders gefährlich

Die Gebirgskantone Wallis, Graubünden und Bern sind am stärksten von weiteren Felsstürzen betroffen.

von
roy
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Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter  könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen.

Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen.

AFP
Musste Bergung abbrechen: Einsatzleiter Andrea Mittner informiert die Medien. (26. August 2017) Bild: Thomas Egli

Musste Bergung abbrechen: Einsatzleiter Andrea Mittner informiert die Medien. (26. August 2017) Bild: Thomas Egli

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Erneuter Murgang: Schlammlawine in Bondo. (25. August 2017)

Erneuter Murgang: Schlammlawine in Bondo. (25. August 2017)

AFP/Miguel Medina

Die Katastrophe von Bondo GR wird nicht die letzte ihrer Art sein: Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen, dass allein im Alpenraum 100 Felswände und rutschgefährdete Hänge rund um die Uhr mit Sensoren überwacht werden – das bestätigt Hugo Raetzo von der Abteilung Gefahrenprävention des Bundesamts für Umwelt.

Zudem gibt es in den Gewässern der Alpen und Voralpen mehrere Dutzend weitere Systeme, die bei Schlammlawinen Alarm schlagen. Eine solche Lawine begrub auch das Dorf Bondo unter sich.

Wo die gefährdeten Felswände sind, ist nur zum Teil bekannt. Aus den Alarmsystemen ist aber zu schliessen, dass die Gebirgskantone Wallis, Graubünden und Bern am stärksten betroffen sind. Die Schweizer Bevölkerung, die im Alpen- und Voralpenraum lebt, zahlt einen hohen Preis. Ein aktueller Bafu-Bericht von 2016 beziffert allein die jährlichen Schäden wegen Naturkatastrophen auf über 300 Millionen Franken.

Glaziologe fordert Taten

Im «Sonntagsblick» ergänzt der emeritierte Glaziologe der Universität Zürich, Wilfried Haeberli: «Es ist nicht die Frage, ob ein Ereignis wie dieses passiert. Die Frage ist, wann und wo.»

Und wenn es passiere, sei die Gefahr einer grossen Flutwelle sehr gross. Es würde schon, «ein Zehntel des Seevolumens an Sturzmasse» genügen, «um einen See ganz zu entleeren». Darum müsse jetzt gehandelt werden. Haeberli: «Die Schweiz hat die finanziellen Mittel und das Know-how, um solche Katastrophen zu verhindern.» Aber: «Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, der Denkprozess muss jetzt einsetzen.»

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